Haugsdorf

Erstellt am 03. Juli 2016, 05:50

von Karin Widhalm

Zülows wertvolles Erbe. Meilenstein im Verein Josef Ruby ist nicht mehr Obmann, ihm folgt Gabriele Grötz. Sie will das Andenken an den Künstler weiter wahren.

Neuwahl im Zülow-Verein (v.l.): Vizebürgermeisterin Martina Böck, Hermann Jagenteufel, Engelbert Höller, Anneliese Toifl, Alfred Kiesling, Gabriele Grötz, Eduard Gritsch, Bürgermeister Andreas Sedlmayer und Walter Trunk. Foto: privat  |  privat

Seine Kunstwerke landeten als Brennmaterial im Holzofen, ob kleine, größere oder wie viele: Das weiß niemand. Der fehlende Blick fürs Wertvolle führte dazu. Vielleicht fingen da 24.700 Euro Feuer. Franz von Zülow, ein Mann mit ausgeprägtem Sinn für die Grafik, wurde unterschätzt – aber nicht von allen.

Grötz folgt nach: „Hat mich schon länger interessiert“

Josef Ruby hat sich als Obmann des Zülow-Vereins viele Jahre darum gekümmert, dass das Andenken des Künstlers gewahrt bleibt. Er organisierte Ausstellungen, schuf Themenweg und Denkmal.

Rubys Wissen ist reich: Er, der Zülow kannte, kann Anekdoten erzählen und auf das künstlerische Schaffen eingehen. Dass Drucke und Bilder verbrannt wurden, stammt von ihm. Ruby, der am 1. Juli 80 Jahre alt wird, hat seine Funktion nun zurückgelegt.

Ihm folgt Gabriele Grötz, zuvor Schriftführer-Stellvertreterin. „Es hat mich schon länger interessiert, aber aus Zeitgründen habe ich davon abgesehen.“ Die kulturinteressierte Pensionistin engagiert sich beim Haugsdorfer Kameradschaftsbund und kümmert sich um ihre Enkelkinder. Oft pendelt sie nach Wien.

Grötz blieb die Einzige, die Gefallen an einer führenden Funktion im Zülow-Verein fand. Das und die Gewissheit, dass das Erbe nicht verloren gehen darf, führten zu einem Ja.

Verein bei „Kunst & Wein“ mit Ausstellung vertreten

„Was uns wichtig ist: Das Bestehende zu erhalten“, sagt die frisch gebackene Obfrau. „Wir wollen das Werk von Josef Ruby weiterführen.“ Ihr Stellvertreter ist der kunstsinnige Alfred Kiesling, der dem Verein gerade zu einer Präsenz auf Facebook verhilft. Der Vorstand fasste weitere Pläne: Ein Ausflug wird nach Hirschbach, der zweiten Heimat von Franz von Zülow, führen. 2017 feiert der Verein sein zehnjähriges Jubiläum – wie, darüber wird noch nachgedacht. Führungen sollen weiterhin in Haugsdorf organisiert werden.

Und: Der Verein wird bei „Kunst & Wein“ mit einer Ausstellung vertreten sein. Den „Meister der Vielseitigkeit“ (MAK) wird man mit all seinen künstlerischen Facetten sehen. Der Gast wird außerdem nachvollziehen können, welche Preise Zülows Bilder bei Auktionen erzielt haben. 24.700 Euro ist der Betrag für das Ölbild „Motiv aus Neapel“ – und nicht das teuerste Werk. Der Verein möchte damit erreichen, dass mehr Menschen Zülows künstlerisches Schaffen wertschätzen.

Hintergrund

Der Verein „Zülow in Haugsdorf“ wurde 2003 gegründet. Josef Ruby hielt einige Jahre zuvor Ausstellungen ab. 80 Mitglieder zählt der Verein.

  • Obfrau: Gabriele Grötz, Stellvertreter: Alfred Kiesling
  • Schriftführer: Walter Trunk, Stellvertreterin Anneliese Toifl
  • Kassier: Eduard Gritsch, Stellvertreter: Engelbert Höller
  • Beirat: Hermann Jagenteufel

Franz von Zülow, in Wien 1883 geboren und 1963 gestorben, lebte unter anderem in Haugsdorf, das er nicht selten in seinen Bildnissen festhielt.

Er schuf, inspiriert von der Wiener Secession, ein umfassendes und unverkennbares Werk vor allem in der Grafik, aber auch in der Malerei, in Form von Ölbildern, Aquarellen, Entwürfen für Stoffmuster, Keramiker oder in der Dekoration von Möbeln.

1903 adaptierte er die asiatische Technik der Färberschablonen zu einem Druckverfahren, das er 1907 als Papierschnittdruck patentieren ließ. Zülow entwarf immer wieder Objekte für Kinder, wie Kulissenbilderbücher in der Art eines Dioramas oder Papierspielzeug und Puppentheater.

Die von ihm herausgegebenen, handgemalten und in kleinster Auflage gedruckten Monatshefte enthalten bäuerliche Motive im Jugendstil. Zu den Abonnenten zählten Josef Hoffmann, Gustav Klimt und Egon Schiele.

Nähere Infos: www.pulkautal.at