Hollabrunn , Sitzendorf an der Schmida

Erstellt am 23. September 2016, 10:42

von NÖN Redaktion

Arbeitsmarkt-Experten blicken über Tellerrand. Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt dies- und jenseits der nördlichen Staatsgrenze? Direktor Emil Copf und seine Stellvertreterin Jitka Svobodova vom Arbeitsamt in Znaim sowie der Landesdirektor der südmährischen Arbeitsämter, Josef Burger, kamen zum jährlichen grenzüberschreitenden Erfahrungsaustausch unter Arbeitsmarktexperten nach Hollabrunn.

Peter Kirchner, Dagmar Mühlbauer-Zimmerl, Josef Burger, Jitka Svobodava, Marianne Bauer, Emil Copf und Josef Mukstadt (v.l.) beim grenzüberschreitenden Arbeitsmarkttreffen in Hollabrunn. Foto: AMS    |  AMS

Auch Marianne Bauer, Geschäftsstellenleiterin des AMS in Mistelbach, nahm daran teil. Abteilungsleiterin Dagmar Mühlbauer-Zimmerl und Geschäftsstellenleiter Josef Mukstadt waren die Gastgeber im AMS Hollabrunn.

Die Tschechische Republik hat mit 4,2 Prozent die zweitniedrigste Arbeitslosenquote innerhalb der EU (Stand: Juli 2016). Österreich liegt mit 6,0 Prozent auf Platz sieben. 1,5 Prozent aller Beschäftigten und 0,5 Prozent aller Arbeitslosen im Bezirk Hollabrunn sind aus Tschechien.

Gleichen Verdrängungsprozesse in Hollabrunn und Znaim

Praktisch kaum Unterschiede gebe es in der Arbeitsmarktentwicklung beiderseits der Grenze, so Mukstadt. „Ein hoher Anteil des Primärsektors, kleinere und mittlere Betriebe im Bau- und Baunebengewerbe, viele Jobs im Handel- und Dienstleistungsbereich sowie saisonaler Tourismus und Gastgewerbebetriebe bilden die Eckpfeiler der Beschäftigung.“

Überschaubar seien Produktionsbetriebe im Metall-, Holz- und Kunststoffbereich. Die Arbeitslosigkeit sei in Znaim und Hollabrunn von gleichen Verdrängungsprozessen gekennzeichnet.

Die ältere Generation leide besonders unter zunehmender Ausgrenzung, ebenso wie Hilfskräfte ohne Ausbildung sowie Menschen mit Behinderung, gesundheitlichen Einschränkungen oder begrenzter Mobilität. Mehr als ein Fünftel aller Arbeitslosen sei länger als ein Jahr auf Jobsuche.

Barrieren-Abbau in sozialintegrativen Unternehmen

„Der Weg zurück ins Erwerbsleben ist nach längerer Arbeitslosigkeit meist nur durch intensive Betreuung und Unterstützung möglich“, weiß Mukstadt. Barrieren werden etwa in sozialintegrativen Unternehmen abgebaut. Nach individueller Vorlaufzeit und einem halben Jahr in einem so genannten Beschäftigungsprojekt gelinge rund der Hälfte aller Transitarbeitskräfte der Wechsel in den ersten Arbeitsmarkt.

Als gutes Beispiel im Bezirk Hollabrunn gilt seit mehr als zwei Jahrzehnten das gemeinnützige Beschäftigungsprojekt „Landschaftspflege Schmidatal“. Sitzendorf war deshalb Ziel einer Exkursion, um sich bei Projektleiter Peter Reiss-Eichinger über die praktische Umsetzung längerer Integrationswege zu informieren. „In Tschechien gibt es wie auch in Österreich geförderte Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose in Gemeinden“, informiert Mukstadt.

Die Zusammenarbeit zwischen Hollabrunn und Znaim beruht auf langjährigen Kontakten. Arbeitsbestätigungen für Grenzgänger zählen in Hollabrunn zum Routinegeschäft. Der kontinuierliche Austausch und gegenseitiges Vertrauen seien ein gutes Fundament, um die Herausforderungen eines gemeinsamen Arbeitsmarktes zu bewältigen.