Erstellt am 30. Dezember 2015, 04:48

von Christoph Reiterer

Grünes Licht für die Koliskowarte. Privatstiftung Weinviertler Sparkasse und Gemeinde unterzeichneten Vertrag für Hollabrunner Koliskowarte.

Bürgermeister, Vize und Stiftungsvorstand: Alfred Babinsky, Werner Lamm, Erwin Bernreiter, Erich Glaser, Wolfgang Traindl, Max Kaltenböck (v.l.). Foto: MBC  |  NOEN, MBC

Quasi als Weihnachtsgeschenk wurde ein bereits angekündigtes bemerkenswertes Projekt in der Bezirkshauptstadt fixiert: Die Koliskowarte (ein Plädoyer für die Warte findet sich im Leserbrief unten), seit Generationen beliebtestes Nahausflugsziel der Hollabrunner im Kirchenwald, wird auf das Doppelte erhöht.

Die Kosten von rund 300.000 Euro werden zur Gänze von der Privatstiftung Weinviertler Sparkasse getragen. Für die Wartung und Betreuung des Aussichtsturms ist wie bisher die Stadtgemeinde verantwortlich.

Arbeiten sollen im Frühling abgeschlossen sein

Weil die in die Höhe geschossenen Bäume die freie Aussicht von der 1935 errichteten Plattform stark beeinträchtigen, erhält das – ohne sein Dach – zwölf Meter hohe Gebäude nun einen ebenfalls zwölf Meter hohen Stahlaufbau (siehe auch Grafik unten). Die Konstruktion wird durch Speziallack langfristig vor Korrosion geschützt und wird auf Stahlsäulen, die im Geviert des Turms eingebaut werden, abgestützt.

Die Treppen werden durch kleine auskragende Plattformen gegliedert, die schon während des Aufsteigens freie Ausblicke in alle Himmelsrichtungen bieten. Vom Dachplateau kann man dann hoch über den Baumwipfeln eine Rundumaussicht bis zu Schneeberg und Ötscher genießen.

Planung und Bauleitung des Projekts hat das Hollabrunner Architekturbüro Maurer & Partner inne. Die Arbeiten beginnen im Jänner und sollen im Frühling abgeschlossen sein. Auch Bürgermeister Erwin Bernreiter freut sich über die Initiative und dankte den Verantwortlichen: „Der Hollabrunner Wald wird damit als Naherholungsgebiet für Bevölkerung und Gäste noch attraktiver.“

„Dr. Rudolf Kolisko war 32 Jahre Vorsteher unserer Sparkasse. Es ist uns ein Anliegen, dieses persönliche Projekt von ihm nun fortzuführen und dessen Nutzung im Interesse der Menschen unserer Region für eine lange Zukunft zu sichern“, sagt Erich Glaser, Vorsitzender des Stiftungsvorstands, zu den Beweggründen für die große Investition.

Eine Investition, die einmal mehr daran erinnert, dass die Sparkasse aus Hollabrunn gemacht hat, was es jetzt ist.

Seinem Gründungsgedanken der Gemeinnützigkeit kommt das nach mehreren Fusionierungen zur „Weinviertler Sparkasse“ gewachsene Institut bis heute nach, wenn auch seit 2002 – und auch nach dem Zusammenschluss mit der Erste Bank im Jahr 2009 – in der neuen organisatorischen Form als Privatstiftung.

Gefällt Euch der Entwurf der Warte (Foto oben)? Stimmt bei unserer Umfrage mit!


 

Hintergrund

Der Aussichtsturm wurde 1935 auf dem 332 Meter hohen Gaisberg auf dem Gebiet der damals eigenständigen und heutigen Katastralgemeinde Raschala erbaut.

In Auftrag gegeben wurde er vom legendären Hollabrunner Bürgermeister Rudolf Kolisko, der sie über die von ihm dotierte „Waldstiftung in Hollabrunn“ selbst finanzierte und darüber hinaus auch die Auspflanzung des heutigen Kirchenwaldes Richtung Magersdorf initiierte.

Das Wirken der Sparkasse trug maßgeblich zur Entwicklung der ehemals kleinen Marktgemeinde Oberhollabrunn zur heutigen Bezirkshauptstadt bei. Sie unterstützte mit großzügigen Zuwendungen und/oder günstigen Finanzierungen die Errichtung großer Bauten für Verwaltungseinrichtungen und Schulen, wichtige Infrastrukturmaßnahmen wie den Anschluss an die Nordwestbahn, die Strom- und Trinkwasserversorgung sowie soziale und kulturelle Leitprojekte.
 


LESERBRIEF ZUM THEMA

Plädoyer für eine Warte im Westen

Zum vorwöchigen NÖN-Bericht über die Fixierung der Aufstockung der Koliskowarte im Hollabrunner Wald erreichte uns folgender Leserbrief:

Dass die Koliskowarte im derzeitigen Umfeld nicht sehr viel Repräsentatives hergibt und an Reiz verloren hat und im Großen und Ganzen in einem Dornröschenschlaf in einer naturbelassenen Baumlandschaft dahindöst, steht außer Zweifel. Solange zu warten, bis ein wesentlicher Teil der Bäume die physiologische Altersgrenze erreicht hat und somit gefällt werden kann, das wird unsere Generation auch nicht mehr erleben.

Erkennen Sie doch und akzeptieren Sie die Koliskowarte in der derzeitigen Form und dem derzeitigen Umfeld als Juwel, an dem man sich nicht vergreifen soll und das unverändert erhalten bleiben muss, wenngleich sie bis heute nicht als erhaltenswertes Naturdenkmal erfasst worden ist. (Ein Versäumnis?)

In den 40 Jahren meines freigewählten Exils in einem anderen Bundesland bedeutete für mich immer wieder bei den Besuchen der erste Blick vom Langen Berg auf Hollabrunn mit der „Gendarmerieschule“ einen herzlichen Willkommensgruß vonseiten dieser Heimatstadt, desgleichen dieselben Emotionen aus der Richtung Oberfellabrunn kommend.

Dieser Eindruck: Das ist HOLLABRUNN! Der Blick schweift empor von der tiefsten Stelle, eröffnet sich förmlich bis hinauf zur „Waldsiedlung“, das Häusermeer schmiegt sich harmonisch an die leicht kubierten Geländeformen und stellt zugleich eine stille Mächtigkeit dar. Vom äußersten Norden bis zu den Grenzen von Raschala, ja das ist HOLLABRUNN!

Und was bietet die Aussicht vom erhöhten Standpunkt einer aufgestockten Koliskowarte? Ein schier nicht enden wollender Wald mit einem anschließenden Blick in den Hintern einer ausdruckslosen Stadt da unten!

Wissen Sie was?

Stellen Sie doch eine neue, dem Zeitgeschmack entsprechende Warte in den Westen, z. B. auf den Vogelsang (340m ü.d.M.) oder auf die davor liegende Erhebung, das bietet jenes Panorama, das der Stadt würdig ist und fremdenverkehrstechnisch den Besuchern in Erweiterung der Kellergassen einen zusätzlichen Anreiz schaffen wird. Das Szenar an diesem Standpunkt erstreckt sich, aus dem Norden kommend, von Schöngrabern über Wullersdorf, Aspersdorf, Mariathal, Magersdorf, die Stadt selbst bis zum gesamten Raschala.

Lassen Sie doch von einer Drohne die zu erwartende Aussicht dokumentieren, Sie werden überwältigt sein vom Anblick aus dem Westen mit abschließendem Blick in das Schmidatal. Der Architekt wird leidenschaftlich gerne die neue Platzwahl annehmen und kann zugleich seine ursprünglichen Überlegungen einbringen.

Die beabsichtigte Erweiterung der Koliskowarte ist halbherzig und engstirnig und zeigt nicht von einem Verständnis für das Alte und würde auch nicht den erwarteten Aha-Effekt mit sich bringen.

Machen S’ was G’scheites, Nägel mit Köpf‘, die Sparkassagasse kann man ohnehin nicht sehen.

Als Baumenschen tun einem manche Zwangsbeglückungen doch des Öfteren sehr weh.

Willibald Ferschner, Göllersdorf