Erstellt am 27. April 2016, 04:44

von Christoph Reiterer

Grüne nach Wahl: „Die Jungen sind satt“. Die Grünen hoffen auf Van der Bellen. GVV-Chef Marihart (VP) wettert gegen eigene Partei: „Da schaue ich nicht zu!“

Denis Thompson (Bild) und Peter Loy von den Grünen schauten im NÖN-Büro vorbei, um die erste Hochrechnung zu verfolgen. Foto: NÖN  |  NOEN, NÖN
Denis Thompson und Peter Loy in Hollabrunn zählen zu den wenigen Grünen, die der Bezirk zu bieten hat. Dass Norbert Hofer bis auf Schrattenthal (und die Wahlkarten) überall klar an der Spitze lag, schmerzte sie.

Es war für Thompson aber auch erklärbar: „Er hat seine konsequente Linie nie geändert, nutzte die Ängste gegen die EU, gegen die Ausländer.“ Auch das Alter sei ein Plus für Hofer.

Van der Bellen kam teilweise „grau rüber“

Hofer sei jedoch ein Wolf im Schafspelz, hofft Thompson, dass Van der Bellen in der Stichwahl das Rennen macht. Loy warnt: „Wer glaubt, dass sich die Welt durch Abschottung nicht verändert, der hat in Geschichte nicht aufgepasst.“

Im Wahlkampf sei Van der Bellen teilweise „grau rübergekommen“. „Da hätte die Maske besser arbeiten können.“ Klar sei jedoch, so die Grünen: „Die jungen Menschen sind satt, wie die beiden Regierungsparteien alles organisieren.“

GVV-Bezirksobmann Manfred Marihart (VP) war frustriert, dass Hofer in seiner Heimatgemeinde Pulkau so klar voranlag: „Vielleicht bin ich am verkehrten Platz.“

Marihart sieht einen Wink mit dem Zaunpfahl

Khol sei laut Marihart unschuldig am Ergebnis, das auf die Regierungsarbeit zurückzuführen sei: „Als Wirtschaftstreibender hast du nichts außer Probleme, auch in der Landwirtschaft.“  Die ÖVP habe ihre Glaubwürdigkeit verloren. Das Wahlergebnis sei ein Wink mit dem Zaunpfahl. „Vielleicht ist es auch schon zu spät. Es ist schade, dass man eine Partei so runterwirtschaftet.“

Marihart will ein Schreiben an die ÖVP-Führung richten, „ungeschminkt“ und „mit nicht freundlichen Worten“, denn: „Eine christlich-soziale Partei und ihre Werte werden mit Füßen getreten. Da schaue ich nicht zu.“

GVV-Obmann Herbert Goldinger (SP) sieht ebenfalls eine „Abrechnung mit der Regierung“. Er habe sich ein respektableres Ergebnis für seinen Parteifreund Rudi Hundstorfer erhofft.

Beste „Khol-Gemeinde“ war übrigens Sitzendorf mit 26,5 Prozent. „Wir haben unser Möglichstes getan“, seufzt Bürgermeister Martin Reiter. „Würden wir in der Gemeinde so schwerfällig sein wie in der Bundesregierung, würden uns die Leute bombardieren“, sagt der Retzer Stadtchef Helmut Koch (VP).