Hardegg

Erstellt am 26. August 2016, 05:59

von Karin Widhalm

Hardegg: Über lauschige Plätze und bequeme Wege. Nationalpark revitalisiert mit Hardeggern einen Rastplatz und setzt Berg-Profis zur Wegsanierung ein.

Schöner Platz zum Zusammensitzen (sitzend, v.l.): Friedrich Linsbauer, Manfred Kreyl, Fremdenverkehrsobmann Manfred Mahr, (stehend, v.l.) Harald Grubmüller, Wolfgang Riener und Gerhard „Schneckerl“ Trethahn.  |  NOEN, Karin Widhalm

Der Entschluss fiel rasch: „Wir könnten öfter hier Bier trinken“, sagt einer der mithelfenden Männer. Sie sitzen gerade auf einer Sitzgarnitur, die sie mit dem Nationalpark Thayatal in einem versteckten Eck der Stadt aufgestellt haben. „Dort stand schon einmal eine Bank“, erzählt Wolfgang Riener, der für den Nationalpark für die Besucherinfrastruktur und die Wanderwege zuständig ist.

Der Platz sei zwischenzeitlich als Ablageplatz für Grünschnitt umfunktioniert worden. Die Nationalpark-Verwaltung wandte sich an die Hardegger: Wieso nicht gemeinsam zwei Bänke mit einem Tisch aufstellen?

Infrastrukturtechnisch tat sich einiges im Nationalpark

Gemeindearbeiter entsorgten sodann den Abfall. Anrainer legten Waschbetonplatten auf. Friedrich Linsbauer fertigte in seinem Betrieb die Sitzgarnitur, die der Nationalpark bezahlte, an. „Wir haben alle eingebunden und das ist sehr gut angenommen worden“, freut sich Riener. Er brachte zum Dank am vorigen Donnerstag den Hardeggern Bier vorbei – und die Gruppe machte sich’s auf den Bänken bequem.

Infrastrukturtechnisch tat sich einiges im Nationalpark: Die Wege waren abschnittsweise schwer begehbar, vor allem für Ältere und Menschen, die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind. Die Sanierung sollte schonend passieren, ohne allzu auffälligen Maßnahmen. Direktor Ludwig Schleritzko fädelte ein, dass ein dreiköpfiges Team aus dem Nationalpark Gesäuse zum Einsatz kam.

Team verbreitert ausgetretene Pfade zu Wegen

Die Männer sind erfahren, wenn es darum geht, sichere Wege durch die Wildnis anzulegen. Sie gehen – wenn nötig – zu Fuß zur „Baustelle“, nehmen ihr Werkzeug mit und verwenden Materialien aus dem Wald. Sie graben, schütten auf, beseitigen Wasserspuren, verlegen das zugeschnittene Holz der Bäume und herumliegende kleine oder größere Steine. Plattformen und Stiegen entstehen auf diese Weise.

Das Team verbreitert ausgetretene Pfade zu Wegen und schlagen Steigbügel ein, damit Felsen betreten werden können. Ihre Arbeitsweise ist jener vor 100 Jahren sehr ähnlich.

„Das Wissen darüber ist bei uns verloren gegangen“, so Riener, der die NÖN zu den erneuerten Plätzen und Abschnitten führt. Erste Station: die Aussichtsplattform am Hennerweg.

Das natürliche Aussehen fügt sich in den Nationalpark nahtlos ein. Das Geländer aus Holz baute Christian Neuwirth. „Die Maßnahmen sind so angepasst, dass es den Besuchern nicht bewusst auffällt.“ Der Wanderweg ist so eben, dass er als barrierefrei klassifiziert werden kann. „Der Hennerweg kann mit Kinderwagen und Rollstuhl aufgesucht werden. Das ist uns ein großes Anliegen“, meint Riener.

Aussichtspunkt auf die Burg wurde freigelegt

Das Max Plateau hat in unmittelbarer Nähe, am Ende des Christbaumweges, einen weiteren Aussichtspunkt. Teile des Weges waren verwachsen und einige Bäume fielen, um die Sicht auf die Burg und die Stadt freigeben zu können. Der Überstieg und der Gabrielensteig erhielten Stiegen in angenehmer Höhe. Wurzeln, über die man stolpern könnte, sieht man nicht mehr.

Fingerspitzengefühl gehört bei der Planung dazu. Einerseits müsse an die Sicherheit der Wanderer gedacht werden, andererseits dürfe der Wildnis-Charakter nicht verloren gehen. Die Balance wurde mithilfe des Gesäuse-Teams gefunden, ist Riener überzeugt.

Ihre Arbeit ist noch nicht erledigt: Sie werden im Frühjahr noch einmal im Nationalpark Thayatal erwartet, um beispielsweise die Sanierung des Gabrielensteigs zu finalisieren. Der Reginafelsen wird ebenso ins Auge gefasst. Überlegt wird zudem, mit dem Team einen Wartungsvertrag für eine lange Haltbarkeit der Maßnahmen abzuschließen.