Erstellt am 01. Oktober 2015, 12:37

von Sandra Frank

Landesweingut: „Sind keine Konkurrenz“. Die Winzer vertrauen den Erkenntnissen des Retzer Landesweingutes: „Dem Landesweingut glaubt man eher etwas, als einem Vertreter, den man nicht kennt.“

»Mahlzeit« auf das NÖ Landesweingut in Retz (v.l.): Kammerobmann Fritz Schechtner, Florian Hanousek, Christian Gerstorfer, Tanja Dworzak und Direktor Rudolf Reisenberger. Fotos: Sandra Frank  |  NOEN, Sandra Frank

„Das Landesweingut soll keine Konkurrenz für unsereBetriebe sein, sondern ein Versuchs- und Hilfsbetrieb für die Winzer“, sagte der Obmann der Bezirksbauernkammer, Fritz Schechtner, bei einem Besuch in der Weinstadt. Diese Symbiose zwischen der Schule und den Winzern funktioniere sehr gut, wie Tanja Dworzak, Obfrau der Weinstraße Weinviertel West, bestätigt.

Weinproduktion spielte eher eine Nebenrolle

„Als Winzer hast keine Hemmungen, das Landesweingut bei Problemen um Rat zu fragen, weil du das ganze Jahr ins Programm eingebunden bist“, erklärt die Winzerin.

Denn die Schwerpunkte der Retzer Schule, einer Außenstelle der Landwirtschaftlichen Fachschule in Hollabrunn, liegen bei der Aus- und Fortbildung der (angehenden) Winzer sowie bei Versuchen rund um den Weinbau. Die Weinproduktion spiele eher eine Nebenrolle.

„Der Wein ist halt da und muss verkauft werden“, schmunzelt Direktor Rudolf Reisenberger. Über Auszeichnungen, wie etwa den Sortensieg bei der Retzer Weinwoche, freue man sich natürlich trotzdem. „So sehen wir, dass die Qualität passt“, sagt Florian Hanousek, der hier für den Weinbaubereich zuständig ist.

Die Versuche, welche das Landesweingut durchführt, seien für die Winzer der Region von großer Bedeutung. Bei der Mikrovinifizierung können in 70 Kleinstationen verschiedene Ergebnisse bei gleichen Bedingungen erzielt werden.

„Most und Temperatur sind in den Tanks gleich. Gibt man aber unterschiedliche Hefe dazu, so schmeckt das Ergebnis gleich ganz anders“, schildert Hanousek. Solche Versuche können die Winzer in ihren Betrieben oftmals nicht durchführen und sind dankbar für die Erkenntnisse des Landesweinguts.

„Dem Landesweingut glaubt man eher etwas, als einem Vertreter, den man nicht kennt“, spricht Dworzak aus eigener Erfahrung. Denn in Retz werden auch neue Mittel gerne ausprobiert. „Ich freu‘ mich immer über etwas Neues“, sagt Hanousek. Manchmal sind die Ergebnisse, welche die Versuche zutage bringen, nicht besonders erfreulich für den Hersteller. „Wir veröffentlichen alle Ergebnisse, egal ob positiv oder negativ.“

„Wer soll es probieren, wenn nicht wir?“

Gearbeitet werde nach dem Prinzip „try and error“. „Natürlich gehen Versuche auch daneben. Aber wer soll es probieren, wenn nicht wir?“, so Reisenberger. Genau diese Einstellung bringt der Schule Respekt und Anerkennung bei den Winzern ein. Die Laborsprechtage – dienstags in Hollabrunn und donnerstags in Retz – werden gerne angenommen. Vor allem in schwierigen Jahren. „Da geht‘s oft um eine Reparatur“, weiß der Direktor.

„Es hängt auch viel Kultur und Tourismus dran“, betont Schechtner, dass die Schule nicht nur mit der Bauernkammer gut zusammenarbeitet, sondern sich auch in anderen Bereichen einen Namen gemacht hat. So bewirtschaftet das Landesweingut die Rieden rund um die Retzer Windmühle. „Da fährst du mit dem Reblaus Express durch und es schaut superschön aus“, lobt die ehemalige Weinkönig Dworzak den Einsatz der Schule, wenn es um das Erscheinungsbild und die Pflege der Weingärten geht.

Es gab Gerüchte, dass die Mikrovinifizierung im Retzer Landesweingut bald Geschichte sein könnte. „Retz ist und bleibt“, stellt Dworzak klar. „Es sind immer wieder Einsparungen geplant, aber aktuell gibt es keine Befürchtungen in diese Richtung“, bestätigt Reisenberger. „Wir haben im Bezirk doppelt so viel Weinbaufläche, nämlich 8.000 Hektar, wie die Steiermark.“ Mit diesem Vergleich macht Dworzak deutlich, dass der Bezirk ein Weingut wie jenes der Fachschule braucht, um sich weiterzuentwickeln.