Erstellt am 27. Januar 2016, 03:48

von Karin Widhalm und Franz Enzmann

Gatter-Streit hält an. Schüsse beim Spaziergang, kopflose Mufflon-Kadaver und eine Sperre: Mailberger ärgert sich über die Zustände im Jagdgatter.

Spaziergänger benutzen den Überstieg, um zum Wanderweg im Gatter zu gelangen. Foto: Enzmann  |  NOEN, Enzmann
Alfred Maschl benutzt gern den markierten Weitwanderweg, der genau durch das Jagdgatter im Wald des Souveränen Malteserordens führt. „Es gab immer Vorfälle, die nicht den gesetzlichen Vorschriften entsprachen“, gehört er zu den Kritikern.

So habe Maschl im Jahr 2012 den Überstieg „Rosenpoint“ benutzt – und schon nach wenigen Schritten „plötzlich Schüsse“ gehört. „Unmittelbar danach lief ein Jagdtreiber mit gelber Warnweste zu uns und fragte, was wir hier zu suchen hätten“, schildert er. „Keine Warntafel, kein Hinweis.“

„Sechs Mufflons mit abgetrennten Köpfen“

Mitpächter Werner Mattes weist das zurück: Man habe Warntafeln aufgestellt. „Von der Behörde ist das nicht vorgeschrieben, aber die Spaziergänger sind dann nicht informiert.“ Das stimmt so nicht ganz: Bezirksjägermeister Karl Wittmann spricht von einer verpflichtenden Bekanntmachung einer Jagd. In welcher Form das passiere, bleibe Mattes überlassen.

Eine andere Beobachtung entsetzte Maschl, als er im April 2013 durchs Gatter spazierte: Er sah eine Rotte Wildschweine und bemerkte den beißenden Verwesungsgestank. „Hier lagen sechs Mufflons mit abgetrennten Köpfen.“

Die Köpfe waren als Trophäen abgetrennt worden. „Das Innere der Kadaver war von Wildschweinen aufgerissen.“ Eine sehr mysteriöse Geschichte, die bis heute nicht geklärt sei, sagt Mattes dazu. „Wir haben keine Mufflons gejagt und es fehlten auch keine Tiere aus unserem Bestand. Die Kadaver haben wir Pächter nie gesehen.“

Maschl stolperte dann im Mai 2013 über die Tafel „Befristetes jagdliches Sperrgebiet: betreten verboten“. Da hatte er nur einen Gedanken: Dem Pächter wäre es wahrscheinlich angenehm, wenn das ganze Jahr über keine Personen im Gehege wären. „Ja, es stimmt, wir haben diese Tafel am Einfriedungsgitter angebracht, weil es Geburten von Hirschkälbern gab“, sagt Mattes. „Die Tiere benötigen einige Zeit Ruhe, deshalb mussten wir diese Vorkehrung machen.“

Mattes: „Das ist ein kompletter Blödsinn“

Nicht nur von Tierschützern wird beklagt, dass regelmäßig Wildtiere für den späteren Abschuss ins Gehege gekarrt werden. Ein kompletter Blödsinn sei das, dementiert Mattes.

„Am Anfang, also 2012 und 2013, haben wir von jeder Wildart einige Stück im Gatter ausgesetzt. Im vergangenen Jahr erfolgte keine Aussetzung“, versichert er. „Im Übrigen ist diese Vorgangsweise nicht verboten. Ich kann jederzeit Wildtiere ins Gatter bringen.“ Richten müsse er sich nach einer behördlich vorgegebenen Bestandszahl.

Drei Mal erstattete Maschl Anzeige, alle verliefen im Sand. Die Gatterjagd wird indes weiter auf politischer Ebene diskutiert (

).

„Gehören Gatterjagden gänzlich verboten?“, wollte die Hollabrunner NÖN vorige Woche von ihrer NÖN.at-Community wissen. 78 Prozent meinten: Ja!


Zitiert: „Würde mich als Jäger schämen“

„Nun lese ich im Bericht über das Gehege [von] Kanzler Steeb, die Wildschweine sorgen dafür, dass der Waldboden umgegraben wird und eine natürliche Baumverjüngung wieder stattfindet. So kann man das auch sehen. Doch die Tatsache ist, dass der Pflanzenbewuchs ‚ausradiert‘ wurde.“
Alfred Maschl aus Mailberg

„Nur mehr Dreck liegt dort. Das ist ein Sauhaufen geworden.“
Derselbe

„Mein Standpunkt abschließend: Wäre ich ein Jäger, ich würde mich schämen, mit einem Gewehr zu diesen zahmen Tieren einzusteigen.“
Derselbe

„Aber unsere Politiker schauen, trotz dieser Missstände wohlwollend zu. So schaut es aus. Nein danke.“
Derselbe

„Ich kann Ihnen versichern, dass es uns wichtig ist, die Natur zu schützen und den Lebensraum der Tiere zu wahren.“
Katharina Stögner, zuständig für Kommunikation beim Souveränen Malteser Ritterorden

„Unserem Wissen nach, ist der [Pächter] den gesetzlichen Vorschriften stets nachgekommen. Es sind uns bisher keine ähnlichen Vorwürfe bekannt geworden.“
Dieselbe