Erstellt am 08. September 2015, 08:44

von Franz Enzmann

Wienerinnen flohen vor Wildschweinen. Ahnungslose Wanderinnen fürchteten sich vor einer Herde Wildschweine und kletterten verängstigt auf einen Hochstand.

NÖN-Mitarbeiter Michael Böck sah sich die Lage vor Ort an: Die Wildschweine beschnupperten ihn neugierig und waren völlig harmlos.  |  NOEN, Michael Böck

Die Wanderung durch das Wildgatter werden die beiden Spaziergängerinnen aus Wien-Umgebung nicht so schnell vergessen. Nachdem sie die Überstiegshilfe überquert hatten und Richtung Buchberg wanderten, kam ihnen plötzlich eine Rotte Wildschweine entgegen.

Die an sich scheuen Tiere umringten die verängstigten Frauen. Diese flüchteten panisch auf einen nahe gelegenen Hochstand. Mit dem Handy verständigten sie die Polizei.

„Wie dieser Vorfall zeigt, ist diese
Haltung von Wildtieren problematisch.“
Bezirksjägermeister Karl Wittmann war
noch nie ein Freund der Jagdgatter.

Die Beamten kamen mit einem ortskundigen Jäger und befreiten die Wanderinnen aus ihrer misslichen Lage. Dieser Vorfall löste erneut eine Debatte über die umstrittene Wildtierhaltung aus. In Mailberg ist das Gatter längst kein Thema mehr, berichtet Ortschef Herbert Goldinger (SPÖ). „Es gibt nur wenige Beschwerden.“

Der freiheitliche Nationalratsabgeordnete Christian Lausch sieht sich in seiner früheren Kritik an dem kilometerlangen Gatterzaun bestätigt: „Ich habe immer davor gewarnt, dass die Bevölkerung von diesem Erholungsgebiet ausgesperrt wird. Auch die beste Gesetzesnovelle beim Jagdgesetz hilft nix, wenn die bestehenden Anlagen weiter betrieben werden können“, ärgert sich der Abgeordnete.

Der Wullersdorfer Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Richard Hogl (ÖVP) ortete keine Beschwerden in seiner Ortsbevölkerung und meinte zu dem Vorfall im Gatter: „In Niederösterreich werden keine umfriedeten Eigenjagdgebiete mehr zugelassen. Bestehende Anlagen müssen ordnungsgemäß bewirtschaftet werden.“

„Habe mit den Damen telefoniert und sie sofort beruhigt“

Bezirksjägermeister Karl Wittmann stand dem Jagdgatter ebenfalls immer skeptisch gegenüber: „Wie dieser Vorfall zeigt, ist diese Haltung von Wildtieren problematisch.“

Ein Insider weiß, warum die Wildschweine so zutraulich sind: „Im Winter sind regelmäßig Holzarbeiter im Wald. In den Pausen verzehren die Männer ihr mitgebrachtes Proviant und dabei bekommen die Schweine Jausenreste.“

x  |  NOEN, Michael Böck

Dieser plausiblen Erklärung kann Wittmann nur zustimmen. Jagdleiter Franz Ecker (Mailberg) bestätigt, dass die Tiere an Menschen gewöhnt sind.

Gatterbetreiber Werner Mattes bestätigt den Vorfall: „Ich habe mit den Damen auch telefoniert und sie sofort beruhigt. Da sie trockenes Brot mitführten, kamen die Tiere in ihre Nähe. Abschließend gab ich den beiden Frauen den Rat, unbesorgt vom Hochstand zu steigen, denn diese Wildtiere sind harmlos und es kann ihnen nichts passieren“. Von Wanderungen im Gatter wird von den Experten nicht abgeraten.