Erstellt am 21. Oktober 2015, 05:42

von Ulrike Grünauer und Christoph Reiterer

Schulen planen Flüchtlingsklasse. Experten informierten im Stadtsaal zur Asylpolitik. Hollabrunner HAK, HTL und HLW wollen Schulversuch starten.

Organisatoren, Diskutanten, Betroffene, Helfende, Musiker: Cäcilia Kaltenböck (stehend, 5.v.l.) und Josef Widl (l.) fragten im Stadtsaal, ob Flüchtlinge willkommen sind und freuten sich über die Resonanz. Foto: ESP  |  NOEN, ESP

Um die Bevölkerung zu informieren, offene Fragen zu klären und die Angst vor dem Fremden zu nehmen, lud der Hollabrunner Arbeitskreis für Integrationsbemühungen zu einem Vortragsabend mit Podiumsdiskussion in den Stadtsaal.

HLW-Direktor Leopold Mayer ließ dort mit der Nachricht aufhorchen, dass es ab November eine Flüchtlingsklasse in Hollabrunn geben soll.

Flüchtlingskoordinatorin informierte

Im Studentenheim nimmt die Gemeinde, wie berichtet, bis zu 21 jugendliche Flüchtlinge auf. Dass das Thema bewegt, zeigten die vollen Plätze. Bevor es die Möglichkeit gab, Fragen zu stellen, präsentierten Experten Wissenswertes zur Flüchtlingsproblematik.

So informierte Doris Schulz (NÖ Landesregierung, Flüchtlingskoordination) über die Lage der Grundversorgung von Asylwerbern und Murat Düzel (Integrationsservice der NÖ Landesakademie) gab Einblicke, wo die Herausforderungen einer funktionierenden Integration liegen und wie sie in Zukunft besser gelingen könnte.

„Das Gemeinsame vor das Trennende“

„Wir sollen nicht das Trennende suchen, sondern das Gemeinsame“, appellierte er ans Publikum. Die Offenheit müsse von beiden Seiten kommen und man solle sich nicht vor dem Fremden fürchten, denn „Angst ist ein schlechter Ratgeber“.

An diesem Abend wurde auch denen Platz gemacht, die selbst die Erfahrung einer Flucht machen mussten. Der Arzt Hung Nguyen war als Kind gezwungen, sein Heimatland Vietnam zu verlassen; der 28-jährige Architekt Hussan Al Mi Falani aus Syrien ist froh, dass er in Österreich nun in Frieden leben kann.

Der junge Mann, der seit Kurzem mit seiner Frau in einer kleinen Wohnung in Hollabrunn lebt, schilderte mit bewegenden Bildern die aktuelle Lage in vom IS-Krieg gebeutelten Syrien.

Dzeneta Kamili vom Verein Albanischer Moslems drückte ihre Gedanken und Gefühle zum Flüchtlingsthema in einem ergreifenden Gedicht aus, welches Edukim Ljatifi auch auf Albanisch vortrug.

Direktor: Übergangsklasse in Planung

Die Beteiligung der Hollabrunner Bevölkerung bei der anschließenden Podiumsdiskussion hielt sich in Grenzen, aber eine kritische Frage sorgte für Aufsehen:„Wie sollen die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingsburschen im Studentenheim eigentlich den ganzen Tag beschäftigt werden?“

Dazu verlautbarte HLW-Direktor Leopold Mayer, dass gemeinsam mit HAK und HTL eine Art Übergangsklasse in Planung wäre. Dort sollen die Jungen auf Englisch in diversen Fächern unterrichtet werden. Auch praxisorientiert. Für diesen Vorschlag erntete er tosenden Applaus. Neben Deutsch sollen kaufmännische, technische und gastronomische Schwerpunkte gesetzt werden.



Mayer hatte jedenfalls im Vorfeld mit HTL-Direktor Wolfgang Bodei und HAK-Direktorin Andrea Filz beratschlagt, in welcher Form man hier aktiv werden könnte.

Weil HAK-Landesinspektorin Brigitte Schuckert als schnellste auf den Zug aufsprang und die HAK Hollabrunn auch die nötigen räumlichen Kapazitäten hat, hat Direktorin Filz den Schulversuch beantragt. Die nötigen Lehrkräfte kommen aus allen drei Schulen.

Mayer durfte sich dann sogar über einen persönlichen Anruf von Sektionschef Christian Dorninger aus dem Unterrichtsministerium freuen. Es sehe also gut aus, dass das Projekt zustande kommt. Mitte November soll gestartet werden. „Wirklich fix ist aber alles erst, wenn die finanzielle Bedeckung geklärt ist“, betont Mayer.

Zurück in den Stadtsaal: Bei kleinen österreichischen und exotischen Häppchen, zubereitet von Schülern der HLW, konnte noch jeder die Chance nützen, das direkte Gespräch mit den Experten des Abends zu suchen.

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