Erstellt am 11. November 2015, 05:47

von Sandra Frank und Christoph Reiterer

FPÖ-Austritte: Und jetzt?. Bauer, Bischof, Lichtenecker und Scharinger sind nicht mehr blau. Christian Lausch hakt sie ab und konzentriert sich bereits auf die künftige Oppositionsarbeit.

Will jetzt zwei Wochen vergehen lassen: Wolfgang Scharinger. Fotos: privat  |  NOEN, privat

Fünf Austritte aus der Bezirks-FPÖ gab es am 2. November, darunter jene von Klubobfrau Daniela Lichtenecker, Gemeinderat Michael Bischof und Stadtrat Wolfgang Scharinger.

Letzterem war davor, wie berichtet, die Zustellungsbevollmächtigung als Hollabrunner FPÖ-Chef entzogen worden. Zudem verabschiedete sich Sascha Bauer, Vorsitzender im Hollabrunner Prüfungsausschuss, als Mitglied der Wiener FPÖ.

„Wolfgang Scharinger hat gesagt, ich
passe nicht mehr dazu und möge aus
dem Gemeinderat ausscheiden.“
Christian Lausch, FPÖ-Bezirksobmann

Wie geht es nun weiter? Am 25. November wollen die Abtrünnigen über ihre politische Zukunft reden. Als FPÖ-Mitglieder sind im Gemeinderat nun nur noch Christian Lausch und Johann Mareiner vertreten.

Lausch – Nationalratsabgeordneter, Bezirksobmann und stellvertretender Landesparteiobmann – nahm jetzt erstmals zum schon länger schwelenden internen Konflikt Stellung.

x  |  NOEN, Paul Plutsch

Seit Herbst 2014 habe er sich nicht mehr dazugehörig gefühlt. Beim letzten Gespräch mit der Landespartei im Oktober habe ihm Scharinger klar gesagt, er „passe nicht mehr dazu und möge aus dem Gemeinderat ausscheiden“, erinnert sich Lausch.

Für ihn kommt das allerdings nicht infrage. „An der Kommunalpolitik hängt mein Herzblut. Genauso wie an der Personalvertretung in der Justizanstalt Josefstadt.“

„Die vier sind nicht mehr FPÖ-Linie, da mache ich nicht mit“

Johann Mareiner stehe 100-prozentig hinter Lausch. Der Preis dafür? „Wenn ich nicht mit ihnen mittu’, dann wählen sie mich aus dem Liegenschaftsausschuss“, wurde dem Freiheitlichen angedroht. Jetzt soll er durch Bischof ersetzt werden. „Die vier sind nicht mehr FPÖ-Linie, da mache ich nicht mit“, war für den Altenmarkter klar.

„Jetzt gibt es in keinem Ausschuss mehr wirklich einen Vertreter der Opposition“, so Lausch und er meint: „Gut für den Bürgermeister – hier muss man Erwin Bernreiter wirklich gratulieren –, schlecht für die Stadt Hollabrunn.“

Eine erweiterte Vorstandssitzung der Bezirks-FPÖ gab es am vergangenen Mittwoch. „Das Thema hätte eigentlich der Kornblumenball 2016 sein sollen“, sagt Lausch. Dieser war aber Nebensache. Besprochen wurden die Parteiaustritte.

„Ich habe die Vertrauensfrage gestellt“, forderte der Bezirksobmann eine klare Positionierung zu seiner Person ein. „Ich bin auch hinausgegangen“, will sich der Parlamentarier nicht nachsagen lassen, er habe die Diskussion beeinflusst. Das Ergebnis: „Ich wurde mit 100 Prozent bestätigt.“ Auch von vielen Mitgliedern der Stadtpartei.

Lausch will politisches und persönliches Hick-Hack vermeiden

Und jetzt? „Früher haben wir noch g’scheite Oppositionspolitik betrieben. Jetzt ist es eine Wischi-Waschi-Politik. Sehr angelehnt an der ÖVP“, sagt der 46-Jährige. Das habe nun endgültig ein Ende. Er habe mit der Sache zwischen ihm und seinen ehemaligen Parteikollegen abgeschlossen.

Ein politisches wie auch persönliches Hick-Hack will der Hollabrunner vermeiden. „Und wenn es ihnen wirklich um die Stadt geht, wie sie behaupten, dann wird es von ihnen auch nichts mehr geben“, nimmt Lausch die Worte der Ausgetretenen ernst.

Der nächste Schritt? „Es wird eine Neugründung der Stadtpartei geben.“ Das fordern übrigens auch 56 Prozent der NÖN-Community.

NÖN.at berichtete:


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Dass ein User auf NÖN.at spekulierte, Wolfgang Scharinger könnte aufgrund finanzieller Unregelmäßigkeiten bei der FPÖ in Ungnade gefallen sein, brachte den 56-Jährigen auf die Palme: „Blutdruckmessen darf jetzt keiner kommen! Soll einer sagen, dass ich politisch unfähig bin – das ist mir egal. Aber so etwas …“

Die Stadtpartei habe nicht mal eine Kasse. Die Mitgliedsbeiträge kassiert die Bezirkspartei. Das meiste Geld laufe über den GVV.