Erstellt am 08. Oktober 2015, 16:22

von Sandra Frank

„Flaggschiff unserer Bildungsstadt“ - Hollabrunn feierte 150er. Erstmals in der Geschichte des Hollabrunner Bundesgymnasiums führt die Schule heuer sechs erste Klassen. Die Geschichte des Gymnasiums, sie zählte am 2. Oktober ganz genau 150 Jahre.

 |  NOEN, Frank
Zur stimmungsvollen „Geburtstagsfeier“ wurde wenige Tage danach, am 8. Oktober, in den Hollabrunner Stadtsaal geladen. Dieser war gesteckt voll, mit Schülern, Eltern, Lehrern und Absolventen. Das Blasorchester der Schule unter der Leitung von Michael Grünauer stimmte die Gäste auf die bevorstehende Feierstunde ein. Jutta Kadletz, die seit dem Jahr 2009 Direktorin der AHS ist, begann ihre Festrede mit der ersten Zeile aus dem vierten Streich von Max und Moritz. Warum sie gerade diese Zeilen von Wilhelm Busch ausgewählt hat?

„Weil er sie genau vor 150 Jahren geschrieben hat“, erzählt die Direktorin, die daraufhin einen Abriss aus der Geschichte der Schule gibt. 1865 wurde das Gymnasium gegründet, 1871 kam die Oberstufe dazu. „Damals hatte das Gymnasium nicht einmal 50 Schüler die von sieben Lehrern unterrichtet wurden“, weiß Kadletz. Die Schüler waren nur Burschen, die Lehrer nur Männer.

Gutes Miteinander zwischen Schülern, Eltern und Lehrern

Doch das Bild der Schule hat sich rasch stark gewandelt. Anfang der 1960er Jahre zählte das Gymnasium bereits 500 Schüler, der Standort auf dem Kirchenplatz wurde zu klein, die Bildungseinrichtung übersiedelte in die Reucklstraße. Dort hat das BG/BRG Hollabrunn bis heute sein Zuhause. Allerdings wurde das Gebäude Anfang der 90er Jahre erneut zu klein, denn 700 Schüler wurden dort ausgebildet. „Damit war der Standort mehr als ausgelastet“, spricht die Direktorin über den Neubau und die Generalsanierung, die 1993 bis 1996 über die Bühne gingen.



Das gute Miteinander zwischen Schülern, Eltern und Lehrern sei das, worauf Kadletz besonders stolz ist. Nur so werden viele Projekte, wie der Gymnasiumball, das Schulfest oder der Adventmarkt überhaupt möglich. Diese Miteinander zeigte sich auch auf der Bühne: Es wurde musiziert, Theater gespielt und zu den Klängen der Carmina Burana gab’s eine beeindruckende Akrobatik-Show.

Was im Jahre 1865, dem Gründungsjahr des Hollabrunner Bundesgymnasiums noch alles geschah, und wie sich die Schule bis heute weiterentwickelte, gespickt mit einigen Schnappschüssen aus vergangenen Tagen – das wurde in einer kurzen Präsentation gezeigt, die Johannes Geyer, der ehemalige Direktor der Schule (1985 bis 2009) zusammengestellt hatte. Dabei waren auch Bilder der 100-Jahr-Feier zu sehen. Bilder, die „sehr persönliche Erinnerungen in mir geweckt haben“, sagt Kulturstadtrat Karl-Heinz Jirsa, der bei dieser Feier im Schülerchor dabei sein durfte.

Gymnasium ist "ein Erfolgsmodell"

Jetzt, 50 Jahre später, ist er ebenso stolz darauf, bei der Feier auf der Bühne stehen zu dürfen. Das BG sei nicht nur die älteste Bildungseinrichtung der Stadt, sondern auch „das Flaggschiff unserer Bildungsstadt Hollabrunn“. Warum man seine Kinder ins Gymnasium schickt, beantwortete Eltervereins-Obmann Alexander Strobl: „Die AHS ist als Schulform aktueller denn je.“ Das Gym biete eine breite Allgemeinbildung, den besten Fremdsprachenunterricht, gibt Einblicke in die Wirtschaft und überhaupt sei „das Gymnasium grundsätzlich ein Erfolgsmodell“.

Wie sich das Bild des Lehrer im Laufe der Jahrzehnte gewandelt habe, beschrieb Bezirkshauptmann Stefan Grusch: „Früher war der Lehrer eine Autoritätsperson, seine Noten waren gefürchtet.“ Heute ist ein Lehrer Sozialbetreuer der Klasse, der auch die Krisenintervention beherrschen muss. „Der Beruf des Lehrers ist kein einfacher und sicher auch kein Alltagsjob.“

Wie viele Wege einem nach Abschluss des Gymnasiums offen stehen, das zeigte ein Interview mit Absolventen, die es ebenfalls in die verschiedensten Bereich verschlug. Etwa Columban Luser, Abt des Stifts Göttweig, konnte aus seiner Schulzeit viel in sein heutiges Leben mitnehmen. „Besonders Altgriechisch, das brauch‘ ich wie mein täglich Brot“.

„Lebenstüchtige und g’scheite Menschen" geformt

Waltraud Müllner-Toifl ist heute Bezirkshauptmann von Korneuburg. Auch sie erinnert sich daran, wie ihre Zeit am Gymnasium sie geprägt hat, vor allem deswegen, weil „es zu meiner Zeit nicht selbstverständlich war, als Mädchen ins Gymnasium zu gehen“. Erich Wessner, Staatsopernsänger in Ruhe, ist ebenfalls ein Kind der Hollabrunner AHS.  In seiner Schulzeit zeichnete sich ab, dass „ich eine fürchterliche Niete in Chemie, Physik und Mathematik bin“, lacht der Hollabrunner. Dafür entdeckte er recht bald, dass die Musik und die Bühne seine Welt waren.

„Lebenstüchtige und g’scheite Menschen zu formen“, das sei die Aufgabe eines Gymnasiums, sagte Wolfgang Schüpany in seiner Festrede. Schüpany ist  als Schulbetreuer für das Hollabrunner Gymnasium zuständig. Er lobte die großartige Entwicklung der Bildungseinrichtung, immerhin stand sie schon einmal für der Schließung, weil sie nur von 41 Schülern besucht wurde. Im Schuljahr 2015/2016 sind es knapp 700. Warum der Zustrom so groß ist? Weil sich das Gymnasium ständig weiterentwickelte und es Lehrer gibt, die ihren Schülern mit Freude Wissen vermitteln, beantwortete der Landesschulinspektor diese Frage.

Dass diese Feier mit „sehr viel Gefühl und Freude“ organisiert wurde, das entging auch Landesrätin Barbara Schwarz nicht. „Da wird Bildung mit Herz gemacht. Das spüren die Leute, das strahlt die Schule aus“, ist ihre Erklärung für die Beliebtheit des Gymnasiums. Schwarz absolvierte ebenfalls eine AHS und ist froh darüber, wie sie selbst sagt. Denn in ihrem heutigen Beruf werde sie oft „irgendwo hin gestellt“ und müsse eine Rede halten. Zu unterschiedlichsten Themen. Hier komme ihr ihr breites Allgemeinwissen, auf das sie zurückgreifen kann, zugute.