Erstellt am 04. Juni 2016, 05:55

von Sandra Frank

„Lebensraum wird geschaffen“. Landwirte schützen Umwelt: Biodiversitätsflächen nutzen dem Wild, der Insektenwelt, der Natur und den Bauern.

Bauernkammerobmann Fritz Schechtner, Johann Schleifer, Nationalpark-Direktor Ludwig Schleritzko und Kammersekretär Gerald Patschka (v.l.) sitzen im üppigen Kleefeld. Biodiversität - also Blühflächen - ist ein Thema mit dem sich Landwirte, Kammer und Naturschutz beschäftigen.  |  NOEN, Sandra Frank

Das Kleefeld gegenüber dem Nationalparkhaus Hardegg steht derzeit voll im Saft. Bald beginnen die ersten Kleesorten zu blühen. Das Ackerland gehört Landwirt Johann Schleifer, es ist eines der Biodiversitätsfelder seines Betriebs.

Diese Blühflächen sind in jedem Betrieb vorgeschrieben, fünf Prozent der Fläche muss ein Landwirt für „insekten-blütige Pflanzenarten“ bereitstellen. „Damit fördern wir die Insektenwelt, unterstützen aber auch das Wild, das hier Deckung suchen kann“, erklärt Bauernkammerobmann Fritz Schechtner. Die Kleesorten in Schleifers Feld blühen zu unterschiedlichen Zeiten, um die Versorgung der Insekten zu gewährleisten. „Damit wird für viele Tiere ein optimaler Lebensraum geschaffen, Deckung und die Möglichkeit zur Überwinterung geboten“, zählt Schechtner auch Vögel und Kleintiere auf, die in den Blühflächen ihre Brut hochbringen. „Es kann nur einen sinnvollen Naturschutz im Einvernehmen mit den Landwirten geben. Wir sind gefordert, unseren Beitrag zu leisten.“

Landwirte erbringen Beitrag gerne

Und ihren Beitrag erbringen die Hollabrunner Landwirte gerne, wie Kammersekretär Gerald Patschka betont. Viele würden sogar mehr als die vorgeschriebenen fünf Prozent anpflanzen. „Es stimmt einfach nicht, dass Landwirte alles niederhäckseln – das kann man so nicht stehen lassen“, spielt er auf eine Aussage des Landtagsabgeordneten Walter Naderer an.

Natürlich gebe es ein gewisses Spannungsfeld, wenn die Menschen sehen, dass ein Bauer in eine blühende Wiese fährt und sie teilweise abmäht. Aber: „Das ist erlaubt. Bis zur Hälfte der Fläche darf zur Fütterung verwendet werden.“ Doch wer bei der Bauernkammer nachfragt, wird über den Sachverhalt aufgeklärt. „Wenn einer die Diskussion sucht, ist er bei uns gut aufgehoben“, ergänzt Schechtner.

Dass solche Biodiversitätsflächen nicht nur den Tieren nützen, führt der Kammerobmann weiter aus: „Es ist ja auch ein Bodenschutz. So kann Humus aufgebaut werden.“ Denn die Flächen bleiben mindestens zwei Jahre unberührt.

Mehr Bewusstsein für den Umweltschutz

Dass die Landwirte vermehrt auf die Natur Rücksicht nehmen, freut einen besonders: Ludwig Schleritzko, Direktor des Nationalparks. „Als beruflicher Naturschützer kann ich nur sagen, dass jeder Quadratmeter, der die Fauna und Flora unterstützt, wertvoll ist.“ Er ist selbst Bio-Landwirt und beobachtet, dass in den vergangenen Jahren vermehrt Bewusstsein für den Umweltschutz geschaffen wurde. Nicht zuletzt durch den Einsatz der Landwirtschaftskammer, die verschiedene Workshops zum Thema Biodiversität anbietet. „Je mehr Wissen ich habe, umso besser kann ich es in meinem Betrieb einbauen“, so Schechtner. Im Vergleich zu anderen Ländern habe Österreich jedenfalls die Nase vorne. „Die österreichische Agrarpolitik ist in Europa sicher beispielhaft“, ist Schleritzko überzeugt.

„Wir müssen eine Diskussionsbasis zwischen Landwirten und Jägern, aber auch zwischen Landwirten und Konsumenten schaffen“, erklärt Schechtner, dass es die Aufgabe der Kammer sei, hier den Dialog zu suchen.


Daten & Fakten

Mindestensfünf Prozent eines jeden landwirtschaftlichen Betriebs müssen als Biodiversitätsfläche genutzt werden.Viele Landwirte haben aber größere Blühflächen.

Im Hollabrunner Bezirk gibt es 60.000 Hektar Ackerfläche. 3.000 Hektar müssten demnach als Blühfläche gelten. Doch der Bezirk punktet mit 4.200 Hektar.

Mit 2015 wurde die Mindestfläche erhöht. Davor mussten lediglich zwei Prozent der Fläche für blühende Pflanzen zur Verfügung gestellt werden.

Maximal die Hälfte der Fläche darf abgemäht werden, um sie zu verfüttern. Der Rest muss bis 1. August unberührt bleiben.

Mindestens zwei Jahre hintereinander muss ein Areal als Blühfläche genutzt werden.