Erstellt am 20. April 2016, 03:44

von Franz Enzmann und Sandra Frank

Idyllische Landschaft versus klare Fakten. Es gibt Argumente dafür und dagegen. Beide Seiten wurden bei der UVP-Verhandlung akribisch analysiert.

Martin Gartler, Arno Klien, Johannes Schmoll, Andreas Kornherr, Werner Brinek, Christian Hartmann und Edi Himmelbauer traten bei den UVP-Verhandlungen im Gemeindesaal Wullersdorf gegen das geplante Windparkprojekt auf. Fotos: Franz Enzmann  |  NOEN, Franz Enzmann

Er ist ein Projekt, das in den vergangenen zehn Jahren immer wieder Staub aufgewirbelt hat: der geplante Windpark in Wullersdorf. Wie die NÖN berichtete, formierten sich die Gegner erneut, als die UVP-Verhandlungen angekündigt wurden. Diese gingen nun vergangene Woche im Wullersdorfer Gemeindeamt über die Bühne.

Im UVP-Verfahren zählen Fakten, nicht Emotionen

Die Unterlagen, welche die Projektwerber vorlegten, wurden von der Bürgerinitiative für unberührte Landschaft im Wullersdorfer Land und Pulkautal (BI) akribisch untersucht. Bürgermeister Richard Hogl blieb den Verhandlungen fern, was zu sagen ist, sei längst gesagt worden. „Es handelt sich nicht um eine Diskussionsveranstaltung“, befürchtete er, dass die Gegner die Absicht der Verhandlungen verkennen würden.

Die Gegner des geplanten Windparks erschienen trotzdem, um ihren Bedenken Ausdruck zu verleihen. Das wichtigste Argument: die Zerstörung der einzigartigen Landschaft zwischen dem Pulkautal und dem Wullersdorfer Becken. Die Bürgermeister Herbert Goldinger (Mailberg) und Christian Hartmann (Alberndorf) hielten flammende Reden über die Unberührtheit und Schönheit der Landschaft. Auch, dass die aufkeimende Entwicklung des Tourismus massiv bedroht werde, hatten sie thematisiert.

Doch nicht nur die Unterlagen der Windparkbetreiber wurden unter die Lupe genommen, auch die Kritikpunkte der BI wurden überprüft. Denn im UVP-Verfahren zählen Fakten und nicht emotionale Wahrnehmungen. „Der Landschaftscharakter zeichnet sich weder durch landschaftsräumliche Besonderheiten noch durch unverwechselbare Einzigartigkeit aus“, sagte Gutachter Herbert Schedlmayer.

Der Erholungswert der Landschaft sei vergleichsweise gering. Auch dass die BI-Vertreter von „Windparks“ in Aspersdorf, Hollabrunn und Retz sprachen, widerlegte der Experte. Hier handle es sich um Einzelanlagen, die weiter als zehn Kilometer vom geplanten Standort entfernt seien.

Prominente Mitstreiter geben Schützenhilfe

Einer, der ebenfalls an den Verhandlungen teilnahm, war Arno Klien, Obmann der Freunde des Hollabrunner Waldes. „Die UVP vom Wullersdorfer Windpark war recht interessant“, berichtet Klien. „Zwei Waldstandorte und drei Waldrandstandorte wurden als ein No-Go protokolliert“, erzählt er Positives.

Für ihn und seine Mitstreiter ist eines ganz klar: „Das weitgehend naturbelassene zentrale Weinviertel darf nicht nachhaltig, unbefristet, unwiderruflich, irreparabel, negativ zur exportorientierten Industriezone werden. Und das auf unsere Kosten!“

Verhandlungsleiter Johann Lang vom Land NÖ erklärt, wie es jetzt weitergeht: „Sämtliche Ermittlungsergebnisse im UVP-Verfahren müssen rechtlich gewährt werden und am Ende steht die Antwort, welche nächste Schritte im Verfahren gemacht werden.“ Einen Zeitplan bis zur Erstellung eines Bescheides konnte der Jurist nicht bekannt geben. Als Grund nannte er die Fülle von behördlichen Verfahren in Niederösterreich.

Übrigens: Schützenhilfe erhält die Bürgerinitiative von prominenten Mitstreitern. Etwa von Polt-Darsteller Erwin Steinhauer („In Küstengegenden finde ich diese Windräder passend, aber nicht im Pulkautal.“) und Polt-Autor Alfred Komarek, der von einer Vernichtung von 50 Jahren schwieriger Aufbauarbeit im Freizeit-Tourismus spricht: „Diese Leistungen werden mit einem Federstrich zunichtegemacht.“ Der Autor erhofft sich Hilfe von Landeshauptmann Erwin Pröll.