Erstellt am 09. März 2016, 05:44

von Christoph Reiterer und Sandra Frank

Stadt tüftelt an dritter Hortgruppe. Hollabrunner VP kommt mit Bekenntnis zur Kinderbetreuung weiteren Protesten zuvor. Container-Lösung im Sinn.

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„Für die angebliche Schulstadt Hollabrunn ein Armutszeugnis“, empörte sich mit etwas Verspätung auch die SPÖ-Schulsprecherin im Landtag, Ilona Tröls-Holzweber über die Haltung der ÖVP Hollabrunn zur Nachmittagsbetreuung von Schulkindern (

und Link ganz unten).

Bürgermeister Erwin Bernreiter hatte erklärt, dass es nicht allein Aufgabe der Gemeinde sein könne, „für alle Interessenten entsprechende Unterbringungsplätze zu schaffen“. Das soll nun aber doch klappen.

Zwei Objekte wurden bereits begutachtet

Nach dem Ausscheiden von Karl-Heinz Jirsa aus der Stadtregierung soll die bisherige Bildungsgemeinderätin und VP-Frauenchefin Elisabeth Schüttengruber-Holly bei der Gemeinderatssitzung nächste Woche zur Stadträtin für Kultur und Bildung gewählt werden. Neue Bildungsgemeinderätin wird Doris Graf.

Wieselfelds Ortsvorsteher Josef Zeillner zieht neu in den Gemeinderat ein. Doris Graf erbt in ihrer neuen Funktion prompt die Aufgabe, eine dritte Hortgruppe in Hollabrunn zu etablieren und somit die von besorgten Eltern längst aufgezeigte Problematik der Kinderbetreuung zu lösen.

Die große Frage lautet nun: Wohin nur mit dieser dritten Hortgruppe? Zwei Objekte seien bereits begutachtet worden, bestätigt VP-Finanzstadtrat Kornelius Schneider. Doch es scheiterte an den strengen baulichen Auflagen. Deshalb müsse man weiterhin intensiv prüfen, wo und wie eine Lösung zu realisieren sei.

Übergangslösung bis zum Bildungscampus?

Es sieht jedenfalls nach einer Übergangslösung aus. Weil im geplanten Schulcampus am Messegelände ohnehin ein fünfgruppiger Hort vorgesehen ist, will sich die Gemeinde keinen teuren Zubau leisten. Schneider kann sich deshalb einen Hort-Container zur Überbrückung vorstellen, der in der Nähe der Schulen platziert werden soll.

„Die Bemühungen gehen in diese Richtung“, so der Finanzstadtrat, der zu den Kosten noch keine Prognose abgeben will. Ob der oder die Container gemietet oder angekauft werden sollen, stehe ebenfalls nicht fest. Zur Finanzierung wird jedenfalls ein Nachtragsvoranschlag nötig.

Betroffene Eltern jubelten jedenfalls über die Nachricht, dass es „nach monatelangem Ringen eine weitere Hortgruppe geben soll, was alle mit großer Ungewissheit belastete Familien jetzt aufatmen lässt“, wie der dreifache Vater Martin Mayer schreibt. „Einige von uns wären durchaus bereit gewesen, mit der Hilfe des Nationalratsabgeordneten Christian Lausch alle demokratischen Möglichkeiten auszuschöpfen.“

Der angesprochene FPÖ-Mandatar Lausch begrüßt den „Sinneswandel des Bürgermeisters“, gibt sich aber noch nicht euphorisch: „Ankündigung und die Umsetzung sind ja zwei Paar Schuhe.“ Zum Thema Kinderbetreuung sei jedenfalls schon einiges in Planung gewesen.

„Das ist sicher kein politisches Kleingeld“

Mit der Unterstützung von 50 Bürgern im Rücken standen ein Bürgerstammtisch und eine Unterschriftensammlung im Raum.

„Das ist sicher kein politisches Kleingeld. Da dürfte etwas durchgedrungen sein“, vermutet Lausch, dass die ÖVP noch stärkere Kritik vermeiden wollte. „Ich hoffe auf eine rasche Umsetzung der Ankündigung. Hollabrunn sollte die Familienfreundlichkeit, von der sie immer spricht, auch leben.“

Die ÖVP erinnert indes daran, dass die Stadtgemeinde Hollabrunn die Hort- und Kleinkindbetreuung mit 350 Euro pro Kind und Monat unterstützt und zeigt sich zuversichtlich, bis Schulbeginn einen geeigneten Platz gefunden und adaptiert zu haben.

Dennoch beharrt der Bürgermeister mit seiner Partei auf der Kernaussage, dass die Gemeinde nicht für alle Anliegen von Einzelnen, die teilweise auch im privaten Bereich liegen, zuständig gemacht werden kann – „auch wenn damit vielleicht politisches Kleingeld gemacht wird“. Zukünftig solle in allen Belangen das politische Profil der ÖVP Hollabrunn geschärft werden.



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