Erstellt am 09. März 2016, 04:44

von Sandra Frank

Guten Ton verloren: Nachbar durchtrennte Stromleitung. Als ihm die Gemeinde bereits helfen wollte, griff ein Rentner wegen „Musik-Terrors“ zum Seitenschneider: Geldstrafe!

 |  NOEN, Banffy/Rainer Wermke/Wikimedia
„Selbsthilfe gibt’s in Österreich nicht“, gab Richter Erhard Neubauer am Bezirksgericht Hollabrunn einem Angeklagten mit auf den Weg. Der Pensionist hatte nämlich kurzerhand eine Stromleitung in einem Mehrparteienhaus mit einem Seitenschneider durchtrennt, weil andere Mieter zu laut Musik aufgedreht hatten.

„Raum ist genau unter meinem Schlafzimmer“

„Er hat die ganze Nacht Musik gespielt. Und das jede Woche drei bis vier Mal, über ein halbes Jahr lang“, erklärte der 59-Jährige. „Der Abstellraum, in dem er immer Musik gespielt hat, ist genau unter meinem Schlafzimmer“, rechtfertigte sich der Angeklagte.

Er habe im Vorfeld mehrmals mit dem betroffenen Mieter gesprochen, die Polizei gerufen und sich bei der Gemeinde – Vermieterin des Objekts – beschwert.

Als der Elektriker kam, war der Strom schon weg

Ein Mitarbeiter der Gemeinde bestätigte, dass wegen der Beschwerden öfters nachgesehen wurde. „Wir haben vereinbart, den Raum stromlos zu machen“, erzählt der Zeuge. Diese Entscheidung sei am 7. Dezember getroffen worden. Zwei Tage später kam der Elektriker. „Aber da gab’s keinen Strom mehr“, schilderte der Gemeindemitarbeiter. Die Leitung war bereits durchtrennt.

„Ich hab’s einfach nicht mehr ausgehalten“, sagte der Angeklagte. Er habe die Leitung herausgerissen und durchgeschnitten. Der andere Mieter habe die Leitungen selbst gestemmt und „nicht g’scheit verputzt“, darum sei es einfach gewesen.

Der Richter verhängte eine Geldstrafe von 300 Euro und man einigte sich auf Schadenswiedergutmachung. Und: „Keine Selbsthilfe mehr!“