Erstellt am 01. Juni 2016, 06:55

von Christoph Reiterer

„Der Stadt fehlt Charme“. Julia Katschnig will die Wohlfühlatmosphäre steigern, den Wochenmarkt neu aufsetzen und hat durchgesetzt, dass die Einkaufsnacht ohne Feuerwerk endet.

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Am 30. März hat Julia Katschnig ihren Vertrag als Geschäftsführerin der neuen Hollabrunn Marketing GesmbH (HoMaG) unterzeichnet, mit 1. Juni nimmt sie ihre Tätigkeit offiziell auf. Die NÖN bat die 40-Jährige, die seit knapp zwei Jahren mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Hollabrunn lebt, aus diesem Anlass zum Gespräch.

NÖN: Sie konnten sich in den letzten Wochen einen ersten Überblick verschaffen. Haben Sie neue Seiten von Hollabrunn kennengelernt?
Katschnig: Ich kenne Hollabrunn schon seit 20 Jahren, weil ich so lange mit meinem Mann liiert bin und ich habe immer schon genau beobachtet und auf Details geachtet. Wo sind viele Menschen? Wo weniger? Warum ist da niemand? Das passiert bei mir automatisch.

Warum ist in Hollabrunns Zentrum wenig los?
Katschnig: Ich finde, dass sich gar nicht so wenig tut; mehr, als erwartet; auch an den Vormittagen. Die Menschen sind schon da, sie bewegen sich aber relativ schnell. Was sollen sie auch tun? Den Autos beim Ein- und Ausparken zuschauen? Es wird das Notwendige erledigt, aber es findet wenig soziale Begegnung statt, weil die Wohlfühlatmosphäre fehlt.

Ist das nicht frustrierend?
Katschnig: Ich habe bei den Vorbereitungen für die Einkaufsnacht am 17. Juni die Gelegenheit genützt, viele Gespräche zu führen und mich vorzustellen. Man merkt, dass das Fachmarktzentrum in den Köpfen als Konkurrenz wahrgenommen wird. Das sollte es aber nicht sein. Im Fachmarktzentrum geht‘s um Effizienz und Preisvergleich. Die Innenstadt hat andere Aufgaben, muss und soll einen ganz anderen Charakter haben. Hier will ich schlendern und genießen. Das Stadtzentrum ist identitätsstiftend.

Das heißt?
Katschnig: Das Schöne ist: Es ist alles da. Jetzt geht es darum, dass man dem Ganzen einen Charme einhaucht, Vorhandenes anreichert. Dazu gehört auch eine optische Trennung von Hauptplatz und Parkplatz. Ich glaube, dass das dann gut angenommen wird. Es geht aber auch um die virtuelle Sichtbarkeit von Hollabrunn. Die Attraktivität der Homepage gilt es zu bewerten. Auch der Wochenmarkt liegt mir am Herzen. Der muss neu aufgesetzt werden.

Welche Erfahrungen haben Sie schon mit der politischen Landschaft in Hollabrunn gemacht?
Katschnig: Wenig. Ich habe mich gefreut, dass ich zum Verkehrsausschuss eingeladen wurde. Wenn jetzt eine Kampagne zum Radfahren gestartet werden soll, kann ich das professionell begleiten. Mehr Radfahrer tragen auch zur Belebung bei. Ichhabe schon beim Hearing betont, dass es das Ziel ist, dass mehr Menschen sichtbar werden – nicht nur hinter Autoscheiben.

Die Einkaufsnacht am 17. Juni ist ein erstes Highlight für Sie?
Katschnig: Ich habe mich konzeptionell sehr sachte eingebracht. Die Mobilität ist mir wichtig, deshalb wird es heuer einen zweiten Bummelzug geben. Feuerwerk wird es keines geben. Das Budget wird umgewidmet in ein Gewinnspiel, bei dem insgesamt 1.000 Euro in Hollabrunner Einkaufsmünzen verlost werden.

Wie wird Ihre Handschrift zu erkennen sein?
Katschnig: Ich frage mich immer, wie sich Maßnahmen auf die Einzelnen auswirken. Das Motto ist: der Mensch zuerst. Handel, Tourismus und Gastronomie werden angenommen, wenn die Menschen zufrieden sind und stolz sagen: Ich wohne in Hollabrunn.

Wie geht es aus Ihrer Sicht der Jugend in Hollabrunn?
Katschnig: Als ich für meine Bewerbung auf Fototour in Hollabrunn war, habe ich drei Mädels getroffen und angesprochen, die hier zur Schule gehen. Die Jugendlichen fühlen sich nicht abgeholt. Auch wenn sie unmittelbar nicht die großen Geldbringer sind: Investitionen in die Jugend sind Investitionen in die Zukunft.

Ihr Büro ist in der Fußgängerzone, im Einser-Haus. Dort ist auch der Regionenshop. Bleibt er?
Katschnig: Der Standort bleibt, aber Funktion und Angebot werden sich ändern müssen. Ab Herbst sollte der Regionenshop besser funktionieren. Er wird eine Touristen-Anlaufstelle sein.