Erstellt am 16. Mai 2017, 11:57

von Christoph Reiterer

Andy Lee Lang: „Revue, die sich abhebt“. Dass er authentisch ist, sieht Andy Lee Lang als Geheimnis seines Erfolges. Am 29. Mai gastiert die Musik-Ikone mit der Elvis Presley Story in Hollabrunn.

Andy Lee Lang  |  NÖN.at, Manfred Baumann

Im Jahr 1985 gründete er seine erste Band, 2006 gönnte er sich eine Auszeit. Längst ist Andy Lee Lang wieder dick im Geschäft und verspricht Hollabrunn eine großartige Show, für die noch Schnellentschlossene noch Tickets buchen können. Die NÖN traf den „Rock ‘n’ Roll-Botschafter“ in seiner Heimatstadt Wien.

NÖN: Was werden Sie dem Publikum am 29. Mai mit der Elvis Presley Story bieten?
Andy Lee Lang: Es ist eine Revue, die ich 2002 auf die Beine gestellt habe; die sich abhebt, weil es keinen Elvis-Imitator auf der Bühne gibt, aber fast 40 seiner größten Hits und Clips, die eingespielt werden. Ich hatte das Vergnügen, mit Elvis-Musikern zu arbeiten, habe auch mit Priscilla gesprochen. Es ist die Geschichte über das spannende, teilweise traurige Leben von Elvis. Sehr variantenreich. Fad wird‘s nicht (lacht).

Haben Sie eigentlich persönlichen Bezug zum Weinviertel?
Nicht viel, außer, dass ich viel zu selten dort zu sehen bin. Ich habe allerdings zwischen 1995 und 2000 zweimal im Hollabrunner Stadtsaal gespielt. Das lag daran, dass Sebastian Grimus aus Hollabrunn ein Mitglied der Band war. Außerdem bin ich immer wieder Gast im Marchfelderhof und mein Vater war Radrennfahrer in Gänserndorf.

Sie haben Ehrenzeichen des Landes Wien, der Republik und auch von Niederösterreich …
Ich war immer ein sehr guter Arbeitgeber für niederösterreichische Musiker. Das war immer ein gutes Pflaster. Ich würde sagen, zwei Drittel meiner Bandmitglieder habe ich in Niederösterreich gefunden.

Was bedeuten solche Ehrungen für Sie?
Davor hatte ich schon 40 internationale Auszeichnungen. Da ist man schon traurig und denkt sich, dass der Prophet im eigenen Land nichts zählt. Aber es ist jedenfalls eine Würdigung der Arbeit. Unser Job ist es, die Menschen glücklich zu machen und ich glaube, dass wir das auch sehr gut können.

Wie schafft man es, so lange erfolgreich zu sein?
Ich bin mit zehn verschiedenen Produktionen auf Tour. Diese lange Karriere wäre nicht möglich, wenn ich mich nicht immer wieder neu erfunden hätte.

Wie reagieren die Leute, wenn sie Sie auf der Straße sehen?
Ich werde erkannt, sehr oft auch angesprochen. Da weiß man, dass man etwas richtig gemacht hat. Es hat aber eben auch seine Schattenseiten.

Sie sprechen Ihr Burnout an?
Ich habe in der Zeit sehr viel gelernt. Rückblickend war es das Beste, was mir passieren konnte. Ich habe mein Umfeld geändert und mache jetzt das, was mir Spaß macht und habe dicke Strich im Kalender: Das sind die Zeiten, die mir gehören. Die Musik ist ja mein Leben, meine Berufung. Zu den vielen Auftritten kommt aber der Druck der Öffentlichkeiten. Ich bin nie privat. Es gibt wunderschöne Momente, belastet aber auch die Psyche. Jeder Künstler sucht dann eine Flucht. Ich flüchte ins hinterste Afrika.

Welchen Künstler bewundern Sie?
Michael Bublé. Ich habe ihn als Noname gesehen, zwei Jahre später ist er kometenhaft aufgestiegen. Was der abliefert, das ist Las Vegas pur. Beeindruckend. Wenn ich zu Leuten aufsehe, dann deshalb, weil sie vielseitig sind. Und das ist für mich auch die Faszination an Elvis – seine Weiterentwicklung und Vielseitigkeit. Ich sehe ihn nicht als Rock ‘n‘ Roller, sondern als Entertainer.

Andy Lee Lang  |  NÖN.at, Manfred Baumann

Was würden Sie heute jungen Menschen raten, die sich musikalisch verwirklichen und ebenfalls Karriere machen wollen?
Das werde ich oft gefragt. Ich hatte es auch nicht leicht – aber heute ist es wirklich schwer. Das Musikland Österreich ist vor Jahren von einem gewissen Bogdan Roscic zerstört worden. Wir gewinnen den Songcontest und man ist ein Jahr lang nicht in der Lage, ein neues Album herauszubringen. Damit ist eine Jahrhundertchance vertan worden. Da hat das Management versagt. Ich kann den Jungen nur raten: Geht in Klubs, performt. Zur Qualität benötigt man dann auch Glück. Davon leben zu können, wird schwer.

Was trägt das Internet zu dieser Entwicklung bei?
Heute kann man alles downloaden und streamen. Frag mal einen Musiker, was er davon hält. Ich weiß noch genau, was die erste Single war, die ich mir gekauft habe. Ob der Junge heute noch seinen ersten Download weiß? Das ist schade, weil die Musik die Jugend prägt.

Welche war Ihre erste Single?
Patrick Hernandez, Born to Be Alive.

Heutzutage kommt man auch an Facebook nicht vorbei. Wie stehen Sie dazu?
Ich war ein spätberufener Facebooker und finde es als Tool und für Last-Minute-Werbung nicht schlecht. Ich übertreibe es aber nicht und nutze es möglichst balanciert, ohne jemandem wehzutun.

Würden Sie sich als politischen Menschen bezeichnen?
Ich bin‘s immer mehr geworden, weil es derzeit in eine völlig falsche Richtung geht. Ich bin ein Mensch der Mitte und mag beide Randerscheinungen gar nicht. Der Hickhack links gegen rechts ist belastend.

Aktuell läuft Dancing Stars. Sie waren 2009 selbst dabei. Ihr Siegertipp?
Ich war damals zum Glück nicht lange dabei. Ich würde lachen, wenn es Otto Retzer wird. Aber das werden die Juroren nicht zulassen. Ich würde den wählen, der mich am meisten unterhält.

Gibt‘s schon Pläne fürs nächste Jahr?
Nächstes Jahr steht wieder ein Musical am Programm. Es ist eine Fortsetzung des Wonderboys-Themas. Die Drehbuchautoren schreiben gerade dran.

Spüren Sie vor ihren Auftritten so etwas wie Lampenfieber?
Lampenfieber hatte ich nie, es ist eher die gesunde Ehrfurcht, das Adrenalin, das du brauchst, um auf die Bühne zu gehen, und eine Anspannung bei Premieren, weil du nicht weißt: Wie reagiert das Publikum auf das Projekt, für das du ein halbes Jahr gearbeitet hast.