Erstellt am 02. Dezember 2015, 05:28

von Sandra Frank

FPÖ-Spaltung wird zur Schlammschlacht. „Lokomotive Wolfgang“ führt Abtrünnige an und teilt kräftig gegen FPÖ-Bezirksobmann Christian Lausch aus.

Die »Liste Scharinger«. Sascha Bauer, Michael Bischof, Wolfgang Scharinger und Daniela Lichtenecker (v.l.) wollen miteinander für Hollabrunn arbeiten. Nur nicht mit FPÖ'ler Christian Lausch. Foto: Sandra Frank  |  NOEN, Sandra Frank

Es gibt sie, die Liste Scharinger rund um Stadtrat Wolfgang Scharinger. Ihm zur Seite stehen die Gemeinderäte Sascha Bauer, Michael Bischof und Daniela Lichtenecker. Alle vier wollen keine Freiheitlichen mehr sein, aber für die Gemeinde arbeiten.

„Unser Austritt ist ein klares Bekenntnis zu Hollabrunn und nicht zu irgendwelchen Ämtern im Land“, sagt Bauer. Er ist überzeugt, auf kommunaler Ebene keine Partei hinter sich zu brauchen.

Lausch: Lange Liste an Vorwürfen

Die „Liste Scharinger – Miteinander für Hollabrunn“, wie die Bürgerliste genau heißen wird, will für Hollabrunn arbeiten, und zwar unbeugsam, unbestechlich und unabhängig. „Wolfgang ist die Gemeindepolitik in Hollabrunn. Mit so einer Lokomotive musst du durchstarten“, erklärt Bauer den Namen der Liste.

Warum die vier nicht mehr zu den Blauen gehören wollen? „Da Christian Lausch von der Landespartei weiterhin gestützt wird, ist die FPÖ nicht mehr die richtige Partei für uns“, sagt Lichtenecker. Der Bruch mit dem Nationalrat zeichnete sich bereits seit einem Jahr ab. Öffentlich wurde er Ende Oktober.

Die Liste an Vorwürfen gegen Lausch ist sehr lang: Im Wahlkampf wollte Scharinger ausschließlich Werbemittel verteilen, die in Hollabrunn erzeugt wurden. Lausch habe sich nicht daran gehalten. Auch nach der Wahl brachen die Unstimmigkeiten nicht ab und gipfelten in der „Hunde-Geschichte“.

„Ich störe wohl bei der Kuschelpolitik“

Zur Erinnerung: Lichtenecker zeigte Lausch bei der Polizei an, weil seine beiden Hunde spätnachts öfter gebellt hätten. „Er sagt immer, es sind die Hunde seiner Lebensgefährtin. Aber er hat sie erst nachträglich auf sie angemeldet. Das können Sie mir glauben“, ist Scharinger sicher.

Nach dieser Streiterei wurde die Landespartei aktiv, Scharinger wurde die Zustellungsbevollmächtigung in Hollabrunn entzogen. Damit war der Parteiaustritt für ihn besiegelt.

Doch es geht weiter: „Ich habe ihn heute bei der Gemeinde angezeigt“, verriet Scharinger bei der Pressekonferenz am vergangenen Mittwoch. Grund für die Anzeige: Lausch lebe in einer Wohnung, die von seiner Mutter gemietet wurde. Es handle sich um eine Scheinanmeldung.

Scharinger spricht von „leistbarem Wohnen“, jemand mit einem Nationalratsgehalt dürfe dort nicht wohnen. „Der Nationalrat ist der größte Schmarotzer. Vielleicht hätte schon ein anderer, der weniger verdient, die Wohnung gebraucht.“

„Aha. Liste Scharinger. Süß. Zuckersüß. Aber besser wäre: Die Anzeigenpartei. Oder ÖVP zwei“, so Lauschs erste Reaktion zur neuen Liste seiner ehemaligen Parteikollegen. Warum er so scharf kritisiert wird, könne er sich nicht erklären.

„Ich störe wohl bei der Kuschelpolitik“, wirft Lausch vor allem Scharinger vor, seine ÖVP-kritische Linie verlassen zu haben. „Bei diesen unappetitlichen Vorgängen sieht der Blindeste das Naheverhältnis zur regierenden ÖVP.“

„Es ist eine tiefe private Spaltung“

Vor allem die datenschutzrechtlichen Zugänge, die Scharinger offenbar gewährt werden, seien erschreckend. „Die Wohnung kostet mich knapp 730 Euro im Monat. Es gibt keine Förderungen, weder für mich noch für meine Mutter“, stellt Lausch klar.

„Wenn man schon jemanden mit Dreck bewirft, dann sollte man bei der Wahrheit bleiben“, ärgert sich der Parlamentarier über die Behauptungen seines ehemaligen Parteikollegen.

Auch, dass er die Hunde nachträglich auf seine Lebensgefährtin angemeldet habe, stimme nicht. „Man wirft mir keine politischen Verfehlungen vor. Es ist eine tiefe private Spaltung.“ Lausch habe seine Art, Politik zu machen, nicht geändert, seit er 2008 in den Nationalrat einzog. Die internen Probleme seien erst 2014 aufgetreten.

Dass Scharinger seine Linie geändert habe, hänge nicht damit zusammen, dass seine Tochter eine Beziehung mit dem Bruder des Bürgermeisters habe, betont der Stadtrat. „Du kannst nicht gegen die ÖVP regieren, die haben die Mehrheit.“ Man könne nur etwas erreichen, wenn man sich mit der ÖVP arrangiere. „Der Gössl hat nur geschrien und hat drei Mandate verloren“, führt Scharinger die SPÖ-Verluste als Argument an.

„Dann hat er die letzten 25 Jahre eine komplett falsche Politik gemacht?“, fragt sich Lausch. „Wolfgang war immer stolz darauf, dass er in seinen Ressorts etwas weitergebracht hat – trotz einer kritischen Linie gegenüber der ÖVP“, erinnert sich der FPÖ-Bezirkschef.


Zitiert:

„Er steht immer da wie ein Opferlamm. Er soll sich in die Kirche stellen, vielleicht hauen sie ihm was rein.“
Wolfgang Scharinger über Christian Lausch.

„Was soll ich denn machen? Ich reagiere ja nur.“
Lausch über die „Opferrolle“, die ihm nachgesagt wird.

„Ich habe noch einen letzten Rat für ihn: Wir haben im Hollabrunner Spital eine super Abteilung ... ich glaub‘, die können ihm helfen.“
Wolfgang Scharinger

„Na, dann muss er diese Einrichtung ja gut kennen. Aber im Ernst: Er sollte sich nicht darüber lustig machen. Das haben die Leute nicht verdient, die diese Einrichtung wirklich brauchen. Das ist geschmacklos.“
Lausch kann über den letzten Rat seines ehemaligen Parteikollegen nur den Kopf schütteln.