Hollabrunn

Erstellt am 12. April 2017, 05:33

von Sandra Frank

Heftige Vorwürfe im Bücherei-Streit. VP-Stadträtin über Angriffe von Scharinger- Mandatar empört. „Habe Bücherei gerettet.“

Die Hollabrunner Stadtbücherei ist im sogenannten „Einser-Haus“ in der Fußgängerzone untergebracht.  |  NÖN

Im Polit-Streit um eine von der Bücherei organisierte Lesung (Thomas Raab, 19.4.), die nicht in der Stadtbibliothek, sondern im Restaurant von VP-Stadtrat Karl Riepl stattfindet, schlägt Gemeinderat Sascha Bauer (Liste Scharinger) das nächste Kapitel auf. Er fordert den Rücktritt von VP-Bildungsstadträtin Elisabeth Schüttengruber-Holly, die mit Riepl liiert ist.

„Sie hat den Vorwurf der Freunderlwirtschaft damit abgestritten, dass sie nicht mehr verantwortlich ist. Mir liegen aber Informationen aus dem Umfeld der Bibliothek vor, die vermuten lassen, dass die Bildungsstadträtin doch noch eine leitende Funktion in der Stadtbücherei innehat“, ist für Bauer, der in der Fußgängerzone ein Fitnesscenter betreibt, die Causa noch nicht gegessen.

Hält Elisabeth Schüttengruber-Holly für nicht besonders ehrlich: Sascha Bauer.  |  NÖN

Bauer fordert Rücktritt

Wie berichtet, wäre es für den Unternehmer im Sinne der Zentrumsbelebung nur logisch, die Lesung in der Bücherei oder jedenfalls im „Einser-Haus“ in der Sparkassegasse zu veranstalten. Organisatorin Schüttengruber-Holly betonte daraufhin, seit März 2016 gar nicht mehr Leiterin der Bibliothek zu sein.

Danach erhielt Bauer die Info, dass eine Übergabe der Leiter-Funktion im Beisein des Bürgermeisters für Anfang Mai 2017 geplant sei. E-Mails zum Kartenverkauf würden zeigen, dass Schüttengruber-Holly weiterhin eine leitende Funktion in der Stadtbibliothek hat. „Wahrscheinlich bin ich ein Romantiker, weil ich überzeugt bin, dass Politiker nicht lügen sollen. Aufgrund ihrer Vorbildwirkung sollte sie zurücktreten“, meint Bauer.

Verärgert über Angriffe

Die VP-Frontfrau zeigt sich sehr verärgert über die erneuten Angriffe des Scharinger-Mandatars. „Natürlich hat jeder seinen eigenen Bereich und eine Funktion. Allein kann man das ja gar nicht schaffen.“ Aber alles geschehe in Absprache mit der neuen Leiterin der Stadtbibliothek, Andrea Frydrych.

Den Mai-Termin, an dem die Amtsübergabe besiegelt wird, bestätigt die Stadträtin: „Die offizielle Übergabe hat bereits am 16. März 2016 stattgefunden, als ich Stadträtin geworden bin“, betont sie. Die Feier finde so spät statt, weil der Bürgermeister dabei sein soll, um sich beim Team für die ehrenamtliche Arbeit bedanken zu können. „Es ist nicht so einfach, einen gemeinsamen Termin zu finden.“

Als Obmann des Prüfungsausschusses bekam Bauer außerdem Zahlen zur Gebarung der Bücherei zugespielt. „Sehr interessant“ sei der Umstand, dass in der Jahresmeldung 2015 bei „Eigeneinnahmen“ 0,00 Euro angeführt werden, obwohl es 1.004 Benutzer gegeben habe. Und, so Bauer: „All diese sind, laut Aufzeichnung, Kinder unter 14 Jahren, männlich. Das kann ja auch nicht sein …“

Hält Sascha Bauer für nicht besonders belesen: Elisabeth Schüttengruber-Holly.  |  VP

„Soll sich die Bücherei von innen anschauen“

Was die Einnahmen betrifft, das gehe Bauer nichts an, so Schüttengruber-Holly. Warum eine Null angeführt wird, erklärt sie so: „Das war schon unter Helmut Wunderl so. Er hat gesagt, die Einnahmen gehören der Bücherei, darum scheinen sie auch nirgends auf.“

Zum Ankauf von Büchern gebe es ein fixes Budget der Gemeinde. Die Einnahmen der Bücherei werden, sagt die Bildungsstadträtin, projektbezogen genutzt. Fortbildungen oder Seminare für Mitarbeiter werden so finanziert, ebenso wie das „Telebooking“ – also die Telefonbuchzellen – oder das gut gehende Büchereifrühstück.

Bauer will Stadtbücherei unterstützen

„Er soll sich die Bücherei mal von innen anschauen, damit er weiß, wie es dort läuft. Ich bin nicht bereit, mich und die anderen Mitarbeiter schlechtmachen zu lassen“, mutmaßt Schütten-gruber-Holly, dass Bauer noch nie ein Buch gelesen habe. Sie engagiere sich seit über 20 Jahren ehrenamtlich und habe die Bücherei vor dem Zusperren bewahrt. „Das soll er mir einmal nachmachen!“

„Ich bin sicher nicht gegen die Bibliothek oder gegen die Ehrenamtlichen“, entgegnet Bauer. Dass Schüttengruber-Holly die Verantwortung abstreite, störe ihn. Die Stadtbücherei will er sogar unterstützen. „Sie tut mir ja schon fast leid“, meint er zur Stadträtin, „weil sie mich an ein Lawinenopfer erinnert, das nach unten gräbt“. Aber: „Da die Lawine aus Lügen besteht, kann ich am Ende doch kein Mitleid haben.“