Retz

Erstellt am 16. Juli 2016, 05:48

von Christian Pfeiffer

Premiere: Trennlinien der Gesellschaft. Mit „Jephtha“ von Georg Friedrich Händel hat das Festival Retz das perfekte Stück für den aktuellen Konflikt falsch verstandener Gottesfürchtigkeit programmiert.

Die entscheidende Szene, in der Jephtha (Daniel Johannsen, liegend) erkennt, dass das Gott zugedachte Opfer für die gewonnene Schlacht seine eigene Tochter Iphis (Bernarda Bobro, im Hintergrund) ist. Foto: Claudia Prieler  |  Claudia Prieler

Mit seiner Tätigkeit als Intendant des Festivals Retz verbindet Alexander Löffler auch die Hoffnung, „dass die Begeisterung für offene Grenzen nicht erlischt“. Für ihn steht das Verbindende vor dem Trennenden, wie er in seiner Eröffnungsansprache anlässlich der Premiere von Händels „Jephtha“ betonte.

Gesungen wird auf hohem Niveau

Das Festival Retz versuche, so Löffler, immer wieder die Trennlinien in der Gesellschaft aufzuzeigen, wie im Fall des dramatischen Oratoriums von Händel eine falsch verstandene Gottesfurcht. Jephtha schwört, Gott ein Opfer zu bringen, sofern er in der bevorstehenden Schlacht siegreich sein sollte. Und das Schicksal will es, dass es sich bei dem Opfer um Jephthas Tochter handelt. Jephtha fühlt sich seinem Schwur zu Gott verpflichtet und erst ein Engel kann den Tod der Tochter verhindern.

Die Umsetzung lag in den bewährten Händen von Monika Steiner, die nach zehn Inszenierungen auch die Ästhetik des Festivals prägt. Ein symbolisch aufgeladenes Bühnenbild, mit dem zentralen Element eines ambivalenten Tisches, der auch als Grab zu identifizieren war, sowie monochrome Kostüme bestimmen die Optik.

Gesungen wird auf hohem beziehungsweise höchstem Niveau. Daniel Johannsen gibt den Jephtha geradezu übermütig und erkennt erst spät die Konsequenz seines Handelns. Als Jephthas Tochter Iphis kann Bernarda Bobro glänzen. Eine ganz besondere Entdeckung des Abends ist Monika Schwabegger, die als Jephthas Frau Storge musikalisch wie szenisch großen Eindruck hinterlässt. Nach über drei Stunden fiel der Jubel für Ensemble und Team triumphal aus.

Für nächstes Jahr wälzt das Team bereits große Pläne. Christoph Ehrenfellner wurde mit einem Kompositionsauftrag (samt Libretto) für die Kirchenoper „Judas Iskariot“ betraut. Um diese Pläne umsetzen zu können, setzt auch das Festival Retz auf Crowdfunding. Bis 31. Juli läuft das Projekt, das mithelfen soll, das Auftragswerk zu produzieren, auf der Plattform „wemakeit“.