Erstellt am 15. September 2015, 12:42

von Christoph Reiterer

Bus-Chauffeur musste Schüler stehen lassen. Fahrgäste durften am Lothringerplatz nicht in überfüllten Bus einsteigen. Ersatz gab es nicht. Mutter übt Kritik.

Der Schulstart ist auch für die ÖBB immer eine besondere Herausforderung. Der Ratschlag, das Kind einfach mit dem Auto abzuholen, sorgt bei Betroffenen aber für Unverständnis. Foto: NÖN/Archiv  |  NOEN, NÖN/Archiv

Nach der großen Aufregung über mangelndes ÖBB-Service zu Schulbeginn im Vorjahr hielten sich die Beschwerden in diesem Jahr bislang in Grenzen.

Groß war der Ärger allerdings bei einer Mutter, deren Tochter von einem Busfahrer am Lothringerplatz einfach stehen gelassen wurde. Die Reaktion der ÖBB sei unverschämt gewesen.

„Information an Fahrgäste erfolgte nicht“

Es war Dienstag, der zweite Schultag, als das Mädchen auf den Bus wartete, der um 11.50 Uhr in Richtung Jetzelsdorf fahren sollte. Der Bus kam. Jedoch habe der telefonierende Chauffeur nur kurz die Tür geöffnet, um den wartenden Fahrgästen mitzuteilen, dass das Fahrzeug voll sei und ein Ersatzbus kommen würde.

„Nachdem mich meine Tochter um 12.10 Uhr verständigte, immer noch zu warten, erlaubte ich mir, bei der ÖBB Hollabrunn nachzufragen“, berichtet die Mutter. Dort sei ihr unfreundlich mitgeteilt worden, dass es keinen Ersatzbus geben würde.

Die ÖBB seien komplett ausgelastet und man solle auf den Bus um 13.08 Uhr warten oder mit dem Zug fahren. „Eine Information an die Fahrgäste erfolgte natürlich nicht“, so die Mutter. Weil die Dame am Apparat sehr harsch reagiert habe, wollte sie mit dem Vorgesetzten sprechen. Sie wurde verbunden.

Seif: „Werden die Situation genau beobachten“

An einer Lösung sei der Herr am Apparat aber überhaupt nicht interessiert gewesen, als er erfuhr, dass „nur“ fünf Fahrgäste an der Haltestelle waren. „Ich solle mein Kind halt einfach holen fahren – ohne Pkw schwierig!“

Die NÖN konfrontierte ÖBB-Sprecher Christopher Seif mit dem Zwischenfall, der prompt sein Bedauern über den Vorfall aussprach. Zu Schulbeginn müsse sich die Situation erfahrungsgemäß oft erst einspielen bzw. hätten in den ersten Tagen beinahe alle Kinder gleichzeitig Unterrichtsende, weshalb es zu Engpässen kommen könne.

Zudem könne es natürlich auch sein, dass sich die Anzahl der zu befördernden Schüler verändert habe. „Wir werden die Situation genau beobachten und im gegebenen Fall die nötigen Maßnahmen setzen“, versprach Seif.

Der ÖBB-Sprecher betont aber auch, dass der Chauffeur korrekt gehandelt habe: „Es sind gesetzliche Vorgaben einzuhalten, um die Sicherheit der Kinder und aller Fahrgäste zu gewährleisten, und über diese können und dürfen sich die Lenker nicht hinwegsetzen.“


Zitiert: „Nur die Position der armen ÖBB“

„Aufgrund bestehender Erfahrungswerte aus vergangenen Jahren wird die, für die Zahl der zu befördernden Schüler und Schülerinnen, entsprechende Anzahl an Bussen eingesetzt. Dass im beschriebenen Fall fünf Kinder nicht mehr im Bus Platz gefunden haben, tut uns sehr leid.“
ÖBB-Sprecher Christopher Seif

„Der Herr am Apparat wollte mir nur die Position der armen ÖBB schildern – was mich in diesem Fall nicht interessierte, da meine Tochter verzweifelt an der Haltestelle wartete und keinen Plan hatte, was sie machen sollte.“
Betroffene Mutter

„Ruhigen Gewissens darf ich behaupten, dass unsere Mitarbeiter sehr wohl an Lösungen im Sinne unserer Fahrgäste interessiert sind und das Wohl der Fahrgäste immer zentralen Stellenwert hat. Wenn jedoch alle Kapazitäten ausgeschöpft sind und das gesamte verfügbare und einsetzbare Material aufgrund einer – nicht alltäglichen und nicht regelmäßigen – Auslastungsspitze im Einsatz ist, ist es leider nicht immer möglich, eine zufriedenstellende Lösung zu erreichen.“
Christopher Seif