Erstellt am 25. November 2015, 03:58

von Ulrike Grünauer

Flüchtlings-Integration am offenen Feuer in der Jurte. Jugendliche erfuhren die wichtigsten Fakten zur Bio-Landwirtschaft und lernten regionale Gemüsesorten kennen.

Wenn's ein Projekt mit den Pfadis gibt, darf offenes Feuer nicht fehlen. Die Flüchtlingsburschen wurden überall problemlos aufgenommen.  |  NOEN, Grünauer

Gemeinsam eine Jurte aufbauen, Holz hacken und gemeinschaftliches Kochen auf offenem Feuer – die Hollabrunner Pfadfinder, der Verein menschen.leben und die österreichische Umweltschutzorganisation „GLOBAL 2000“ veranstalteten einen Workshop zum Thema Landwirtschaft und Ernährung mit den in Hollabrunn lebenden unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingsburschen und -mädchen. Vor allem der Spaß und das Abenteuergefühl sollten im Mittelpunkt stehen.

Die Stimmung ist locker und lustig, der Umgang miteinander freundlich und respektvoll. Letzte Handgriffe an der Jurte werden getätigt, ein Junge ist so geschickt darin, dass sich die Frage stellt, ob er in seinem Heimatland auch schon oft Zelte aufgebaut hat. Mit einem Lächeln verneint der 16-jährige Afghane.

Dafür, dass er erst fünf Monate in Österreich lebt, spricht er sehr gut Deutsch. Man kann sich gut mit ihm unterhalten und erfährt einiges über sein Leben.

„Ich habe in der WG viele Freunde gefunden“

Bevor er in Hollabrunn untergebracht wurde, war er in Traiskirchen und in der Kaserne in Klosterneuburg. „Hier in Hollabrunn ist es toll, ich habe in der WG viele neue Freunde gefunden“, berichtet der Teenager begeistert. Ab und zu gibt es Probleme mit der Kommunikation, immerhin sind mit Afghanistan, Syrien und dem Irak drei Nationen vertreten. Aber die Jugendlichen arbeiten eifrig an ihren Deutschkenntnissen.

Großes Thema ist derzeit der Start der Übergangsklasse mit 30. November, wo die im Studentenheim untergebrachten Flüchtlingsburschen die Möglichkeit haben, ihren Bildungsweg in Österreich zu starten. „Ich bin in Afghanistan auch in die Schule gegangen“, merkt man dem 16-Jährigen an, dass er sich sehr auf diese Chance freut. Er hat ein großes Ziel vor Augen: „Ich möchte gerne Bauingenieur werden.“

In Hollabrunn fühlt er sich willkommen. Das liegt nicht zuletzt an den unterschiedlichen Vereinen, die ihre Tore für die jungen Flüchtlinge gerne öffnen. Diese nutzen den Fitnessraum im Sporthotel, gehen zum Kickbox-Training, spielen Billard oder Tischfußball im Jugendtreff der jugendarbeit.07 in Hollabrunn.

Die Burschen vereint außerdem die Leidenschaft für Fußball und so wird gemeinsam oft ein kleines Match gespielt. Freizeitbeschäftigungen, die für die Jugendlichen sehr wichtig sind.

x  |  NOEN, Grünauer

In einem Raum im Pfadfinderheim sitzen ein paar Jugendliche zusammen, es wird exotische Pop-Musik gespielt, einige tanzen und singen dazu. Ein 17-jähriger Iraker hat dabei einen ganz besonderen Zukunftswunsch. Sein großes Ziel ist es nämlich, (Theater-)Schauspieler zu werden.

Die ersten Schritte in diese Richtung werden schon gemacht. Lena Appel vom Verein menschen.leben, Einrichtungsleiterin der WG Hollabrunn, schildert: „Im Irak hat er schon einen Schauspielkurs besucht. Jetzt hat er die Möglichkeit, bei einem Projekt im Burgtheater mitzumachen. Darüber ist er sehr glücklich.“

Über das Zustandekommen der Übergangsklasse mit Schwerpunkt am Deutschunterricht ist Appel sehr froh, da Sprache der erste wichtige Schritt für die Integration sei. Hoffnung auf ebendiese ist auf jeden Fall vorhanden.

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Der Verein menschen.leben betreut in Hollabrunn 30 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in zwei Häusern, davon 9 Mädchen in einer eigenen Mädchen-WG. Neben Schutz und Fürsorge und psychosozialen Maßnahmen spielen auch Freizeit- und Integrationsprojekte eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung der Jugendlichen.