Erstellt am 08. Juni 2016, 04:50

von Christoph Reiterer

Passus für Badebekleidung. „Badeordnungsgipfel“ von Polit-Runde einigte sich darauf, wasserabweisende Stoffe in den Hygienebestimmungen niederzuschreiben. Ein Burkini-Verbot wird es nicht geben.

Die Hygienebestimmungen der Hollabrunner Badeordnung werden erweitert: Das Schwimmen ist nur in badeüblicher, sauberer Badebekleidung, die aus Elastan, Polyester oder ähnlichen wasserabweisenden Stoffen besteht, gestattet. Foto: zVg  |  NOEN, zVg/Hannes Maurer

Vertreter aller politischen Fraktionen, Betriebsleiter Helmut Schneider sowie Nadire Mustafi vom Hollabrunner „Verein albanischer Muslime“ waren auf Einladung von VP-Bürgermeister Erwin Bernreiter gekommen, um über die künftige Badeordnung im Stadtbad zu diskutieren.

FPÖ-Gemeinderat Christian Lausch hatte diesen „Badeordnungsgipfel“ mit seiner Forderung nach einem Verbot von Burkinis (zweiteiliger Schwimmanzug für muslimische Frauen) ausgelöst.

Schneider sprach über die Entscheidung umliegender Städte, wo sich etwa 50 Prozent gegen Ganzkörper-Schwimmbekleidung im Freibad ausgesprochen hätten. Ein solches Verbot sei in der Praxis jedoch nicht durchzusetzen, denn wenn weder hygienische noch sicherheitsrelevante Gründe gegen Burkinis sprechen, würde ein Verbot gegen das Gleichbehandlungsgesetz verstoßen.

„Burkinis bestehen eben aus
denselben Materialien wie
handelsübliche Badeanzüge
oder Badehosen auch.“
Helmut Schneider,
Betriebsleiter des Stadtbades


Schließlich einigte man sich darauf, die Badeordnung im Hollabrunner Freibad nur dahingehend zu ergänzen, indem bei den Hygienebestimmungen der Passus eingefügt wird, dass das Schwimmen nur in badeüblicher, sauberer Badebekleidung, die aus Elastan, Polyester oder ähnlichen wasserabweisenden Stoffen besteht, gestattet ist.

Im Übrigen habe es im Hollabrunner Freibad noch nie diesbezügliche „Herausforderungen“ gegeben, so Schneider. „Die Bademeister konzentrieren sich vornehmlich auf die Sicherheit im Bad und die stets hervorragende Wasserqualität, um eine perfekte Freizeitanlage zu bieten.“

Christian Lausch zeigte sich zufrieden mit der Gesprächsrunde, an der auch Daniela Lichtenecker (Liste Scharinger), Elke Stifter (SPÖ) und Denis Thompson (Grüne) teilnahmen. Es sei in Ordnung, „richtige Burkinis“ nicht zu verbieten. Weite Kleidung sei jedoch unhygienisch „bis zum Gehtnichtmehr“ und gehöre vom Schwimmbecken verbannt. Man dürfe sich diesem Thema nicht verschließen und es sei wichtig, sich darüber Gedanken zu machen.

Eine Abstimmung unter den Freibad-Besuchern, wie sie vom fürs Bad zuständigen Stadtrat Wolfgang Scharinger im Vorfeld angeregt worden war, sei nicht zur Sprache gekommen. Scharinger konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht an dem Treffen teilnehmen.


Waren Sie ... von der Burkini- Debatte überrascht?

x  |  NOEN, ATV
Nadire Mustafi vom Verein albanischer Muslime in Hollabrunn.

NÖN: Sie waren eingeladen, um über ein mögliches Burkini-Verbot im Freibad mitzudiskutieren. Wie haben Sie die Runde erlebt?
Mustafi: Ich schätze es, dass man hier der muslimischen Community eine Stimme gegeben hat und nicht nur politisch agiert. Ich freue mich, dass wir beim Bürgermeister Gehör finden und hier auf sachlicher Ebene agiert wird.

Die FPÖ hat sich eine neue Bestimmung gewünscht, wie sie in Wiener Neustadt gilt …
Das ist etwas, das mich stört. Dafür, dass Probleme von außen nach Hollabrunn importiert werden, fehlt mir das Verständnis.

Gemeinderat Lausch hat im Gespräch betont, dass es ihm um weite Kleidung geht. Was sagen Sie dazu?
Das war der Moment, in dem ich nicht mehr gewusst habe, worum es jetzt eigentlich geht. Wir wollen auch nicht, dass die Leute mit Kleidung ins Wasser gehen. Im Antrag der Partei stand schwarz auf weiß, dass es um ein Burkini-Verbot geht. Da hat mir dann die Aufrichtigkeit gefehlt, zu sagen: Ja, das haben wir gewollt.