Erstellt am 15. Juni 2016, 04:00

von Sandra Frank

FP-Bezirkstour: „In Bürokratie fehlt's leider oft am Hausverstand“. Walter Rosenkranz besuchte Betriebe, die allgemein mehr Wertschätzung erfahren sollen.

Manche Kunden kommen direkt ins Labor von Zahntechniker Thomas Lang (l.) und lassen ihre alten Beißerchen gleich dort. Diese Fundstücke sahen sich Walter Rosenkranz und Christian Lausch (r.) genauer an. Foto: Frank  |  NOEN, Frank
„Im Zuge unserer Bezirkstour schwärmen wir aus, speziell, wenn keine Wahlzeit ist“, erklärt Walter Rosenkranz, Landesparteiobmann der FPÖ, den Grund seines Besuchs in Hollabrunn. Dieser diente dazu, mit den Menschen in Kontakt zu treten. „Wir müssen ja wissen, wie die Realität aussieht“, so der Nationalratsabgeordnete.

Nach Vorfall mit Arbeitsinspektor Stift gezückt

Im Labor von Zahntechniker Thomas Lang bekam die freiheitliche Delegation einen Einblick in die Welt von Zahnprothese, Implantat und Co – vom Abdruck über das Modell und Zähnebemalen bis hin zum fertigen Zahnersatz.

Doch Rosenkranz interessierte sich nicht nur für die Produkte, die im 18-köpfigen Betrieb entstehen. Das alltägliche Leben des Unternehmers war es, das ihn interessierte. „In der Bürokratie fehlt oft der Hausverstand“, meint Rosenkranz. Das bestätigte der Zahntechniker und erzählte von „haarsträubenden Gesprächen“ mit dem Arbeitsinspektor.

Ein Vorfall brachte Rosenkranz dazu, seinen Stift zu zücken: Ein Arbeitsinspektor hatte Lang auf kleine Mängel hingewiesen. Als der Unternehmer nachfragte, wie er diese beheben könne, „hat er wortwörtlich gesagt, dass es nicht seine Aufgabe ist, mir das zu sagen“. Der FPÖ-Politiker ist hier anderer Meinung, er will eine entsprechende Anfrage im Parlament stellen.

Das war aber nicht das Einzige, was Rosenkranz aus dem Labor mitnahm. Etwas, das den Zahntechniker sehr beschäftigt, sei die Zukunft seines Berufsstandes. Immer weniger Zahntechniker seien selbstständig tätig, sondern als Angestellte von Zahnärzten. Das würde den Wettbewerb verzerren, da ein Zahnarzt keine Gewerbeberechtigung benötigen würde und Lang als Zahntechniker viel mehr Auflagen erfüllen müsse.

Außerdem würden dadurch immer weniger Lehrlinge ausgebildet. „Der technische Betrieb hängt im rechtsfreien Raum am Zahnarzt dran“, stellte Rosenkranz fest.

Lausch betont gute Arbeit der Wirtschaftskammer

Was – zum Teil fragwürdige – Anordnungen des Arbeitsinspektors verbunden mit sehr viel Bürokratie betrifft, stößt Robert Freytag ins selbe Horn wie Zahntechniker Lang. Er ist Chef der Firma Estec in Sitzendorf und auch er berichtet von Besuchen des Arbeitsinspektors und „sinnfreien Reglementierungen“.

Von seinen politischen Vertretern fühlt sich Freytag oft im Stich gelassen. „Förderungen hab‘ ich kaum für meinen Betrieb bekommen. Die, die mir auf Nachfrage genannt wurden, hab‘ ich ja selbst schon gekannt.“
Diese Klagen kennt Rosenkranz von vielen Unternehmen. „Sie fühlen sich von der Wirtschaftskammer nicht unterstützt.“

Christian Lausch, Hollabrunns Bezirksparteiobmann, betonte, dass die Wirtschaftskammer in Hollabrunn gute Arbeit leiste, weiter oben würden die Probleme der Unternehmer aber nicht mehr gehört werden. „Das bisschen Wirtschaft, das wir in Hollabrunn noch haben, verdient Wertschätzung“, erklärt Lausch. Deshalb sei es ein Anliegen gewesen, die beiden Betriebe zu besuchen.