Erstellt am 04. November 2015, 05:12

von Christoph Reiterer

FPÖ-Veteran Scharinger kündigt "blaues Wunder" an. Bricht Wolfgang Scharinger nach 26 Jahren mit seiner Partei? Nach Vertrauensentzug spricht eigentlich alles dafür.

»Ich wundere mich über den Wirbel«, sagt Landesparteisekretär Christian Hafenecker. »Ich wundere mich, wenn mir nach 26 Jahren das Vertrauen entzogen wird«, sagt Wolfgang Scharinger.  |  NOEN, Fotos: FP, privat

"Jetzt lösen wir leider die SPÖ ab", sagt FPÖ-Stadtrat Wolfgang Scharinger. Nach dem internen Tohuwabohu bei den Roten kocht nun der interne Konflikt bei den Freiheitlichen endgültig hoch. Scharinger ist auf Geheiß der Landespartei nicht mehr Zustellungsbevollmächtigter der FPÖ Hollabrunn. Er will nun auf diesen Vertrauensentzug reagieren.

Landesparteisekretär Christian Hafenecker versucht, den Ball flach zu halten. Bei atmosphärischen Störungen innerhalb einer Gemeindepartei gehöre es zum Standardprozedere, dass die Landespartei das Kommando übernimmt, um ungewollten Schnellschüssen vorzubeugen. Das sei etwa in Gänserndorf schon so passiert und Scharinger bei einem Treffen in St. Pölten auch erklärt worden. „Er hatte keine Einwände“, so Hafenecker, für den die Angelegenheit nicht so aufregend ist, wie sie klingt.

Scharinger deklariert sich Mitte November

Das scheint sie jetzt aber doch zu sein. Denn Scharinger war noch nicht aus der Landeshauptstadt retour, da erhielt er schon die ersten aufgeregten Anrufe. Die Landespartei war blitzschnell darin, Hafenecker und Landesgeschäftsführer Karl Wurzer als Zustellungsbevollmächtigte einzusetzen. Das Echo im Rathaus war dementsprechend – zwischen Gelächter und Zustimmung für den FPÖ-Stadtrat.

„Habe ich das notwendig, dass mir nach 26 Jahren nun derart das Vertrauen entzogen wird?“, fragt sich Scharinger, der interne Befürchtungen ortete, er würde überlaufen oder eine eigene Liste gründen. Bislang sei das für ihn aber nie ein ernst zu nehmendes Thema gewesen.

„Es ist nicht mehr so, wie es war …
es wird nicht so ausgehen wie bei der SPÖ.“
Wolfgang Scharinger, noch FPÖ-Stadtrat

Im Kopf des 56-Jährigen ist nun eine Entscheidung gereift, die er Mitte November bekannt geben will. Nicht früher, weil er sich wegen seines Rheumaleidens für zehn Tage ins Spital begeben musste.

Dass es Meinungsverschiedenheiten mit FPÖ-Bezirksobmann Christian Lausch – der Nationalratsabgeordnete ist übrigens auch stellvertretender Landesparteiobmann – gab, sei nicht zu bestreiten. Und Scharinger glaubt jetzt nicht mehr daran, dass der Riss noch zu kitten ist. „Es tut mir wirklich weh, aber dieser Vertrauensverlust hat mich schon getroffen. Es ist nicht mehr so, wie’s war.“

Eine Stadtparteisitzung werde es vor Bekanntgabe der vom Hollabrunner Polit-Urgestein getroffenen Entscheidung jedenfalls nicht mehr geben. „Es wird nicht so ausgehen wie bei der SPÖ“, verrät er in Anspielung auf die rote Fraktion, die zuletzt ihren Vorsitzenden Jakob Raffel als Anführer und Stadtrat eliminierte. Hart auf Parteilinie war Wolfgang Scharinger ohnehin nie. Sein Credo: „Ich mach’ mein Hollabrunn und sonst lasst mich in Ruh’.“

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