Hardegg

Erstellt am 28. Juli 2016, 05:33

von NÖN Redaktion

Botanikerin entdeckt bedrohte Pflanze im Thayatal. Österreichs Flora ist um eine Blume reicher: Gabriele Bassler erforschte Sand-Grasnelke – und sichtete eine neue Art.

Die rosa blühende Wegerich-Grasnelke.  |  NOEN, NP Thayatal

Die Naturraumforschung im Nationalpark Thayatal konnte in den vergangenen Jahren bereits mehrere schöne Erfolge verzeichnen, nun gibt es wieder eine Neuentdeckung für Österreich: Botanikerin Gabriele Bassler von der Universität für Bodenkultur hat auf einer Wiese im Thayatal eine neue Pflanzenart entdeckt.

Dabei handelt es sich nicht um ein Moos oder ein unscheinbares Gras, sondern um die Wegerich-Grasnelke (Armeria arenaria), eine Wiesenpflanze mit schöner Blüte. Nationalparkdirektor Ludwig Schleritzko ist erfreut: „Neben dem Hohen Perlgras, dem Weichhaarigen Federgras und der Dickfuß-Segge ist dies eine weitere Art, deren einziges Vorkommen in Österreich sich im Nationalpark Thayatal befindet!“

„Die Nationalparkverwaltung achtet bei den Managementmaßnahmen darauf, dass die Lebensraumbedingungen stabil bleiben.“

Christian Übl, Biologe

Die Population der Wegerich-Grasnelke im Thayatal ist relativ klein, sie umfasst nur ungefähr 650 Individuen. Außerdem ist sie sehr isoliert. Die nächsten Vorkommen befinden sich 580 Kilometer weit entfernt in Norditalien oder 650 Kilometer entfernt in der Schweiz. Ein etwas näheres Vorkommen war bei Mainz in Deutschland, dieses ist jedoch erloschen.

Herkunft ist ungeklärt, Pflanze gilt als bedroht

Rätselhaft ist, wie die Pflanze ins Thayatal gekommen ist. Eine gezielte Aussaat durch die Landwirte erscheint unwahrscheinlich, da diese auf den Thayatal-Wiesen keine Tradition hat und ein Bezug von Saatgut mit enthaltener Wegerich-Grasnelke de facto nicht möglich war.

Die wahrscheinlichste Erklärung ist eine sehr lang zurückliegende Einschleppung und erfolgreiche Etablierung im Thayatal.

Da das Vorkommen der Wegerich-Grasnelke klein und isoliert ist, ist die neuentdeckte Art als „vom Aussterben bedroht“ einzustufen. Nationalpark-Biologe Christian Übl: „Die Nationalparkverwaltung achtet bei ihren Managementmaßnahmen darauf, dass die Lebensraumbedingungen stabil bleiben. Vorteilhaft sind zum Beispiel ein später Mahdtermin und der Verzicht auf Dünger jeglicher Art.“

Fachwelt ist über Fund erstaunt

Unbemerkt | Botanikern entgingen die etwas schmaleren Blätter.

Gabriele Bassler wollte es im April 2013 genauer wissen. Sie war auf der Suche nach Beständen der Sand-Grasnelke (Armeria elongata) und entdeckte dabei Blatt-Rosetten einer Grasnelke, deren Blätter anders gestaltet waren. Sie durchforstete Bestimmungsliteratur aus Österreich, Deutschland und der Schweiz: Die gefundenen Individuen gehörten jedoch zu keiner der bekannten Arten, sondern sind als Wegerich-Grasnelke vielmehr eine Neuentdeckung für Österreich.

Zur Absicherung wurden Botaniker in Madrid und Erlangen konsultiert, die das Ergebnis bestätigten. Die offizielle Bekanntmachung des Fundes bildete die Veröffentlichung in der botanischen Publikationsreihe Neilreichia 7/2015.

Die Entdeckung hat Erstaunen ausgelöst. Das Vorkommen der Grasnelke im Thayatal war in der Fachwelt zwar bekannt, sie wurde aber bisher bei mehreren Erhebungen für die Sand-Grasnelke (Armeria elongata) gehalten. Diese ist relativ häufig auf den Trockenrasen im Thayatal und bei Retz zu finden und hat etwas schmalere Blätter ohne Hautrand.