Erstellt am 18. Februar 2014, 08:23

von Christoph Reiterer und Karin Widhalm

„In Wahrheit reden wir über ungelegte Eier“. HARDEGG | Die Bundesforste wartet auf den Landesentscheid. Nusser nimmt zu den Protesten und anderen Fragen Stellung.

Redaktionsleiter Christoph Reiterer im Gespräch mit Pressesprecherin Pia Buchner und Robert Nusser, Österreichische Bundesforste.  |  NOEN, Karin Widhalm
Von C. Reiterer und K. Widhalm

Die Österreichischen Bundesforste haben in ihrem ursprünglichen Plan 26 Windenergieanlagen in dem Wirtschaftswald der Gemeinden Hardegg, Langau und Weitersfeld vorgesehen. Die Proteste werden immer lauter. Robert Nusser, der für den Bereich „Erneuerbare Energie“ der Bundesforste zuständig ist, nimmt die Bewegung ernst. Auch jene, die aus dem tschechischen Nachbarland kommt.

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„Wir nehmen alle Bedenken ernst. Ich glaube wirklich, dass bei den Bürgern die Angst da ist, dass sich für sie etwas verschlechtert. Dass jemand dagegen sein kann, ist ein Grundprinzip“, sagt er.
Der studierte Forstwirt kann momentan nicht sagen, ob und in welchem Umfang das Projekt „Windpark Nord“ zur Umsetzung kommt: „In Wahrheit reden wir über ungelegte Eier.“ Die Bundesforste müssen abwarten, ob das Land NÖ an seiner Entscheidung festhält und die Eignungszone zur Errichtung von Windrädern erhalten bleibt. Denn: „Solange das Land nicht die Fakten auf den Tisch legt, sitzen wir zwischen den Stühlen.“
Nusser sieht einen Vorteil darin, dass der Wald infrastrukturell gut erschlossen ist. „Dass wir als Bundesforste auf unserem eigenen Grund das Projekt aufziehen, ist schon ein gewaltiger Unterschied zu anderen Projekten. Wir sind erledigt, wenn etwas passiert.“

„Wir machen‘s uns wirklich nicht leicht“

Das Projekt ist das erste, das mit wissenschaftlichem Hintergrund aufgezogen wird. Die Bundesforste haben etwa „Batcorder“ an den 105 Metern hohen Windmessmasten am Hohen Berg angebracht. Das Gerät zeichnet die Rufe der Fledermäuse auf. „Wir machen‘s uns wirklich nicht leicht.“
Wie‘s jetzt aussieht, dürften vermutlich weniger als 20 Energieerzeuger im Wald hochgezogen werden. Auch werde man von der tschechischen Grenze wegrücken müssen, weil in diesem Bereich die Brutstätten des Seeadlers liegen.

Nusser nimmt auch zu den Manipulationsvorwürfen am Umweltbericht Stellung: „Jedem Projekt-Gutachter sitzt ein Gutachter der Behörde gegenüber – und am Ende des Tages kommt eine Abwägung heraus. Glauben Sie, dass es besser wäre, Projektbetreiber und Projektgegner an einen Tisch zu setzen?“
Daten über Windmessungen liegen den Bundesforsten ebenso vor. Die Quintessenz: „Es ist nicht die Parndorfer Platte, aber es zahlt sich aus“, stellen Nusser die Werte zufrieden. „Glauben Sie wirklich, dass ich mit einem Projekt, das sich nicht auszahlt, beim Aufsichtsrat antanze? Die Wirtschaftlichkeit müssen ohnehin wir vertreten.“