Erstellt am 17. Juni 2016, 04:45

von Sandra Frank und Christoph Reiterer

Mathe-Stolpersteine und fehlende Ausrede. Nach den mündlichen Kompensationsprüfungen fällt das Resümee im Erzbischöflichen Gymnasium Hollabrunn zwiespältig aus.

Hält Mathe-System für verbesserungswürdig: Ingrid Lehner-Pfennigbauer.  |  NOEN, NÖN

51 Kandidaten waren es im Erzbischöflichen Gymnasium, 40 im Bundesgymnasium Hollabrunn, die sich heuer der Zentralmatura stellten.

„In Englisch und Deutsch sehr schöne Ergebnisse“

„Ich bin sehr zufrieden mit unserem Ergebnis“, sagt Jutta Kadletz, Direktorin des BG/BRG Hollabrunn. Es habe, wie auch im vergangenen Jahr, keine besonderen Hürden für die Maturanten gegeben. „Bei uns ist egal, wer prüft“, freut sich Kadletz über die Leistungen ihrer Schüler.

Ihre Kollegin im Aufbaugym, Ingrid Lehner-Pfennigbauer, klingt da anders. „In Englisch und Deutsch hatten wir sehr schöne Ergebnisse“, sagt die Schulleiterin. Nur in Mathematik sieht die Welt anders aus: „In einer Klasse ist die Mathematik-Matura leider sehr schlecht ausgefallen. Auch nach den Kompensationsprüfungen sind noch einige Schüler negativ.“

Allgemein habe sie gerade in diesem Fach beobachtet, dass die Notengrade ihrer Schüler bei der Zentralmatura hinuntergegangen seien, es gebe nur wenige „Sehr gut“. Außerdem führt sie die schlechteren Noten auf Beispiele zurück, die „untypisch für eine AHS“ seien.

Die Direktorin berichtet von einer Schülerin, die in Mathematik im Bereich von „Gut“ oder „Befriedigend“ gewesen sei. Sie habe alle Beispiele im Buch geübt und auch jene auf der Seite des Bifie (Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation & Entwicklung des österreichischen Schulwesens). „Die hat sie gekonnt. Jetzt hat sie trotzdem ein ‚Nicht genügend‘, weil die Aufgabenstellung eine ganz andere war.“

Die Direktorin hofft, dass das Bifie aus solchen Fällen für die Zukunft lernt.

„Als würde ich bei der Fußball-EM
mittendrin den Elfer abschaffen“
Direktor Leopold Mayer


Von den insgesamt 30 negativen schriftlichen Arbeiten blieben an der HLW Hollabrunn nach den mündlichen Kompensationsprüfungen am Ende in Summe nur drei negativ beurteilte Schüler in den Fächern Englisch (1), Deutsch (2) und Mathe (1) übrig. Damit falle die Matura-Bilanz durchaus erfreulich aus.

Das Prozedere selbst, das sich durch die Zentralmatura verändert hat, hält Direktor Leopold Mayer für fair. „Weil drei Schüler dieselbe Frage bekommen und wir einen guten Vergleich zwischen den Schülern haben.“ Kommt nun ein Schüler mit der Ausrede, dass der Stoff nie durchgemacht wurde, zieht das nicht, wenn’s die anderen beherrschen.

Weniger erfreut ist Mayer über das für den Sommer angekündigte Schulrechtspaket 2016. Darin werde die Maturaverordnung wieder geändert. „Mitten im laufenden Prozess werden die Spielregeln geändert“, schüttelt der Direktor den Kopf. „Das ist, als würde ich bei der EM zwischen Achtelfinale und Viertelfinale den Elfmeter abschaffen und stattdessen von der Mittelauflage ohne Tormann schießen, weil da die Tormannhandschuhe nicht so abgenutzt werden.“

Das sei grotesk und es gehe wieder nur ums Geld. Jene Schüler, die sich bereits im Praktikum befinden, könne er nicht einmal g’scheit informieren, klagt Mayer, der auch Sprecher des HLW-Direktorenverbands ist.