Erstellt am 23. Mai 2016, 09:34

von Jutta Hahslinger

„Gefälligkeit“ hinter Gittern kam teuer. Auf finanzielle Dankbarkeit pochte Sonnberg-Insasse für die Hilfe eines verfassten Schreibens und „mahnte“ Zahlungsunwilligen.

 |  NOEN, Erwin Wodicka
Über 18 Jahre sitzt der 45-jährige Rene H. schon ein. Derzeit verbüßt er eine Strafe wegen Raubes. Ein Schwerkaliber, das sich mit den Gepflogenheiten hinter Gittern gut auskennt und im Laufe der Jahre erlernte, Anträge oder Behördenschreiben zu verfassen. So half er Franz R., einem Mithäftling in Sonnberg, beim Verfassen eines Antrages auf Entschädigung.

Als R. dann 25.000 Euro zugesprochen bekam, soll H. auf Dankbarkeit in der Höhe von 7.000 Euro gepocht haben. „Ausgemacht waren nur zehn Prozent Beratungskosten.

Als die Überweisung sich verzögerte und er nicht gleich das Geld bekam, drohte er, mir in die Goschen zu schlagen und die Wohnung meines Freundes auszuräumen, wenn ich nicht zahle“, schildert der sichtlich verängstigte F. im Zeugenstand. „Das stimmt doch alles nicht. Ich habe überhaupt keine Geldforderung gestellt. Ich habe ihm nur geholfen“, entgegnete H. zu den Anschuldigen.

„Weil er ein Trottel ist."

„Eigentlich müsste er vor Dankbarkeit zerfließen. Warum schwärzt er Sie an?“, will Richter Manfred Hohenecker wissen. Die unverblümte Antwort von H.: „Weil er ein Trottel ist. Vielleicht will er, dass ich verschwinde und verlegt werde.“

Die Erklärung reicht nicht für einen Freispruch: Der Richter befindet H. für schuldig und verhängt über ihn ein weiteres Jahr hinter Gittern. Nicht rechtskräftig.