Erstellt am 10. Dezember 2015, 14:10

von Sandra Frank

Flüchtlings-Schüler: „Sie gehören zu uns“. Wali, Aryo, Parniya, Nushin, Bhumika und Sakina, so heißen die sechs Flüchtlinge, welche die 5. Klasse im Erzbischöflichen Gymnasium in Hollabrunn besuchen. Vier von ihnen sind bereits seit September an der Privatschule.

Die beiden Burschen Wali und Aryo sind bereits bestens in die 5b integriert und lernen fleißig Deutsch. Ihr Ziel: Sie wollen mit ihrer Klasse bis zur Matura gehen. Foto: Sandra Frank  |  NOEN, Sandra Frank
In den drei 5. Klassen des Erzbischöflichen Gymnasiums sind unter den Schülern je zwei Flüchtlinge zu finden. Zwei Burschen, Wali und Aryo, und vier Mädchen, Parniya, Nushin, Bhumika und Sakina. „Sie sind seit Schulbeginn bei uns“, erzählt Direktorin Ingrid Lehner-Pfennigbauer.

„Es war unser Wunsch, sie gut aufnehmen und integrieren zu können“, sagt die Schulleiterin. Und das sei gelungen. „Sie gehören schon richtig zu uns“, sind sich die Fünftklässler einig.

Die Flüchtlinge waren bereits bei den Kennenlerntagen, die jährlich für die 5. Klassen organisiert werden, dabei. „Wir haben mit ihnen einen Ausflug zur Ruine Aggstein gemacht. Sie haben ja bisher noch nicht viel gesehen, nur Hollabrunn oder Oberstinkenbrunn“, erzählt ein Schüler der 5b.

„Bei der Haltung, die wir als Schule vertreten,
erwarte ich mir das aber auch.“
Direktorin Ingrid Lehner-Pfennigbauer über
die gelungene Integration am
Erzbischöflichen Gymnasium.

Was den Jugendlichen an ihren neuen Mitschülern besonders gefällt: „Man merkt, sie wollen sich integrieren.“ Sie fragen nach, wenn sie etwas nicht verstehen. Natürlich seien sie manchmal noch zurückgezogen und beschäftigen sich untereinander. Trotzdem sprechen sie viel mit ihren österreichischen Kameraden. „Wir sind froh, dass wir sie haben“, sagt Willi aus der 5a. „Sie sind voll lieb und bedanken sich oft, weil wir ihnen helfen“, nickt Nadine aus der 5c, die neben Sakina sitzt.

„Einmal hat sie uns einen afghanischen Kuchen mitgebracht. Wir haben gedacht, sie hat Geburtstag, und haben für sie gesungen.“ Wie sich herausstellte, hatte das Flüchtlingsmädchen gar nicht Geburtstag, sondern brachte den Kuchen einfach als Dankeschön mit. „Man merkt, dass sie viel Spaß haben und gern bei uns sind“, berichtet eine andere Schülerin. „Es gefällt mir hier sehr gut“, bestätigt Parniya, die am besten Deutsch spricht.

Lehner-Pfennigbauer ist stolz, dass die Jugendlichen aus Afghanistan, dem Iran und Nepal so gut aufgenommen wurden. „Bei der Haltung, die wir als Schule vertreten, erwarte ich mir das aber auch.“

Mehr Flüchtlinge könne das Gym zumindest in der Oberstufe aber nicht aufnehmen, denn es sei nicht einfach, die fehlenden Sprachkenntnisse zu überbrücken. Darum sind die sechs auch außerordentliche Schüler, die nicht benotet werden. Das soll sich aber ändern, wenn es nach den Flüchtlingen geht.

„Sie wollen an unserer Schule und auch in den Klassenverbänden bleiben, wenn sie ihren Asylstatus bekommen“, weiß die Direktorin. Um ihnen dann den Verbleib am Erzbischöflichen Gymnasium zu ermöglichen, erhalten die Flüchtlinge zusätzlichen Deutschunterricht.

Neben den positiven Rückmeldungen ihrer Schüler und deren Eltern wurde Lehner-Pfennigbauer aber auch mit Vorwürfen konfrontiert: Das EBG ist eine Privatschule und daher kostenpflichtig. Die Flüchtlingskinder zahlen aber nichts für den Schulbesuch. Was sie darauf antwortet? „Wir sehen es als Aufgabe der katholischen Kirche, im Rahmen unserer Möglichkeiten zu helfen. Und das ist eine unserer Möglichkeiten.“