Hollabrunn

Erstellt am 24. August 2016, 04:54

von Christian Pfeiffer

Mit Selbstvertrauen zum Lernerfolg. Die Chefs der beiden Nachhilfe-Institute, Peter Mischek und Johannes Gassner, sprechen über Besonderheiten ihrer Tätigkeit.

Individuelles Eingehen auf den Schüler ist für den Lernerfolg ein wesentlicher Faktor.  |  De Visu/Shutterstock.com, De Visu/Shutterstock.com

Besonders in den Sommermonaten ist Nachhilfe bei den zwei Anbietern des Bezirks, Lernquadrat (Mischek) und Schülerhilfe (Gassner), besonders gefragt. Im Lernquadrat sind es aktuell bis zu 50 Schüler, von denen sich gut die Hälfte auf eine oder zwei Nachprüfungen vorbereiten. Die Schülerhilfe unterrichtet aktuell 60 Schüler, wovon 21 mit einer Nachprüfung zu kämpfen haben.

NÖN: Wie viele Ihrer Schüler schließen die Nachprüfung positiv ab?

Mischek: Wir wären froh, wenn wir das jetzt schon genau wüssten. Das Ergebnis hängt von vielen Faktoren ab. In der Vergangenheit können wir auf eine Erfolgsquote von mindestens 80 Prozent zurückblicken, wir haben aber auch schon 100 Prozent erreicht, was wir natürlich immer anstreben.

Gassner: Erwartungsgemäß werden es 90 Prozent sein. Bei den restlichen zehn Prozent reicht die kurzfristige Nachhilfe erfahrungsgemäß nicht (mehr) aus. Fallweise sind es auch Nachprüfungen in mehr als einem Fach, was den Druck erhöht.

„In Mathematik steigt der Bedarf weiterhin jährlich“

Wie viel Nachhilfe wird im Durchschnitt konsumiert?

Mischek: Schüler mit Nachprüfung benötigen mindestens drei bis vier Wochen intensive Vorbereitung mit 15 Unterrichtsstunden je Woche. Schüler, die zur Auffrischung des Jahresstoffes kommen, nützen meistens eine Woche im Sommer, manchmal zwei.

Gassner: Schulbegleitend werden im Durchschnitt zweimal 90 Minuten pro Woche konsumiert, in den Sommerkursen, die speziell auf Nachprüfungs-Vorbereitung ausgerichtet sind, können es auch sechsmal 90 Minuten pro Woche sein.

Welche Fächer sind besonders nachgefragt?

Mischek: Eindeutig Mathematik. Der Bedarf steigt hier weiterhin jährlich deutlich an.

Gassner: Es sind exakt die Unterrichtsfächer, die auch diverse Statistiken als Spitzenreiter ausweisen: Deutsch, Englisch, Französisch, Mathe. Darüber hinaus noch Darstellende Geometrie, Latein und Rechnungswesen.

Gibt es Fächer, die Sie aufgrund der speziellen Schulformen in Hollabrunn anbieten?

Mischek: Die Nachfrage variiert saisonal stark. Wir haben es bisher geschafft, in allen nachgefragten Fächern kompetente Nachhilfe anzubieten, unter anderem in technischen, aber auch in allen Sprachen oder speziellen Fächern wie Ernährungslehre oder Geburtshilfe.

Gassner: Wir können dank unseres Teams an Nachhilfelehrern ein breit gefächertes Spektrum anbieten. Damit sind wir in der Lage, auch spezielle Anforderungen des Standorts, zum Beispiel HTL, bestens abzudecken.

„Am Anfang herrscht oft Unsicherheit bei den Schülern“

Schüler welcher Schultypen brauchen besonders häufig Nachhilfe?

Mischek: Der Trend geht immer mehr zur Oberstufe, aus allen Schultypen, insbesondere während der Sommerkurse.

Gassner: Grob betrachtet zeigt sich ein überwiegender Bedarf bei der Gruppe der berufsbildenden höheren Schulen. Betrachtet man aber die einzelnen Schulen, ergibt sich ein ausgewogenes Bild, unabhängig von der Art der besuchten Schule.

Hat Nachhilfe immer noch ein schlechtes Image?

Mischek: Am Anfang herrscht oft eine Unsicherheit bei den Schülern. Die verfliegt meist spätestens dann, wenn sie Freunde wieder treffen oder neue gewinnen und das Lernen für Erfolge und Selbstvertrauen sorgt. Immer öfter sind wir aber mit der Situation konfrontiert, dass wir nach bereits erfolglosen Nachhilfeversuchen anderswo um professionelle Unterstützung gebeten werden. Das mag zu einem schlechten Ruf der Nachhilfe insgesamt beitragen.

Gassner: Wir sehen das differenzierter: Nicht die Nachhilfe an sich hat ein schlechtes Image. Eher ist es der Umstand, dass ein Schüler Nachhilfe benötigt. Dieser Umstand führt fallweise dazu, dass für die Betroffenen ein schlechtes Image bei Freunden, Mitschülern, Eltern, Lehrern oder Bekannten entsteht oder befürchtet wird.

Sind die Leistungsanforderungen an die Schüler mehr geworden?

Mischek: Sie sind nicht unbedingt mehr, aber anders geworden. Die vielen Veränderungen im Schulsystem erfordern oft Umstellungen und neue Anforderungen, die für Unsicherheit sorgen.

Gassner: Eltern wollen ihren Kindern die bestmögliche Förderung bieten und damit deren Chancen verbessern, ihre schulische Laufbahn zu meistern.

Fakten

Lernquadrat:

  • Entstand im Jahr 2003
  • Bietet Nachhilfeunterricht für Schüler im Einzelunterricht oder in Gruppen von 2 bis 6 Schülern
  • Es wird eine Aufgabenbetreuung angeboten
  • Das Lernquadrat unterstützt nicht nur Fächer wie Mathe, Deutsch und Englisch, sondern auch Latein, Stahlbetonbau, Ernährungslehre etc.
  • 58 Institute österreichweit
  • 5-tägiger Intensivkurs mit je drei Unterrichtsstunden pro Tag: 197 Euro.

Schülerhilfe:

  • Wurde 1974 gegründet
  • Es wird Nachhilfe in kleinen Gruppen von 3 bis 5 Schülern angeboten
  • Neben Nachhilfe werden auch Prüfungsvorbereitungskurse und Ferienkurse angeboten
  • In Österreich alleine befinden sich 85 Institute
  • Nachhilfekosten: 9 Euro pro Unterrichtseinheit (45 Minuten), wobei die ersten beiden Stunden gratis sind
  • Aufnahmegebühr: 50 Euro.

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