Göllersdorf

Erstellt am 19. Oktober 2016, 04:37

von Sandra Frank

Kastanienallee bald autofrei?. Nur noch Radfahrer und Fußgänger dürfen ab Mitte 2017 durchs Schlossareal – bis auf Widerruf.

Bürgermeister Josef Reinwein (VP) vertraut Schönborn, dass die Durchfahrt offen bleibt.  |  NOEN

Die Landesstraße L 1066 wird vom Land NÖ aufgelassen. Betroffen ist die Kastanienallee, die von der Viendorfer Kreuzung nach Schönborn bis zur Straße nach Obermallebarn führt.

Die Gemeinde übernimmt die Straße ab der Schlossmauer bis zur Viendorfer Kreuzung. Dass das Teilstück zwischen den Schlossmauern – knappe 600 Meter – in den Besitz von Damian Schönborn übergehen soll, war ein Detail, welches den Mandataren der SPÖ und FPÖ nicht gefiel. „Das ist ein Nachteil für die Bevölkerung“, fürchtet der Freiheitliche Josef Brandl, dass die Straße zur Gänze gesperrt werden könnte.

Zeitpunkt der Sperre ist noch unklar

Dass Fußgänger und Radfahrer das Schönborn’sche Areal weiterhin durchqueren dürfen, „das steht in der Vereinbarung“, stellte Bürgermeister Josef Reinwein (ÖVP) klar. Für den Autoverkehr werde die Straße zwischen den Schlossmauern gesperrt, nur die Zufahrt zu Restaurant und Golfplatz sei gestattet. Auch die Grundstücksbesitzer dürfen die Zufahrtsmöglichkeit weiter nutzen.

Ab wann die Sperre in Kraft tritt, könne aus heutiger Sicht noch nicht genau gesagt werden. „Das Ganze tritt ab der grundbücherlichen Eintragung in Kraft. Ich rechne mit Frühjahr oder Sommer 2017“, vermutet der Bürgermeister.

Stefan Hinterberger (SP) will im Vertrag verankern, dass die Durchfahrt offen bleibt.  |  NOEN

Für Isabella Raberger (SPÖ) ist die Vereinbarung unverständlich, die Straße durch Schönborn sei immer schon eine Abkürzung gewesen. „Die Straße hat einen Wert für die Gemeinde, sie sollte offen bleiben“, stimmte Parteikollege Stefan Hinterberger zu. Er vermutet, dass dem Land NÖ nicht bewusst sei, wie die Bevölkerung über die Auflassung denkt.

Auch, dass Fußgänger und Radfahrer die Straße nur „bis auf Widerruf“, wie es im Vertrag heißt, nutzen dürfen, stört die Roten. Die ÖVP tat die Formulierung als juristische Floskel ab.

Warum Schönborn sein Gelände möglichst autofrei halten möchte, erklärt Martin Klampfer (ÖVP): „Er will das Restaurant und den Golfplatz aufwerten. Das ist doch gut für die Gemeinde! Außerdem zeigt sich Schönborn immer kooperativ, wenn die Gemeinde etwas braucht.“ Zudem sei es eine Kostenfrage, so Reinwein.

Schönborn trägt die Sanierungskosten

Josef Brandl (FP) sieht eine Abwertung der Gemeinde im Verkauf der Straße.  |  NOEN, Archiv

Die Fahrbahn werde von der Straßenbauabteilung so umgebaut, dass in der Mitte ein 3,5 Meter breites Asphaltband errichtet wird. Ein befestigter Streifen links und rechts davon verbreitere die Straße auf fünf Meter. Die Kosten in der Höhe von 110.000 Euro sowie die weitere Erhaltung werden von Schönborn übernommen. Weiters werde er sich um den Baumbestand kümmern.

Die Beleuchtungskörper – etwa 30 Straßenlaternen – kauft Schönborn der Gemeinde um 36.000 Euro ab. „Das ist zu günstig“, befand Brandl. „Die sind zehn Jahre alt, das ist nur fair“, entgegnete Klampfer.

Vor 25 Jahren sei niemand gern durch das Schlossgelände gefahren, „es war einfach schiach“, warf Martin Schirmböck (ÖVP) ein, dass Schönborn bereits sehr viel investiert und verbessert habe. Er glaubt, dass vonseiten der SPÖ unnötig Angst geschürt werde. „Er wird die Straße sicher nicht sperren, er will ja, dass die Leute kommen. Da würde er sich ja nur selbst schaden“, stimmte Klampfer mit ein. „Dann kann’s ja auch so in der Vereinbarung stehen“, konterte Hinterberger.

ÖVP und Grüne dafür, SPÖ und FPÖ dagegen

Doch an der Vereinbarung sei nicht zu rütteln, dass für immer mit Autos durchgefahren werden kann, das wolle Schönborn nicht, so Reinwein. Raberger hätte gerne gewusst, wann Schönborn die Vereinbarung widerrufen kann. Das wurde in der Sitzung nicht beantwortet.

„Wir verbauen uns nix. Wir müssen dem Betrieb helfen, ein neues Konzept ist sicher eine Aufwertung“, eröffnete Klampfer die Schlussrunde der Diskussion. „Ich hab’ ein schlechtes Gefühl. Er will etwas ändern, es ist aber nicht klar, was“, meldete sich Herbert Poisinger (SPÖ) zu Wort. Brandl fasste seinen Standpunkt zusammen: „Schönborn wird aufgewertet, die Gemeinde wird abgewertet.“ Michael Deninger (Die Grünen) glaubt hingegen nicht, dass die Vereinbarung ein Nachteil für die Gemeinde sei.

Mit den Stimmen der ÖVP und der Grünen wurden die Übernahme der Straße sowie die Vereinbarung angenommen. Nur Vizebürgermeisterin Annemarie Bauer (ÖVP) enthielt sich ihrer Stimme. Rot und Blau stimmten dagegen.

Zitiert:

„Mit der Durchfahrt ist es dann vorbei!“
Herbert Poisinger (SPÖ) warnte vor der Unterzeichnung der Vereinbarung zwischen der Gemeinde und Damian Schönborn.

„Es wird ja kein Soldat dort stehen und fragen: Gehen Sie essen oder fahren Sie durch?“
Michael Deninger (Die Grünen) bezweifelt, dass das Durchfahrverbot für Pkw streng kontrolliert wird.

„Ich geh’ davon aus, dass er nicht drei Tage, nachdem er die Straße übernommen hat, niemanden mehr durchlassen wird.“
Bürgermeister Josef Reinwein (ÖVP) setzt Vertrauen in Damian Schönborn.