Erstellt am 27. April 2016, 05:24

von Sandra Frank und Christoph Reiterer

FPÖ-Jubel: „Jetzt werden wir Bundespräsident“. 34,2 % für Hofer, 20,7 % für Khol, 12,3 % für Hundstorfer: Auch im Bezirk Hollabrunn hatte nur eine Partei Grund zum Feiern.

Jubelstimmung herrschte ausschließlich im FPÖ-Büro in der Hollabrunner Körnergasse. Stadtparteichef Johann Mareiner und Bezirksobmann Christian Lausch (v.r.) sind sicher, dass der neue Präsident Hofer heißen wird.  |  NOEN, NÖN
„Das war heute eine Richtungswahl. Jetzt wird es eine Entscheidung zwischen rechts und links.“ FPÖ-Bezirkschef Christian Lausch freut sich „außergewöhnlich“ über das Ergebnis, das FPÖ-Kandidat Norbert Hofer einfuhr.

Mit diesem klaren Vorsprung auf Platz zwei hatte er selbst nicht gerechnet. Er ist sehr zuversichtlich: „Mit 50 Prozent und einer Stimme werden wir Bundespräsident.“

„Schlimmes VP-Ergebnis in tiefschwarzer Hochburg“

„Wir nehmen es mit jedem auf“, sagte Lausch, als noch nicht sicher war, ob Alexander Van der Bellen oder Irmgard Griss in die Stichwahl am 22. Mai kommen würde. Als Van der Bellen klar war, gab’s Applaus im FP-Büro. „Er ist leichter zu bezwingen“, meint Stadtparteichef Johann Mareiner.

Er sei erstaunt, dass die ÖVP „so ein schlimmes Ergebnis in einer tiefschwarzen Hochburg“ einfuhr. „Es ist ein politisches Wunder. Damit haben wir nicht im Ansatz gerechnet.“ Warum Norbert Hofer das beste Ergebnis in der Geschichte der Freiheitlichen holte, erklärte Lausch so: „Norbert Hofer ist Norbert Hofer.“

Er sei ehrlich und habe sich im Wahlkampf im Gegensatz zu anderen nicht verstellt. „Er war der richtige Kandidat.“ Lausch prophezeit nun „einen heißen Herbst“ und dass bei den „Systemparteien SPÖ und ÖVP personell kein Stein auf dem anderen“ bleiben werde. Er rechne mit Neuwahlen des Nationalrats 2017.

„Aufgrund der Umfragen haben wir mit so einem Ergebnis rechnen müssen“, meinte VP-Bezirkschef Richard Hogl. Aber: „Es lag sicher nicht an der Qualität der Person Andreas Khol.“

SP-Sprecher Eckhardt: „Viel gibt’s da nicht zu sagen“

„Nach dem Bezirksergebnis hätte es Khol in die Stichwahl geschafft“, pickt Nationalratsabgeordnete Eva-Maria Himmelbauer ein kleines Trostpflaster heraus. Klar sei aber, dass das Wahlergebnis ein Denkzettel für die Bundesregierung sei.

Ein Köpferollen, wie FP-Lausch das erwartet, hält sie nicht für sinnvoll. „Wir müssen mehr miteinander und weniger gegeneinander arbeiten. Das ist nach dieser Wahl unser Auftrag.“ – „Wir müssen uns grundlegend etwas überlegen“, stimmte Hogl ein.

Eine halbe Stunde nach der ersten Hochrechnung wirkte das SPÖ-Büro in der Amtsgasse schon ziemlich ausgestorben. „Viel gibt’s da nicht zu sagen“, war Klubsprecher Alexander Eckhardt konsterniert, um dann doch zu analysieren: Nicht nur Hofers Ergebnis, sondern gerade auch jenes von Irmgard Griss sei ein klares Signal, dass die Wähler eine Veränderung wollen.

„Wir müssen uns zu dem bekennen, was wir sind – die Partei für die arbeitenden Leute, für die sozial Schwächeren“, hofft der Jungpolitiker, dass nun die richtigen Lehren aus der Niederlage gezogen werden. „Wir müssen den Leuten erzählen, was wir für sie tun, was wir für sie erreicht haben.“