Erstellt am 13. Oktober 2015, 09:12

von Christoph Reiterer

Gössl zu SPÖ-Tohuwabohu: „Ich dringe nicht durch“. Werner Gössl biss mit seinen Vermittlungsversuchen auf Granit und stärkt Hollabrunns SP-Chef und Stadtrat Jakob Raffel den Rücken, falls es nicht doch zu einer Last-Minute-Einigung kommen sollte.

Hat die SPÖ künftig nur noch zwei Vertreter im Rathaus, die auf Parteilinie agieren? Foto: NÖN  |  NOEN, NÖN

„Wenn ich immer alles persönlich genommen hätte, würde ich mit keinem mehr reden“, schmunzelt SPÖ-Bezirksvorsitzender Werner Gössl.

Zum Schmunzeln ist ihm angesichts der Situation in der SPÖ Hollabrunn aber eigentlich gar nicht, nachdem sich mit Elke Stifter, Elke Sklenar, Alexander Eckhardt und Josef Frank vier Gemeinderäte „selbstständig“ gemacht haben, um Stadtrat Jakob Raffel und Ausschussvorsitzender Claudia Öller ihrer Ämter zu entheben – die NÖN berichtete:



„Es ist keine angenehme Situation“, seufzt Gössl, der in den letzten Tagen mehrere Vermittlungsversuche startete. Vergebens (bis zum Zeitpunkt des NÖN-Gesprächs am Wochenende). „Ich dringe nicht durch.“

Was ihn besonders stört: Es gehe nicht um einen politischen Streitpunkt, sondern um persönliche Animositäten. Und: Die vier Mandatare hätten sich nicht an die Regeln der Partei gehalten.

Somit könne es von ihm nur Solidarität mit Raffel und Öller geben: „Das geht ja gar nicht anders. Sie sind unsere gewählten Repräsentanten. Zu erwarten, dass ich so etwas gutheißen kann, ist illusorisch.“

Es tue ihm unheimlich leid, sagt Gössl. „Es war ja ein gemeinsames Erstellen der handelnden Personen und gerade Jakob Raffel hat sich massiv für diese vier eingesetzt. Das ist schon eine Riesen-Enttäuschung.“

„Bei internen Streitigkeiten gibt es nur Verlierer“

Auch Rupert Dworak, Präsident des SPÖ-Gemeindevertreterverbandes in Niederösterreich, hat sich in den Konflikt eingeschaltet. Bis zur Gemeinderatssitzung am Dienstagabend (13.10., nach NÖN-Redaktionsschluss) wurde alles versucht, ein Miteinander zu ermöglichen. Denn: „Bei internen Streitigkeiten gibt es nur Verlierer.“

Er habe sich stets auf Jakob Raffel verlassen können, deshalb sei alles auch so schwer nachvollziehbar, erklärt der Bezirksvorsitzende. „Es geht nicht mehr nach Logik und Vernunft, sondern nach Emotionen. Raffel leistet ausgezeichnete Arbeit. Über Ansichten kann man immer diskutieren.“

Aus gemeindepolitischer Sicht sieht Gössl die Opposition ohne Raffel von der Bildfläche verschwinden. Der Gemeinderat werde zur ÖVP-Einheitspartei. Die FPÖ sei auf Kuschelkurs und Josef Frank, graue Eminenz der „Revoluzzer“, sei auch nicht gerade auf Konfrontation mit dem Bürgermeister. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagte Werner Gössl. Bis zur Gemeinderatssitzung am Dienstagabend …

Am Donnerstag tagt die Stadt-SPÖ. Ob es dann vier „wilde Mandatare“ im Hollabrunner Gemeinderat geben könnte? Gössl: „Wild sind sie nicht, eher harmlos und zahm.“
 

Zitiert:

„Es gibt ja keine Zwangsmitgliedschaft und wir sind auch keine Partei wie andere, wo Rücktrittsschreiben schon vorgefertigt werden. Ich würde mir auch keine Meinung aufoktroyieren lassen.“

„Ein politischer Streitpunkt wäre noch zu akzeptieren.“

„Rechtlich ist der Schritt in Ordnung, in unseren Regeln aber nicht vorgesehen. Den Parteimitgliedern gefällt das natürlich nicht.“