Erstellt am 09. Oktober 2015, 05:52

von Karin Widhalm

Gasthaus Buresch: Wirt hält die Stellung. Die goldene Zeit ist zwar vorbei. Stammgäste halten aber die Treue zu der 140 Jahre alten Lokalität.

Gasthaus anno dazumal: Im Gasthaus Buresch hat sich seit der Sommerfrische-Zeit nicht viel verändert, wie diese alte Postkarte zeigt.  |  NOEN, Karin Widhalm

1872 hat sich Maria Appel entschieden, Wirtin zu werden. Das dafür vorgesehene Gebäude war schon ein Försterhaus und eine Tischlerei. Andere Zeiten brachen an, die acht Generationen währen sollten. Appel ist die Urururoma von Werner Buresch: Er führt das heute 140 Jahre alte Gasthaus – und hält die Bastion.

Gastronomie gehörte zum Leben des Nachwuchses

Appel setzte den Grundstein, auf dem man aufbauen konnte: Das „Gasthaus zur Schützenliesl“ wurde 1898 aufgestockt. Fotos zeigen, dass daneben ein Gemischtwarenladen war. Eine „Filiale“ wurde in den 1960er-Jahren vis-á-vis gebaut: Die Seeterrasse mit direkter Sicht auf den Teich entstand beim Lagerraum der Eisgrube. Der Keller des Hauses war in den 1970ern eine Disco.

Werner Buresch ist das siebte von acht Kindern. Die Gastronomie gehörte zum Leben des Nachwuchses: Sie kamen sogar an ihren freien Wochenenden. „Alle Kinder halfen mit“, erzählt Mutter Helene, wie die vielen Busreisenden bekocht und bewirtet werden konnten.

Köche und Kellner verstärkten das Team. Dann verstarb ihr Gatte Gottfried 1999. Helene und Werner agierten nur mehr zu zweit. Die Küche brannte in dieser Zeit einmal ab, zweimal kam das Hochwasser.

Die aufblühende Zeit ist vorbei, aber zugesperrt wurde bisher nur das Geschäft in den 1990er-Jahren. Helene Buresch wird heuer 85 und ist eine agile Frau geblieben: Sie steht nach wie vor in der Gasthaus-Küche, wenn auch nur für besondere Anlässe.

Ihre Kinder helfen bei größeren Gesellschaften aus. Werner Buresch öffnet sein Gasthaus täglich, außer Montag, und nur mehr ab 17 Uhr. „Für die Stammgäste“, wie er sagt. Sie konsumieren ausschließlich Getränke. Alle 14 Tage kommt eine Schnapser-Partie zu ihm.

Gasthaus erinnert an Simon-Polt-Filme

Das Ambiente hat sich kaum verändert: Die Seeterrasse mit dem farbenfrohen Mobiliar hat den Charme der 1960er. Das Gasthaus im 400 Jahre alten, gegenüberliegenden Haus erinnert mit seinen Holzvertäfelungen an jenes, das Josef Kopp in Mailberg bis 2014 führte – und als Kulisse für die Verfilmungen der Simon-Polt-Romane von Alfred Komarek diente.

Die Seeterrasse ist seit voriger Woche geschlossen, aber nicht für immer. Das Lokal ist nur für den Sommer gedacht, auch die Singgruppe übersiedelt in die „Winterresidenz“ vis-á-vis.

Das Kaffeehaus im Schloss und das Gasthaus Buresch sind die einzigen Lokalitäten geblieben. Das Gasthaus Kellner schloss 2003. Werner Buresch, 48 Jahre und alleinstehend, hält die Stellung im letzten Gasthaus von Riegersburg.