Nappersdorf-Kammersdorf

Erstellt am 29. Juli 2016, 05:23

von Martin Holub

Seifert-Prenn: „Geht um unsere Demokratie“. Mehr weibliche Stimmen im Gemeinderat wünscht sich Katharina Seifert-Prenn.

Katharina Seifert-Prenn ist die einzige Frau im Gemeinderat von Napperdorf-Kammersdorf. Foto: Martin Holub  |  Martin Holub

Katharina Seifert-Prenn ist die einzige Frau im Gemeinderat von Napperdorf-Kammersdorf. Mit der NÖN sprach die Sozialdemokratin über ihre Rolle als „Henne im Korb“ und wie es mit dem weiblichen Nachwuchs in der Politik aussieht.

NÖN: Waren Sie schon vor dem Gemeinderat politisch tätig?

Katharina Seifert-Prenn: Nein, das ist mein erstes politisches Mandat im Gemeinderat. Aber ich war immer in Vertretungen und Vereinen aktiv. Außerdem bin Mitglied im Prüfungsausschuss.

Seit wann sind Sie im Gemeinderat tätig? Was waren Ihre ersten Erfahrungen?

Seit der letzten Wahl Jänner 2015. Die ersten Sitzungen habe ich sehr förmlich empfunden – wie ein Ritual für die Demokratie. Ich dachte, dass dort mehr direkt in der Sitzung verhandelt wird. Das geschieht aber vorher, in den Fraktionen und im Ortsvorstand.

Nachdem Gemeinderätin Maria Schodl ihr Mandat zurücklegte, sind Sie die einzige Frau im Gemeinderat. Wie ist das Leben unter all den Männern?

Ich finde die Situation fast unwirklich. Wir haben so tolle Frauen in der Gemeinde, aber keine in der Politik. Das finde ich unendlich schade. Die Kollegen in Fraktion und Gemeinderat sind zu mir als Frau freundlich und sehr respektvoll – das ist wirklich positiv. Kein Grund, sich zu fürchten!

Gab es Situationen, in denen Sie sich als Frau im Gemeinderat durchsetzen mussten?

Ich habe mir gleich im ersten Jahr Themen gesucht, Anträge dazu geschrieben und eingebracht, wie etwa die Sommer-Kinderbetreuung, öffentliches Grün oder der Überschwemmungsschutz. Damals wusste ich noch nicht, dass Anträge typischerweise nur aus Ortsvorstand kommen. Meine Eigeninitiative war etwas Neues – und das war gut so. Alle Anträge wurden angenommen.

Würden Sie sich weibliche Unterstützung wünschen? Bei welchen Themen konkret?

 Ja unbedingt! Aber noch vor dem Gemeinderat braucht es uns Frauen in der Fraktion – und da kann frau jederzeit einsteigen. In der Fraktion werden alle anstehenden Beschlüsse besprochen, gemeinsam überlegt wie man abstimmen will und neue Themen aufgeworfen. Bei diesen Diskussionen würden ein paar weibliche Stimmen mehr sicher die Perspektive verändern. Ich glaube, bei allen Themen braucht es eine gute Mischung. Wir schauen ja auch drauf, dass wir von jeder Ortschaft Leute dabei haben, oder wollen beim Alter ausgeglichen sein. Genauso ist das mit Männern und Frauen. Es braucht alle, damit was Gutes rauskommt.

Wie sieht es mit dem weiblichen Nachwuchs aus? Im Gemeinderat, wie auch innerhalb der SPÖ?

Wir haben kluge und engagierte Frauen in den Ortschaften. Das sieht man in den Vereinen, und überall, wo sich Eltern einsetzen. Oder in den Berufen, die Frauen ausüben. Der Nachwuchs ist da, aber es fehlt die Einladung. Auch ich habe Jahre gebraucht, in denen ich mich schon interessiert hatte, bis endlich mal wer gesagt hat: komm vorbei!

Wünschen Sie sich, dass die Partei, bzw. die Gemeinde, selbst aktiv werden würde, um mehr Frauen anzusprechen?

Wenn jeder in den Fraktionen aktiv Frauen einlädt, werden sie auch mitmachen: Väter ihre Töchter und Frauen, Kollegen ihre Kolleginnen, und Aktive im Verein die Aktivistinnen, Nachbarn ihre Nachbarinnen. Wir, die wir heute aktiv sind, sind die ersten, die gefordert sind, dieses Ungleichgewicht zu beenden.

Was tun Sie persönlich, um anderen Frauen die Politik schmackhaft zu machen?

Ich spreche Frauen direkt an. Ich erzähle, wie die politische Arbeit aussieht. Ich sage immer: Im Verein oder der Schule treibst du viel Aufwand, um Dinge besser zu machen – in der Politik könntest einfach mit entscheiden. Das ist oft der direkte Weg, ist spannend und führt zu schnelleren Erfolgen.

Warum sind Ihrer Meinung nach allgemein wenige Frauen in der Kommunalpolitik aktiv?

Es ist wohl eine Mischung aus Tradition, wenig Zeit und wenig Ermutigung – und leider die Vorstellung, dass (Partei-)politik etwas Schlechtes ist. Dabei geht es hier um unsere Demokratie, wir haben nur diese und sollten sie hochhalten. Viele Frauen haben auch Sorge, zu viel Zeit verwenden zu müssen: aber wer einmal im Monat einen Abend Zeit hat, kann sich schon sehr gut einbringen.

Vielleicht wollen manche auch keinen „Parteistempel“ aufgedrückt bekommen?

Seifert-Prenn: Bei uns muss man nicht gleich einer Partei beitreten, um mitzumachen: Wir sind Sozialdemokraten und Unabhängige zusammen. Einfach mal vorbeikommen und reinschnuppern! Ich möchte hiermit alle Frauen in unserer Gemeinde einladen, mitzumachen. Gerne bin ich für ein persönliches Gespräch bereit!