Erstellt am 19. Mai 2016, 04:44

von Sandra Frank

Landwirte nach SP-Kritik: „Stehen da, als wären wir schuld“. Landwirte sind über Aussage des Bürgermeisters gekränkt und klärten auf.

Die Brücke, die Herren- und Broschgasse verbunden hat, fehlt seit dem Jahrhunderthochwasser im Mai 2015. »Die Brücke mit ihrem geringen Querschnitt war mit ein Auslöser für das Hochwasser«, so Stadtrat Schnötzinger.  |  NOEN, unknown

 Ein Jahr ist das Jahrhunderthochwasser in Breitenwaida her. Dass seitdem wenig passiert sei, um den Ort vor einem neuerlichen Hochwasser zu schützen, kritisierte SPÖ-Mandatar Alexander Eckhardt.

„Der Bürgermeister hat immer gesagt,
es scheitert an den Grundeigentümern.“
Alexander Eckhardt, SPÖ, rechtfertigt
sich vor den Landwirten.


Bürgermeister Erwin Bernreiter, der Obmann des Göllersbach-Wasserverbandes ist, dementierte diese Aussagen. Maßnahmen gegen Stauungen seien gesetzt, eine Studie in Auftrag gegeben worden. Dass es das Rückhaltebecken hinter dem Breitenwaidinger Friedhof noch nicht gebe, das scheitere an den Grundbesitzern.

Diese letzte Aussage des Stadtchefs ärgerte die Landwirte in Breitenwaida und Puch. So sehr, dass sie Eckhardt und die NÖN zu einem klärenden Gespräch einluden, zu dem hauptberufliche (Wein-)Bauern der beiden Orte erschienen.

„Wir Landwirte stehen jetzt da, als wären wir die Hauptschuldigen – und das stimmt so nicht“, machte Reinhard Wiesböck von Anfang an klar. Die Bauern hätten das Gefühl, sie werden vorgeschoben, weil beim Hochwasserschutz nichts weitergehe. Das sei aber sicher nicht der Fall.

Die Aussagen des Bürgermeisters würden sich so lesen, „als würd‘s eh gehen, nur die Bauern wollen das nicht“. Aber: „Wir sind alle für einen Hochwasserschutz. Kein Bauer aus Breitenwaida oder Puch ist gegen den Hochwasserschutz“, macht Wiesböck deutlich.

„Er weiß leider nicht, wovon er spricht ...“

„Im Gespräch hat der Bürgermeister immer gesagt, dass es an den Grundeigentümern scheitert“, erklärt Eckhardt. Es sei nie seine Absicht gewesen, die Landwirte anzugreifen. Er wollte den Druck auf Bernreiter, der selbst Landwirt ist, erhöhen: „Die ÖVP soll gestalten, aber bisher ist nichts passiert.“

„Er weiß leider nicht, wovon er spricht“, schnauft der zuständige Stadtrat Günter Schnötzinger (VP) auf NÖN-Nachfrage. „Der Pucher Bach wurde nach dem Hochwasser entsprechend geräumt. Er ist einer, der wasserrechtlich am besten geprüft wurde und wird.“

Die Fläche, um die es beim Rückhaltebecken hinter dem Friedhof in Breitenwaida geht, gehört Leopold Kraus. „Ich bin sicher nicht dagegen. Das Angebot hat nicht gepasst. Sie haben gesagt, sie melden sich bei mir, aber ich hab’ nie wieder etwas gehört“, meint der Landwirt, dass der Ball bei der Gemeinde liege.

„Die Forderungen sind nicht realisierbar“

„Ich habe mit Günter Schnötzinger gesprochen. Er hat gesagt, dass etwas in Planung ist“, meldete sich Franz Reinwein, Landwirt und Ortsvorsteher in Puch, zu Wort.

Gemeint ist hier der Pucher Bach. Reinwein lässt durchblicken, dass der Grundbesitzer hinter dem Friedhof zu viel von der Gemeinde einfordere, „das Tauschverhältnis passt nicht“. Stadtrat Günter Schnötzinger wird deutlicher: „Die Forderungen sind nicht realisierbar.“ Grundsätzlich streben alle Beteiligten einen Grundtausch an.

Eckhardt betont im Gespräch mit den Bauern, dass er als Oppositionspolitiker nicht in der Position sei, um die Grundablöse auszuhandeln. Er würde aber vermitteln, sollte keine Lösung gefunden werden.

Dass es für den Pucher Bach, der im vergangenen Jahr über die Ufer trat, noch kein Konzept gebe, um erneutes Hochwasser zu regulieren, ärgert Landwirt Josef Wiesböck. „Im Zuge der Studie wird gerade geschaut, was wirklich umsetzbar ist“, sei die Gemeinde keinesfalls untätig, so Schnötzinger. Eines wisse er aber mit Sicherheit: „Der Querschnitt des Pucher Baches ist funktionstauglich.“


Zitiert:

„Der Bürgermeister ist ja arm. Er hat ja fast keine Stadträte aus den Katastralgemeinden mehr.“
Landwirt Josef Wiesböck hat beinahe Mitleid mit Bürgermeister Bernreiter.

„Wenn etwas geplant ist, ist sicher kein Grundeigentümer dagegen!“
Josef Wiesböck ist sicher, dass alle um einen Konsens bemüht sind.

„Alex kann gern bei den Gesprächen dabei sein. Das ist aber nicht so einfach, wie sich vor eine Wasserpflanze zu stellen und fotografieren zu lassen.“
Stadtrat Günter Schnötzinger ist verärgert, dass SP-Eckhardt ihn nicht kontaktierte.

„Der Ortsvorsteher hat mich z’sammpfiffen, weil ich mich nicht mit ihm z’sammgsetzt hab’. Aber ich red’ gleich mit dem Stadtrat, der ist sicher kompetenter.“
Leopold Kraus sucht im Zweifel das Gespräch mit Stadtrat Schnötzinger.