Erstellt am 11. September 2015, 06:27

von Sandra Frank

Kürbis-Ernte: Das neue Gold des Weinviertels?. Die runde Feldfrucht ist kleiner als gewohnt, steckte die Trockenheit aber ansonsten recht gut weg.

Kürbisse, soweit das Auge reicht. Durch die fehlenden Niederschläge sind die Feldfrüchte in diesem Jahr aber kleiner als gewohnt.  |  NOEN, Sandra Frank

„Unser Bezirk ist sicher der Schwerpunkt in Niederösterreich“, ist Bauerkammersekretär Gerald Patschka überzeugt, was den Kürbisanbau betrifft. Einer, der bereits seit der Mitte der 80er sein landwirtschaftliches Herz an die Kürbisse verloren hat, ist der Pernersdorfer Karl Neubauer.

„Beim Kürbis ist der Arbeitsaufwand deutlich
intensiver als bei anderen Ackerkulturen.“
Kammersekräter Gerald Patschka

Die ersten „Gehversuche“ mit der Feldfrucht Kürbis wurden allerdings in Watzelsdorf unternommen. „Herr Pischinger war Anfang der 80er Jahre der erste, der in Niederösterreich Kürbisse angebaut hat“, schloss sich Neubauer dem Pionier an.

Heute weiß der Pernersdorfer nahezu alles, was man über diese Feldfrüchte wissen kann. Seine Tochter ist ebenfalls Expertin auf diesem Gebiet. „Das wird bei uns genetisch weitergegeben“, lacht der Landwirt.
„Der Kürbis legt an Anbaufläche immer mehr zu“, weiß Bezirksbauernkammerobmann Fritz Schechtner. Und fragt sich: „Wird der Kürbis das neue Gold des Weinviertels?“

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Die aktuellen Zahlen liefern eine klare Antwort: „Heuer hat der Kürbis ein absolutes Hoch“, verweist Patschka auf über 3.000 Hektar, auf denen Kürbisse angebaut werden. 2014 waren es noch 2.400 Hektar. „Ich nenne das den Schweinezyklus im Kürbisanbau“, kennt Neubauer dieses Auf und Ab bereits.

Die Kürbis-Bauern freuen sich derzeit über hohe Preise, denn die Steiermark – Hauptabnehmer der niederösterreichischen Kürbiskerne – war 2014 mit hohen Ernteausfällen konfrontiert. Neubauer betont aber: „Beim Kürbis wird kein Geld verschenkt.“ Damit meint er den Arbeitsaufwand. „Der ist deutlich intensiver als bei anderen Ackerkulturen“, bestätigt der Kammersekretär.

Der Kürbis hat es in dieser Saison nicht leicht

Bei der Trocknung der Kerne müsse sehr schonend vorgegangen werden, um diese nicht zu beschädigen. Die Abnehmer achten hier genau auf die Qualität der Ware. „Die Ölmänner sehen in uns Niederösterreichern aber gute Vertragspartner, sie sind gerne bei uns“, spricht Neubauer die gute Geschäftsbasis an.

Er arbeite heute noch mit den Abnehmern der ersten Stunde zusammen. Das liege daran, dass in Niederösterreich stets ausgeglichene Erträge erwirtschaftet werden. „Wir sind ein steirisches Kernölgebiet“, erzählt Neubauer, dass etwa 90 Prozent der Kürbiskerne in die Steiermark exportiert werden.

Doch so gut die Preise derzeit auch sein mögen, der Kürbis hat es in dieser Saison nicht leicht. „Schon beim Anbau gab es zu wenig Niederschläge“, spricht Schechtner die verheerende Trockenheit in diesem Sommer an.

Nicht die Größe, sondern das Gewicht ist entscheidend

Ein Blick auf die Felder zeigt, dass diese nicht spurlos an den Feldfrüchten vorübergegangen ist. Die Kürbisse sind weit kleiner, als sie um diese Zeit sein sollten. Die normale Frucht sollte die Größe eines Fußballs haben, klärt Neubauer auf.

Doch die Größe wirke sich nicht unbedingt auf die Qualität aus. Das Gewicht ist entscheidend. „Heuer wird keiner einen Rekord ernten“, will der Pernersdorfer zwar nicht von einer Missernte sprechen, prognostiziert aber einen unterdurchschnittlichen Ertrag. „Trockenschäden sind sicher vorhanden.“

Gegen Dürreschäden sind die wenigsten Landwirte versichert, wie Schechtner weiß, aber die Kammer werde ihren Mitgliedern nun vermehrt dazu raten, eine solche Versicherung abzuschließen.

„Wäre ich jetzt nicht hier, würde ich am Traktor sitzen“

Wie hoch das Interesse am Kürbisanbau ist, zeigt sich bei den Kürbistagen. „Die haben sich gut entwickelt“, ist Neubauer stolz über 300 bis 400 Besucher. Außerdem „sind die Aufkäufer präsent und sitzen an einem Tisch, das bringt sonst keiner zusammen, nur wir“.

Heuer begann die Kürbisernte so früh wie nie: „Der Termin war ein Unikat. Wir haben das erste Mal am 15. August geerntet, so etwas merkt man sich. In den 80ern haben wir zu Allerheiligen geerntet ...“, beschreibt der Landwirt die Verschiebung der Erntezeit. Er glaubt aber nicht, dass sich dieser frühe Termin bald wiederholen wird.

„Wäre ich jetzt nicht hier, würde ich am Traktor sitzen“, ist die Erntezeit der Kürbisse noch nicht vorüber. Neubauer hat noch etwa zwei Tagesernten – das sind zwischen vier und fünf Hektar – vor sich. „Wir ernten immer in der Gemeinschaft. Das war schon immer so und wird sich auch nicht ändern“, tun sich die Kürbisbauern zusammen.

Da der Markt so klein ist, sind Maschinen für den Anbau und die Ernte sehr dünn gesät. Außerdem seien die Maschinen sehr teuer, weil ein Anbieter auch meistens der einzige sei. „Darum bauen wir uns viel selbst“, so der Pernersdorfer, der erst in eine Reinigungsanlage investierte. „In etwa einem Monat werde ich das Versuchsfeld ernten.“

Pischinger hat die Sorte „Retzer Gold“ gezüchtet

Neubauer ist an der Entwicklung seiner Feldfrucht sehr interessiert und führt für die Landeslandwirtschaftskammer stets Versuche mit verschiedenen Kürbissorten durch. Resistenz gegen Viren oder die Reaktion der Pflanzen auf neue Dünger werden ausprobiert und verbessert.

Durch diese Versuche konnte Neubauer eines beobachten: „Die Rankentypen weisen eine größere Toleranz gegenüber der der Hitze auf.“

Einer dieser Rankentypen ist die Sorte „Retzer Gold“, die von Pischinger gezüchtet wurde. Aber auch wenn diese Art mit der Hitze besser umgehen kann, als die sogenannten Buschtypen, sind sie ebenfalls von der Trockenheit gezeichnet: „Normal sind zwei Kürbisse pro Ranke“, sagt Neubauer.

Auf seinen Feldern sind aber überwiegend Ranken mit nur einem Kürbis zu sehen. Trotzdem ist der Landwirt zuversichtlich: „Die Anzahl ist nicht so schlecht“, sagt er mit Blick aufs Feld.


Zitiert: „ ... dann bauen wir Bananen an“

„Früher verlangte der Kürbisanbau wahnsinnig viel Handarbeit. Das war sehr mühsam.“
Kürbis-Experte Karl Neubauer erklärt, warum die Anbauflächen der Kürbisse früher sehr beschränkt waren.

„Der Kürbis ist ein Amerikaner!“
Bauernkammersekretär Gerald Patschka über den Ursprung der Feldfrüchte.

„Wir haben den Mähdrescher geputzt und dann den Kürbisernter hervorgeholt.“
Karl Neubauer über den durchgehenden Ernteeinsatz.

„Ich glaube nicht, dass das so schnell wieder sein wird. Und wenn doch, dann bauen wir bald Bananen an.“
Neubauer glaubt nicht, dass sich der 15. August als Erntetermin für Kürbisse einpendeln wird.

„Die Befruchtung war heuer sehr gut. Durch die Trockenheit waren die Insekten brav unterwegs. Bei trübem Wetter fliegt keine Biene, soweit sind wir alle Imker.“
Neubauer zählt die positiven Aspekte des heißen Sommers auf.


Kürbis: Daten und Fakten

  • Kürbis: Daten und FaktenKürbisse sind einhäusig getrenntgeschlechtliche Feldfrüchte. Die weibliche Blüte ist am Fruchtkörper zu erkennen.

  • In Niederösterreich wurden 2015 insgesamt 12.594 Hektar Kürbis angebaut.

  • Hollabrunn ist mit 3.370 Hektar Spitzenreiter, im Weinviertel, wie auch in Niederösterreich. Gefolgt von Mistelbach mit 2.799 und Horn mit 2.586 Hektar.

  • In den vergangenen Jahren erlebte der Kürbis ein Auf und Ab. 2012 betrug die Anbaufläche nur 2.563 Hektar im Bezirk, 2013 verringerte sich die Fläche auf 1.867 Hektar, stieg 2014 auf 2.405 an und steht jetzt bei 3.370 Hektar.