Erstellt am 31. März 2016, 03:54

von Karin Widhalm und Sandra Frank

Kellergassenfeste: Ungeklärte Fragen, der Zeitdruck steigt. „Kalte-Hand-Regelung“ gilt: Bei Kellergassenfesten brauchen Winzer keine Registrierkasse vor Ort. Diese Tatsache ist klar definiert.

Die Kellergassenfeste sind sehr beliebt. Doch die Registrierkassenpflicht verursachte viel Unsicherheit bei den Winzern. Einige Feste wurden bereits abgesagt. Die Retzer Weinwoche tüftelt noch an einer Lösung. Foto: NÖN  |  NOEN, NÖN
Die Registrierkassenpflicht soll eines bewirken: den Schwarzumsätzen den Riegel vorschieben. Kleine Feste, die gemeinnützige Vereine organisieren, sind von der Regelung aber nicht betroffen.

Die große Frage in einem Weinbau-Bezirk wie Hollabrunn war bisher: Sind Feste, die Winzer außerhalb ihrer Betriebsstätte veranstalten – offene Kellertüren oder die Retzer Weinwoche –, auch betroffen?

Registrierkassa muss nicht vor Ort stehen

Diese Frage kann Reinhard Zöchmann, Vizepräsident des NÖ Weinbauverbandes, zumindest für die Kellergassenfeste mit einem klaren „Nein“ beantworten. „Diese Feste fallen unter die ,Kalte-Hand-Regelung‘. Darin ist klar definiert, dass Winzer keine Registrierkasse im Keller brauchen“, erklärt der Roseldorfer.

Was die Winzer unter „Kalte-Hand-Regelung“ kennen, nennt sich offiziell „Erleichterung für mobile Umsätze“ nach § 7 BarUV 2015. Konkret bedeutet das: Die Registrierkassa muss nicht vor Ort stehen. Die Umsätze, die außerhalb der Betriebsstätte erbracht werden, können nachträglich erfasst werden. Einen Beleg erhält der Kunde trotzdem.

Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager sprach von einem „Etappensieg“. Sonja Zwazl, Präsidentin der Wirtschaftskammer NÖ sieht das anders: „Es gibt keine Sonderregelung für Weinbauern.“ Und: „Weinbau-Chef Schmuckenschlager bezieht sich auf eine Sache, die längst beschlossen ist – nämlich die Sonderregelung für Mobile Dienste.“

„Könnten Feste sonst nicht mehr abhalten“

„Diese Regelung hilft den Kellergassenfesten, nicht aber der Retzer Weinwoche“, weiß Zöchmann. Hier sei man noch um eine optimale Lösung bemüht. Zöchmanns Kollegin in der Landeskammer, Tanja Dworzak, ist überzeugt: „Wenn wir überall Registrierkassen aufstellen müssten, dann könnten wir die Feste nicht mehr abhalten.“

Das Problem bei den Weintagen sei laut der Obfrau der Weinstraße Weinviertel West jenes: Mehrere Winzer teilen sich eine Koje, die Registrierkasse dient aber einem einzigen Betrieb. „Das wäre unmöglich“, ist sie überzeugt. Der Paragraf 7 macht dieses Problem obsolet.

Die Belegerteilungspflicht könne erfüllt werden, so Dworzak. Weinglas-Etiketten, auf denen gern die jeweilige Sorte notiert wird, könnten zusätzlich als Beleg dienen. Ein richtiges Aufseufzen ist dennoch nicht zu hören, eher Verunsicherung.

Schmuckenschlager hat die Deinzendorferin gebeten zu eruieren, welche Feste im Weinviertel wie organisiert wurden. Sie sandte Mails aus. „Ich bekam 50 unterschiedliche Rückmeldungen. Die Mehrheit sagte: Sie wissen nicht, wie‘s weitermachen sollen.“

Wein wird geliefert, eingetippt wird später

„Es sind viele Geistergeschichten unterwegs“, weiß Winzer Zöchmann. Er selbst hat in seinen Betrieb knapp 2.000 Euro investiert, um den neuen Auflagen Genüge zu tun. Er sehe die ganze Sache „nicht so dramatisch“. Immerhin sei jetzt klargestellt worden, dass Winzer Wein ausliefern, den Beleg, den sie bisher schon mit der Hand geschrieben haben, an den Kunden übergeben und zu Hause in die Registrierkasse eintippen dürfen.

Was den Obmann des Hollabrunner Weinbauverbands allerdings stört: „Das Ganze hilft eher chinesischen Konzernen als der Region.“ Denn: „Tablet und Co. kommen nicht aus Österreich ...“

Dworzak ist überzeugt, dass der Erlass viel zu schnell eingeführt wurde. Dieser gilt seit dem 1. Jänner 2016. Man habe keine Zeit gehabt, die Bestimmungen auf Praxistauglichkeit zu überprüfen. „Jetzt haben wir den Zeitdruck, denn die Feste kommen“, wird gerade viel über dieses Thema gesprochen. „Ich verstehe jeden, der sagt: Nein, das tue ich mir nicht mehr an.“

Die Probleme sind vielfältig, die frühere Weinkönigin nennt einige Beispiele: Manche Registrierkassen sind mit dem Internet verbunden. „In den Kellergassen ist nicht immer der Empfang gegeben“, erzählt Dworzak. Es stellt sich die Frage, ob alle offenen Kellertüren wie ein Buschenschank behandelt werden sollten. „Da muss man bei jedem Fall genauer hinsehen.“

„Ich glaube, dass die Registrierkassenpflicht mehr zerstört als bringt“, lautet ihr Fazit. Schon jetzt werden Feste abgesagt. Die Richtung ist für Dworzak eine völlig verkehrte: Feste sind ein touristischer Motor. „Und davon leben die Zimmervermieter, Wirte und Winzer.“ Außerdem seien die Umsätze auch früher schon kontrolliert worden. „Das ist immer aufgezeichnet worden“, ergänzt sie.

„Wir werden da noch weiterverhandeln“, gibt sich Dworzak kämpferisch. „Da gehört noch einiges geändert. Viele Fragen sind noch offen.“ Der Weinbauverband trifft in dieser Woche zusammen.