Hollabrunn

Erstellt am 28. Januar 2018, 20:14

von Christoph Reiterer und Sandra Frank

Hogl als Prophet, Ecker im Landtag.

Im Hollabrunner ÖVP-Büro brandete Applaus auf, als die erste Hochrechnung am TV-Schirm zu sehen war – zu diesem Zeitpunkt sogar noch mit einem 5er vorne dran.

Spitzenkandidat und ÖVP-Bezirkschef Richard Hogl erwies sich gleichsam als Prophet, denn er hatte bereits im Vorfeld seine Prognose abgegeben und kam dem tatsächlichen Ergebnis wirklich nah. Seine „Weissagung“: ÖVP 49,3 %, SPÖ 24,2 %, FPÖ 15,1 %, Grüne 6,4 %, NEOS 4,8 %. „Ich habe versucht, zu bewerten, wie die Leute reagieren und mir auch die Trends im Speckgürtel angeschaut. Damit beschäftige ich mich gerne.“

Mit dem minimalen Bezirks-Minus von 0,07 Prozent konnte Hogl bei insgesamt 58,08 Prozent der Stimmen leben. In seiner Gemeinde Wullersdorf erreichte er ein sattes Plus von 5,25 Prozent (auf 61,30). Einen noch größeren relativen Stimmenzuwachs gab es nur in Guntersdorf (+6,45 % auf 64,06 %), Haugsdorf (+6,17 % auf 58,37 %) und in der (roten) Gemeinde Seefeld-Kadolz (+6,08 % auf 43,16 %). Das größte ÖVP-Minus hatten die Schmidatal-Gemeinden Ziersdorf (-6,71 %) und Maissau (-6,03 %) zu beklagen.

Grüne Trendwende beschert Abgeordneten aus Bezirkshauptstadt

Besonders bemerkenswert aus Bezirkssicht ist, dass mit Georg Ecker ein weiterer Mandatar in den Landtag einziehen wird – und erstmals überhaupt einer aus der Stadt Hollabrunn. Der 31-Jährige war als Nummer zwei auf der Grünen-Liste in den Wahlkampf gegangen. „Zu Beginn haben wir gezittert, jetzt ist die Freude natürlich groß. Die Trendwende ist gelungen. Wären wir aus dem Landtag hinausgeflogen, wäre das katastrophal gewesen.“

Die Bezirks-SPÖ mussten ein leichtes Minus von 0,61 Prozent hinnehmen und fielen damit unter die 20-Prozent-Marke (19,66 %). Spitzenkandidat Richard Pregler fand dennoch positive Aspekte. Es sei gelungen, gegen die Übermacht der Schwarzen ein gutes Ergebnis einzufahren. „Leider ist es nicht gelungen, die Absolute zu brechen.“ Ihr Top-Ergebnis lieferten die Sozialdemokraten in Göllersdorf mit einem Plus von 4,23 Prozent auf insgesamt 21,90 Prozent. Stimmenzuwächse gab es auch in Hohenwarth-Mühlbach, Hollabrunn, Maissau, Sitzendorf und Ziersdorf.

Die Freiheitlichen erreichten im Bezirk ein Plus von 6,25 Prozent (auf 13,21 %). „Ein guter Tag für die Freiheitlichen in der Stadt und im Bezirk“, befand Bezirkschef Christian Lausch. Es sei nahezu das beste Ergebnis, dass sie hier je hatten – nur 1998 waren die Blauen im Bezirk noch ein wenig besser. Die niedrige Wahlbeteiligung führt Lausch auf die „Wahlmüdigkeit“ der Bevölkerung zurück.

„Typischer ÖVP-Schmäh“ kostete anderen Parteien Stimmen

FPÖ-Spitzenkandidat Michael Sommer bemerkte, dass oft eine andere Partei angekreuzt wurde, die Vorzugsstimme aber dann auf einen ÖVP-Mandatar entfiel (und die Stimme damit für die Volkspartei galt). „Das ist der typische ÖVP-Schmäh und pure Wählertäuschung“, findet der 21-Jährige. Mit dem Bezirksergebnis sei er dennoch sehr zufrieden.

Mit NÖ-Spitzenkandidat Udo Landbauer sei eine „Menschenhatz“ betrieben worden, befinden die Bezirksblauen. Andernfalls wäre die absolute Mehrheit der Schwarzen wohl gebrochen worden, meinen die Hollabrunner Freiheitlichen. Das absolute beste Ergebnis gelang der FPÖ in der Gemeinde Alberndorf mit einem Plus von 10,62 Prozent auf insgesamt 19,16 Prozent.

„Dass wir es vom Stand heraus in den Landtag geschafft haben, freut uns natürlich am meisten“, ist Ulrike Vojtisek-Stuntner, NEOS-Spitzenkandidatin, sehr erfreut über den Einzug ihrer Partei in den Landtag. Wenngleich sie sich mehr Mandate erwünscht und erhofft hätte. „Jetzt haben wir mehr als nur einen Fuß in der Tür.“  Mit den NEOS sei nun eine weitere Kontrollpartei in den Landtag eingezogen. „Ich hätte mir gewünscht, in meinem Heimatbezirk ebenso viele Stimmen zu holen, wie in Maissau“, ist Vojtisek-Stuntner mit dem Bezirksergebnis von 3,62 Prozent zufrieden, aber nicht ganz glücklich. In Maissau schaffte sie immerhin 4,89 Prozent.

„Dass die starke Mehrheit der ÖVP in einem ländlichen Bezirk wie Hollabrunn für mich schwer zu knacken ist, war mir bewusst“, war die Maissauerin von Anfang an Realistisch. Sie persönlich habe es überrascht, dass die ÖVP die absolute Mehrheit halten konnte. „Meine NEOS aber nicht“, meint sie mit Blick auf die enormen Werbemittel, die die Volkspartei auf die Beine stellte.

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