Retz

Erstellt am 27. Juli 2016, 03:55

von Karin Widhalm

Trauer in Retz: „Um ihn ist’s ewig schad’“. Zehn Jahre wirkte Karl Heilinger als Stadtchef, am Freitag starb er 66-jährig nach langer, geduldig ertragener Erkrankung.

2010 erhielt er die höchste Auszeichnung: Karl Heilinger (Mitte) wurde zum Ehrenbürger ernannt. Gattin Ulrike freute sich mit ihm. Der damalige Vizebürgermeister Karl Burkert überreichte die Anerkennung.  |  NOEN, NÖN

Karl Heilinger war 30 Jahre ÖVP-Gemeinderat, 15 Jahre Stadtrat und beinahe zehn Jahre Bürgermeister. Dieses Amt führte er bis zur Gemeinderatswahl 2015 aus und zog sich dann aufgrund seiner Erkrankung immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Er schied Freitagfrüh, 22. Juli, aus dem Leben. Das Begräbnis wird am Samstag, 30. Juli, um 13 Uhr in der Pfarrkirche Unternalb stattfinden.

Besuche ohne Interventionen

„Wenn man sich bemüht, kann man etwas verändern“, sagte er auf seine Amtszeit zurückblickend, als die NÖN im November 2014 ein Interview mit ihm führte. Er wurde 2005 zum Bürgermeister der Stadt gewählt. „Er war ein großartiger Mensch“, beschreibt ihn sein nachfolgender Amtskollege Helmut Koch.

Einfühlsamkeit und Besonnenheit: Diese Eigenschaften schreibt er ihm zu. „Er war im Gegensatz zu anderen gegenüber allen Mandataren feinfühlig und im persönlichen Gespräch einfühlsam.“ Besonnen sei er als Stadtchef gewesen. „Er war ein Mann, der mit Augenmaß beurteilte.“

Heilinger ließ es sich nicht nehmen, auch als Altbürgermeister ab und zu das Stadtamt aufzusuchen – ohne in politischen Angelegenheiten zu intervenieren. „Das war ein feiner Zug, eine Größe von ihm“, zieht Koch den Hut.

„Er war ein g’rader Michl“

„Ich habe ihn als einen wirklichen Menschen erlebt“, schildert Stadtamtsdirektor Andreas Sedlmayer sein Arbeitsverhältnis zu Heilinger. Er sei jedem mit Mitgefühl und Hilfsbereitschaft begegnet. „In den zehn Jahren waren wir mehr beinander als ich mit meiner Frau. Wir haben zum Teil auch schwierige Situationen durchlebt.“

Manfred Marihart, Gemeindevertreterverbandsobmann und Bürgermeister in Pulkau, kennt Karl Heilinger „seit ewigen Zeiten“: zuerst als FF-Kamerad, dann als Landwirt, später als Bürgermeister, bis zuletzt als Funktionär in der Raiffeisenkasse Retzer Land-Pulkautal. „Er war ein g’rader, grundehrlicher Michl“, beschreibt er ihn. „Um ihn ist’s ewig schad’.“ Seine Erkrankung habe er mit Fassung getragen. „Er war nie überheblich, hat nie die Menschen hintergangen.“

Karl Heilinger verstarb im 67. Lebensjahr im Landesklinikum Horn.

Zitiert:

„Ich habe von ihm gelernt, dass man geradlinig sein muss. Wenn man etwas sagt, dann muss man dazu stehen.“
Helmut Koch

„Ein Mann, ein Wort.“
Derselbe über Karl Heilinger

„Ein vorbildlicher Mensch.“
Andreas Sedlmayer

„So einen Kollegen und Freund kann man sich nur wünschen.“
Manfred Marihart

„Er war zielstrebig und wenn er Ziele für sich verfolgt hat, dann hat er nie auf andere vergessen. Er hat andere nie unterdrückt.“
Erwin Heilinger ist der Sohn von Karl Heilinger und seit 2015 Gemeinderat in Retz.

Seine Amtszeit:

Was in der Stadtgemeinder Retz umgesetzt wurde, als Karl Heilinger ÖVP-Bürgermeister war. Ein Auszug.

  • Umbau und Erweiterung des Stadtamts
  • Kanalbauarbeiten in Obernalb und Unternalb
  • Neubau der Musikschule
  • Hochwasserschutzprojekte
  • Stadtarchiv-Neueröffnung
  • Erweiterung des Kindergartens in Retz
  • Restaurierung des Rathauses und des Znaimer Tors