Erstellt am 15. September 2015, 08:22

von Christian Pfeiffer

Gertrude Neuwirth: Afoch ganga, afoch weg. Vielen galt sie als Grande Dame der Kultur im Bezirk, am 9. September ist Gertrude Neuwirth im 87. Lebensjahr verstorben. Die Trauer um das „kulturelle Gewissen“ ist groß.

Der Museumsverein, hier ein Foto aus dem Jubiläumsjahr 2003, war Trude Neuwirth eine Herzensangelegenheit, dem sie bis zum Schluss als Ehrenpräsidentin treu blieb. Foto: Archiv  |  NOEN, Archiv

„Als Mitglied der NÖN-Kulturredaktion stand Gertrude Neuwirth dem tww von Anfang an sehr positiv gegenüber, besuchte zahlreiche Produktionen und schrieb ebenso fundierte, wie differenzierte Kritiken“, lobt Günther Pfeifer vom Theater Westliches Weinviertel die journalistische Qualität Neuwirths.

Langjährige Verbindung zum Museumsverein

2006 ergab es sich, dass eine Rolle im Guntersdorfer Theater vakant war. „In einem Alter, in dem manch andere nicht mehr hinter dem Ofen hervorzulocken sind, nahm sie die Strapazen einer probenintensiven und exakt zu spielenden Produktion auf sich, und debütierte als Schauspielerin im tww.“

„Sie gab die ,Mamy‘ in den ,Acht Frauen‘ und es hätte keine bessere gefunden werden können. Trude passte hervorragend ins Team und wird dem tww immer als engagierte und warmherzige, vor allem aber als sehr humorvolle Frau in Erinnerung bleiben.“

Neben diesem einmaligen Ausflug ins Theaterfach und ihrem journalistischen Engagement gab es eine langjährige Verbindung zum Hollabrunner Museumsverein. „Der Tod von Trude macht uns unsagbar traurig. Sie war das ,kulturelle Gewissen‘ des Bezirkes Hollabrunn“, sagt der Kustos und Leiter der Historischen Abteilung Ernst Bezemek.

Seit 1995 betreute sie innerhalb des Museumsvereins, dessen langjährige Präsidentin sie war, die Abteilung moderner Kunst. „Unermüdlich warb sie für die Anliegen der zeitgenössischen Kunst. Sie war warmherzig, doch bestimmend: suaviter in modo, fortiter in re“, ist Bezemek spürbar getroffen von dem Verlust.

„Wir danken jenen, die unsere Mutter gern
hatten und auch allen Mitfühlenden.“
Roland, Peter und Klara, die
Kinder von Gertrude Neuwirth

„Lang ist die Liste der Künstler, denen sie im Stadtmuseum die Möglichkeit gab, ihre Werke zu präsentieren“, streicht auch Fritz Ecker, der als Projektleiter die Ausstellungen des Museums betreut, ihre Verdienste für moderne Kunst hervor.

Ein absolutes Highlight ihrer musealen Tätigkeit war die Kuratierung der Ausstellung „Künstler im Umfeld der Stadt Hollabrunn“, bei deren Eröffnung am 17. April 1998 gleich 16 Künstler der Region vorgestellt wurden. Darunter Künstler wie Eva Cabric, Karl Korab, Norbert Maringer, Lizzy Mayerl, Franz Maxera und ihr jüngerer Sohn Peter Neuwirth, um nur einige zu nennen.

Aber auch persönlich entstand eine große Verbundenheit, die Ecker so ausdrückt: „Wenn ich mich an die Feiern ihres 70ers und auch 75ers zurückerinnere, sehe ich eine vitale, tatkräftige, fröhliche, herzliche und vor allem liebenswerte Frau, mit der ich so manches Fläschchen Wein in geselliger Runde getrunken habe.“

Berührende Worte: „Wir spüren tiefen Schmerz“

Ihre Schaffenskraft zollte allerdings allmählich dem Alter Tribut und sie legte im Jahr 2007 ihre Präsidentschaft zurück und wurde vom Museumsvorstand zur Ehrenpräsidentin gewählt.

Als sie sich dem 80er näherte, begann sie sich zusehends aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Auch ihre Ausfahrten mit dem Auto wurden spärlicher.

„Die letzten Jahre verbrachte sie in ihrem Haus, umgeben von den schönen Dingen, die sie so liebte“, beschreiben ihre Kinder Roland, Peter und Klara ihren Lebensabend. „Nun ist sie gegangen. So schnell haben wir nicht damit gerechnet. Gott sei Dank konnten wir sie noch begleiten“, versuchen die drei ihre Betroffenheit in Worte zu verpacken.

„Wir spüren tiefen Schmerz.“ Berührend einfache Worte hat Roland Neuwirth für die Parte seiner Mutter gefunden: „Afoch ganga, afoch weg.“ Das Begräbnis findet am Freitag, dem 18. September, um 14 Uhr am Friedhof Hollabrunn statt.