Erstellt am 11. Mai 2016, 05:04

von Karin Widhalm

„Kinder-Roulette“ ärgert die Eltern. Auflösung, Aufteilung, Aufstockung: Diese Strategie gefällt den Eltern nicht – sie schlagen andere Lösungen vor.

Das beste für ihre Kinder wünschen sich Kathrin Hofer mit Linde, Franz Neubauer, Andrea Kamhuber, Daniela Breuer-Gartner und Clara Hofer. Foto: Widhalm  |  NOEN, Widhalm
Ein Problem, das 2015 heißt diskutiert wurde, taucht 2016 erneut auf. Der Kindergarten in der Windmühlgasse kann mit der jetzigen Struktur keine weiteren Kinder aufnehmen. Die Politik reagierte im Vorjahr mit einer zusätzlichen Gruppe an einem zweiten Standort (Rupert Rockenbauer-Platz).

Kamhuber: „Da fehlt uns der Weitblick“

Kindergarteninspektorin Regina Fichtl, Stadtrat Stefan Lang und Kindergartenleiterin Sabine Feichtner streben 2016 eine Lösung an, die Eltern nicht gutheißen.

Der Betrieb müsste neu organisiert werden, „für diese Veränderung ist das Auflösen einer bestehenden Kindergartengruppe notwendig“. Das steht in einem Brief der Stadtgemeinde an die Eltern. Die gelbe Gruppe ist nach diesem Plan betroffen.

Die Kinder würden aufgeteilt werden: Die Anzahl pro Gruppe könnte sich nach gesetzlichen Vorgaben auf maximal 25 erhöhen, wenn eine eigene Kleinkindgruppe etabliert wird. Daniela Breuer-Gartner, Andrea Kamhuber und Franz Neubauer wollen allerdings nicht, dass ihre Kinder aus dem gewohnten Umfeld gerissen werden.

„Die Kinder verlieren ihre Gruppe, ihre Freunde, ihre Betreuerin“, erklärt Neubauer. „Da ist kein Zuzug berücksichtigt. Da fehlt uns der Weitblick“, fügt Kamhuber hinzu. „Auch eine Übergangslösung muss sinnvoll sein.“ Die Eltern haben durchaus die Problematik im Blick – und tüftelten an Alternativen. „Wir wollen mit der Gemeinde zusammenarbeiten“, betont Breuer-Gartner.

Lang: „Gute Vorschläge von den Eltern“

Ein Vorschlag: die Gründung einer weiteren Gruppe am Rockenbauer-Platz. Kindergarteninspektorin Fichtl kann sich das durchaus vorstellen. Zuvor müsse geklärt werden, ob ausreichend Kinder für eine weitere Gruppe vorhanden wären. Sie kenne nicht den letzten Stand.

Idee Nummer zwei: alle sieben Kindergartengruppen in Retz, Ober- und Unternalb auf 21 Kinder aufzustocken. Oder: eine Zusammenarbeit mit der Volkshilfe, die eine Kleinkindgruppe in der Wieden für Zweieinhalb- bis Dreijährige betreut, anstreben.

Lang ist gewillt, die Vorschläge mit der Kindergarteninspektorin – sie kennt noch nicht alle Ideen – durchzudiskutieren. „Ich will das jetzt nicht durchpeitschen“, erklärt er. „Von den Eltern sind teilweise sehr gute Vorschläge gekommen.“ Fichtl: „Es laufen informelle Gespräche im Hintergrund.“

Offen zeigt sich Lang auch gegenüber einem zweisprachigen Kindergarten, den Neubauer aufs Tapet brachte. „Das muss man jetzt anpacken“, ist Neubauer überzeugt. Lang erzählt außerdem, dass mit dem Land NÖ Gespräche über einen Neubau geführt werden würden.

Zitiert:

„Warum da nicht rechtzeitig die Weichen gestellt werden, ist uns unerklärlich.“
Franz Neubauer

„Wir hatten etliche Zuzüge in einer Zahl, mit der wir nicht rechnen konnten.“
Stefan Lang

„Es wird keine Gruppe aufgelöst. Die Einteilung wird sich aufgrund der Kinderzahl verändern. Das ist gar nicht schlimm.“
Regina Fichtl

„Sie verkaufen uns die Lösung, als wäre sie die Beste, dabei ist sie die Günstigste.“
Daniela Breuer-Garnter

„Es ist nicht aller Tage Abend.“
Lang will die Vorschläge erwägen.

„Wer will nach Retz ziehen, wenn man hört: Da gibt’s keinen Platz im Kindergarten.“
Andrea Kamhuber