Erstellt am 07. Oktober 2015, 04:37

von Sandra Frank

Flüchtlingsquartier: RFJ zündelt. „Drübergefahren“: Eigene Bevölkerung wird bei Hollabrunner Quartier benachteiligt, meint RFJ-Chef. Schnötzinger: „Panikmache.“

Demnächst werden im Studentenheim minderjährige Jugendliche einziehen und rund um die Uhr betreut werden. Die Kritik daran findet Stadtrat Schnötzinger zum Teil »abenteuerlich«. Foto: NÖN  |  NOEN, NÖN

Ganz so einträchtig, wie es nach den Stimmen der Fraktionsführer im Vorfeld zu erwarten war, ging die Vermietung der Flüchtlingswohnungen im Studentenheim an den Verein menschen.leben scheinbar doch nicht über die Bühne.

Michael Sommer, geschäftsführender Obmann des Rings Freiheitlicher Jugend (RFJ), reagierte mit einer Presseaussendung auf den Beschluss, der im nicht öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung gefasst worden war.

„Es war keine wirtschaftliche, sondern eine sozial
humanitäre Entscheidung, zu der ich stehe.“
Günter Schnötzinger, Liegenschaftsstadtrat (ÖVP)

Sommer spricht sich gegen die Unterbringung von Asylwerbern im Studentenheim aus, weil man über die direkt Betroffenen „völlig drübergefahren“ sei.

Auch mit den Nachbarn sei nicht ausreichend gesprochen worden. „Eltern und Schüler müssen über 300 Euro im Monat für die Unterbringung ihrer Kinder bezahlen. Der Verein muss keine Miete bezahlen. Hier herrscht eine offensichtliche Benachteiligung der eigenen Bevölkerung, während sich andere eine goldene Nase verdienen.“

Der RFJ-Geschäftsführer spricht von einer drohenden Abwertung des Standorts. Sollte es zu Problemen kommen, gebe es keinen Ausstiegsplan.

Es sei untragbar, dass auf die im Studentenheim stationierte Kleinkinderbetreuung und auf die angrenzende HTL keine Rücksicht genommen wurde, sagt Sommer, der selbst Absolvent der HTL ist. „Es wird außerdem zu prüfen sein, ob es sich im konkreten Fall sogar um eine versteckte Subvention an einen Verein handelt.“

Liegenschaftsstadtrat Günter Schnötzinger (ÖVP) hält die RFJ-Vorwürfe für Panikmache und bedauert auch die Hetze, die er bereits auf Facebook verfolgt habe.



So sei dazu aufgerufen worden, die Kinder nicht mehr in den Kindergarten im Studentenheim zu bringen, sobald ein Asylweber den Fuß ins Haus setze, „der nicht fremdenpolizeilich überprüft und auf Krankheiten untersucht“ wurde.

„Ich finde das abenteuerlich. Man kann dagegen sein, das ist Demokratie, aber für Hetze habe ich null Verständnis. Wir haben auch nichts zu verheimlichen. Es war keine wirtschaftliche, sondern eine sozial-humanitäre Entscheidung, zu der ich stehe“, betont Schnötzinger. Die Diskussion gehe in die falsche Richtung.

Konkret sind es jedenfalls 21 männliche unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Alter von 14 bis 17 Jahren, die demnächst im Studentenheim betreut werden. Einen konkreten Start kann menschen.leben noch nicht nennen. „Die Vorbereitungen auf das Projekt laufen auf Hochtouren“, teilt Vereinssprecher Jörg Trobolowitsch mit.

„Kümmern uns auch um Deutschkurse“

Die jungen Flüchtlinge werden sieben Tage pro Woche und 24 Stunden pro Tag von den Vereinsmitarbeitern betreut.

„Wir bieten diesen Menschen nach einer anstrengenden Flucht, die sie als Minderjährige im Alleingang angetreten haben, Schutz und Fürsorge, sozialpädagogische Betreuung und psychosoziale Unterstützung an“, erklärt Trobolowitsch. „Gleichzeitig kümmern wir uns um Deutschkurse und weitere Integrationsmöglichkeiten, mit dem Ziel, die Jugendlichen als Erwachsene in ein selbstständiges Leben zu entlassen.“

Das Studentenheim eigne sich hervorragend, Jugendliche dieser Altersgruppe unterzubringen und sei schnell beziehbar. Die Stadtgemeinde Hollabrunn verrechnet zur Abgeltung der anfallenden Kosten einen ortsüblichen, angemessenen Kostenersatz an menschen.leben.