Hollabrunn

Erstellt am 19. August 2016, 05:12

von Christian Pfeiffer

Turbobier: „Wir werden Radler in Bier verwandeln“. Interview NÖN traf Turbobier-Frontmann aus Anlass des Auftritts der Band am 24. September im Stadtsaal zum Gespräch – im Wirtshaus.

Die Band vor dem Turbobus, der die Fans von Wien zum 1. Turbofest im Hollabrunner Stadtsaal kutschieren wird. Frontmann Marco Pogo (rechts) stößt schon mal darauf an. Foto: Turbobier  |  Turbobier

Ein Interview mit Turbobier-Frontmann Marco Pogo zu führen, stellt den Fragesteller durchaus vor Schwierigkeiten. Ernsthafte Fragen werden konsequent ignoriert und die Antwortfrequenz leidet unter dem steten Bierkonsum.

Der Versuch sei trotzdem gewagt, schließlich veranstaltet die Band am 24. September das 1. Turbofest, und zwar im Hollabrunner Stadtsaal. Davor geben sich die vier „Biaschtla“, die seit 2014 einen bemerkenswerten Senkrechtstart in der Musikszene hingelegt haben, noch am 19. August beim Frequency die Ehre – Pardon – die Kante.

NÖN: Warum habt ihr ...

Marco Pogo: (unterbricht) Zuerst brauch i an Sprit.

(Nach erfolgter Lieferung des Biers.) Warum habt ihr euch Hollabrunn für das 1. Turbofest ausgesucht?

Pogo: Wir spielen in Hollabrunn, weil der Stadtsaal so schön ist. Ein richtig beschauliches Örtchen. Wir haben letztens eine Begehung gehabt, um uns von der Großartigkeit der Location zu überzeugen. Weil, in Wien spielen kann a jeder. Wir haben ja auch einen kulturellen Auftrag, dass die Leute rauskommen aus ihren Ortschaften. Vielleicht kriegen wir ja dafür an Kulturförderpreis. Trinkst a ans mit?

(Nach Lieferung weiterer Biere.) Vermutet ihr in Hollabrunn mehr Trankler – Pardon – Fans als anderswo?

Pogo: Prost. Also, Trankler gibt’s überall recht viele. Ob’s am 24. September mehr sind als sonst, weiß ich nicht, aber die Vorzeichen stehen gut.

Eine gewisse Nähe zu Hollabrunn ist aber spürbar. Ihr habt hier ja auch einen Teil eurer zweiten Platte aufgenommen.

Pogo: Ja, in Homestudios und in den Beisln, um dem Album die notwendige Fett’n zu verleihen. Vielleicht spüren wir auch die Trankleraffinität in dem wunderschönen Örtchen. Ich glaub’, es hat uns keiner nach Hollabrunn gezwungen, aber ich kann mich nicht erinnern. Ich versuch’, bei Vertragsunterzeichnungen immer fett zu sein, wegen dem Unzurechenbarkeitsparagrafen. (lacht)

Auf was für Specials dürfen ...

Pogo: (unterbricht) Gibt’s da eigentlich nix zu trinken?

(Nach einer weiteren Bierlieferung.) Auf was für Specials dürfen sich eure Fans beim Turbofest freuen?

Pogo: Das wird die größte, fetteste Turbobier-Headliner-Show ever. Und wie wir a paar Minuten nüchtern waren, haben wir uns a paar Dinge überlegt. Es wird a „Drangl-Land“ geben, quasi an Entertainmentpark für Erwachsene und Kinder im Erwachsenenalter. Mit einer Hupfburg-Landschaft, wo alle Dinge erlaubt sind, die du sonst nicht machen darfst, also g’scheit eskalieren. A Michi-Häupl-Fotowand, Dosenschießen und an Weltrekordversuch im kollektiven Bierdosenstechen wird’s auch geben.

Kennt ihr so was wie Selbstkritik, was euch betrifft?

Pogo: Trinkst a no ans mit? (bestellt) Bei den Shows haben wir immer ein Kamerateam, das mitfilmt, damit wir nachher schauen können, was war, weil wir wissen’s nachher nimmer. Wir waren angeblich auch schon mal in Hollabrunn mit einem Konzert, sagen die Leut’. Ich weiß es nimmer.

Nach einer Bierpartei habt ihr jetzt die „Bieristische Glaubensgemeinschaft“ gegründet. Warum?

Pogo: Weil’s einen großen Handlungsbedarf gibt und wenn wir 300 Gläubige haben, sind wir eine eingetragene Glaubensgemeinschaft. Wir verehren die Heilige Drei-Fettigkeit und werden bei Taufen Radler in Bier verwandeln. I hob an Durst.

„Turbobier“-Infos

Turbobier ist eine Punk-Rock-Band aus dem 11. Wiener Gemeindebezirk Simmering. Bandmitglieder sind Marco Pogo und Doci Doppler (beide Gesang und Gitarre) sowie Baz Promüü (Bass, Gesang) und Fredi Füzpappn (Schlagzeug, Gesang).

Geschichte: Die Band veröffentlichte mit „I hob an Koda“ im Januar 2014 ihr erstes Musikvideo. Im Juli 2014 entwickelte sich das Lied „Arbeitslos“, eine Parodie des Helene Fischer-Hits „Atemlos“, rasch zum YouTube-Hit mit über einer Million Aufrufe. Im Sommer 2015 war die Band auf dem Nova Rock und auf dem Szene Openair zu sehen. Im Moment steht die Band bei Warner Music unter Vertrag.

Stil: Turbobier spielt melodiösen Punkrock, den sie selbst als „Irokesentango“ bezeichnet. Textlich behandelt die Band vor allem typische Punker-Themen wie Bierkonsum, Flaschenpfand oder den Bezug von staatlicher Unterstützung. Sänger Marco Pogo singt ausschließlich in breitem Wiener Dialekt.

Preise: Beim Amadeus Austrian Music Award 2016 wurden sie in der Kategorie Hard & Heavy ausgezeichnet.

Bier: Seit September 2014 vertreibt die Band ihr eigenes Bier. Mit dem „Turbobier Bierrechner“ brachte die Band ihre eigene App auf den Markt.