Erstellt am 25. November 2015, 03:43

von Christoph Reiterer

Flüchtlingsklasse: „Ein bisschen olympisch“. Hollabrunner HAK, HTL und HLW arbeiten bis zum Start am 30. November am Konzept; Direktoren sehen sich selbst im Lernprozess.

Vereint bei den Pfadis. Einrichtungsleiterin Lena Appel freut sich auch über bereits entstandene Freundschaften zwischen Internatsschülern der HTL und Burschen der Flüchtlings-WG. Fotos: Ulli Grünauer  |  NOEN, Grünauer

Religion (2 Stunden), Geschichte und Geografie (2) sowie Bewegung und Sport (2) gemeinsam mit den anderen Schülern; dazu Deutsch als Zweitsprache (10), Englisch (4), Mathe (4), Scientific Basics (2) sowie Persönlichkeitsbildung als verbindliche Übung (2); außerdem Fachpraxis (3) mit Werkstätte und Produktionstechnik, Kaufmännischem und Gastronomischem Praktikum sowie Computerpraktikum: So sieht die Stundentafel für die 15- bis 17-jährigen Flüchtlinge aus, die im Hollabrunner Studentenheim untergebracht sind.

Nach einiger Aufregung rund um die finanzielle Bedeckung der „Flüchtlingsklasse“, die nur ja keine „Ghetto-Klasse“ sein soll, rückt der Start am 30. November näher.

Bodei: Im Heim falle Jugendlichen die Decke auf den Kopf

Wie bereits berichtet, koordinieren und organisieren die HAK Hollabrunn, wo ein Großteil des Unterrichts abgehalten wird, die HLW und die HTL die Flüchtlingsklasse. „Man muss das auch ein bisschen olympisch sehen“, versucht HTL-Direktor Wolfgang Bodei, den Druck aus der Situation zu nehmen.

Der Unterricht sei auf alle Fälle besser, als den jugendlichen Flüchtlingen falle im Studentenheim die Decke auf den Kopf. „Man muss ihnen Zeit geben, darf nicht zu viel erwarten.“ Ein baldiger Schulabschluss sei Illusion, weiß auch HAK-Direktorin Andrea Filz.

Integration von 33 Wochenstunden als Herausforderung

Auch die Schulen selbst seien in einer Lernphase. Von den 21 im Studentenheim untergebrachten Burschen sollen 18 die Flüchtlingsklasse besuchen. Einer geht bereits in die HTL, zwei erfüllen die Aufnahmekriterien – Sprachkenntnisse, Pflichtschulabschluss – nicht.

Insgesamt sind 33 Wochenstunden vorgesehen. Diese in die bereits bestehenden Stundenpläne einzuarbeiten, die natürlich nicht über den Haufen geworfen werden konnten, war eine besondere Herausforderung.

Bis zum tatsächlichen Start wird noch weiter am Konzept gefeilt. In der HTL hat sich bereits ein ehemaliger Lehrer gemeldet, zu helfen, wenn Not am Mann ist. Andrea Filz weiß, dass viele ihrer Pädagogen bereits in den eigenen Heimatgemeinden unterstützend im Einsatz sind.

Auch wenn das Wort „Ghetto-Klasse“ verpönt ist, steht für Wolfgang Bodei fest, dass die Flüchtlinge in den Fächern Deutsch, Englisch, Geschichte und Geografie, wo Basics vermittelt werden, getrennt unterrichtet werden müssen.