Erstellt am 02. Dezember 2015, 04:48

von Christoph Reiterer

Pommes boomen das ganze Jahr. Hollabrunner Industriebetrieb Lamb Weston wächst und hat einen lukrativen Auftrag von der Insel an der Angel.

Pommes boomen. Geschäftsführer Gerhard Bauernfeind erkennt außerdem einen Trend zu kleineren Formen und Snacking-Produkten. Mit seinen 211 Mitarbeitern ist der Industriebetrieb Lamb Weston einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region. Fotos: LWM  |  NOEN, LWM

Über ein deutlich besseres Jahr 2015, als es durch Drahtwurm und feuchte Erntebedingungen das Vorjahr war, freut sich Gerhard Bauernfeind, Geschäftsführer von Lamb Weston/Meijer (LWM) in Hollabrunn.

Der Umsatz im Geschäftsjahr 2014/15 sei von 49 auf 52 Millionen Euro gesteigert worden. Der Tiefkühllebensmittelproduzent, vormals Frisch & Frost, der auch McDonald’s mit Pommes beliefert, präsentiert sich seit dem Sommer außerdem mit neuem Logo.

„Im Bezirk Hollabrunn waren wir teilweise
an der Kostendeckungsgrenze für die Bauern.“
LWM-Geschäftsführer Gerhard Bauernfeind
zur Auswirkung der extremen Sommerhitze.

Die Erntebedingungen waren heuer perfekt, Trockenheit und Hitze waren dennoch eine Belastung. „Bei über 30 Grad ist die Kartoffel gestresst“, weiß Bauernfeind.

70 Prozent der Fläche der Vertragsbauern werden beregnet. Auf jenen 30 Prozent, wo eine Beregnung nicht gestattet ist – und das betrifft gerade auch den Bezirk Hollabrunn – habe es deutlich weniger Ertrag gegeben. „Da waren wir an der Kostendeckungsgrenze für die Bauern.“

x  |  NOEN

Abhilfe könnte ein Tröpfchenbewässerungssystem schaffen. Bauernfeind hofft, dass es dafür eine behördliche Genehmigung geben wird. „Das wäre eine tolle Geschichte.“

Damit bliebe es dem Unternehmen künftig wohl auch erspart, Kartoffeln zukaufen zu müssen – heuer waren es 8.000 Tonnen aus Deutschland.

Produkte von Dubai bis Uruguay gefragt

Was die Produktion betrifft, so sei die Pommes-Linie das ganze Jahr ausgelastet. Im Rösti-Bereich gibt es noch Potenzial. Dafür wurde eine moderne Maschine angeschafft. Mit der neuen Technologie können mehr nationale und internationale Bestellungen erfüllt werden. Mehr als 40 Länder werden beliefert.

Ein wichtiger Umschlagplatz für den arabischen Raum ist Dubai. Auch in Uruguay sind die Lamb-Weston-Produkte gefragt.

Und aktuell sei man drauf und dran, einen Vertrag für England zu entwickeln, der wiederum eine Abnahme von 1.000 Tonnen pro Jahr bedeuten würde. Die Briten stehen auf Frühstücksröstis. Bauernfeind ist stolz, dass der Hollabrunner Standort als kleinste Fabrik im Konzern zu den „Rausreißern“ zählt.

Schon 700 Tonnen über dem Plansoll

Durch die geringe Fleckenzahl bei den Erdäpfeln kann heuer flott produziert werden. „Wir sind bereits 700 Tonnen über dem, was budgetiert wurde.“ Das war Stand 12. November. Ein enormer Vorteil sei, dass sich der Standort direkt im Anbaugebiet befindet. Ein Traum wäre es, ein Distributionscenter als Tor in den Osten zu bekommen, prädestiniert für die Märkte Griechenland, Bulgarien, Rumänien und Ungarn.

Investiert wurde wieder in Effizienz und Sicherheit: fast eine Million Euro für ein sogenanntes PEF-System, mit dem energieschonend mehr aus den Erdäpfeln herausgeholt werden könne; 170.000 Euro für ein Feuerlöschsystem für die Fritteusen.

Innovativ ist das Kamerasystem, das die Länge der Kartoffeln misst und diese sortiert. Und auch, was Abwasser und Wasserverbrauch betrifft, gebe es laufend Verbesserungen und sei ein zukunftsweisendes Projekt am Start. „Wir versuchen, uns ständig weiterzuentwickeln“, betont Bauernfeind.