Erstellt am 02. März 2016, 12:59

von Karin Widhalm

Musikschul-Jubiläum: „Wenn man da zuhört: Hut ab!“. Was die Jugend musikalisch drauf hat, zeigte sie beim Festakt. Absolventen erinnern sich an die Anfangszeit.

Großen Applaus erhielt das Vocalquartett mit Julia Schaden, Raphaela Shalman, Gerda Rippel und Annie Gschwandtner. Sie sangen »Shackles«.  |  NOEN, Karin Widhalm
„Eins vorweg: Wir sind überwältigt.“ So viel Publikum hatte sich Direktor Gerhard Forman nicht erwartet: Der Festakt mitsamt Konzert anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Musikschule ging am Samstag im Stadtsaal über die Bühne.

Tanzimprovisation, Blasmusiik und Solisten

Die Stadtpolitik beschloss 1966, die Gründung einer Musikschule zu unterstützen. Die Anfangszeit war geprägt von Lehrermangel und Raumproblemen. Musikpädagoge Christian Exel erinnert sich gut daran, dass er bei Herbert Neubauer in der Klostergasse mit neun Jahren neben dem geheizten Kanonenofen Blockflöte lernte.

1972 erfolgte die Errichtung der Musikschule, die 2007 erweitert und modernisiert wurde. 880 Quadratmeter stehen Lehrern und Schülern heute zur Verfügung. Wie vielfältig der Raum genutzt wird, durften die Zuhörer im Althof feststellen.

Solisten traten ebenso auf wie Ensembles. Die Blasmusik war genauso vertreten wie Streichinstrumente und das Klavier. Klassik, eine Volksweise, Zeitgenössisches und Popularmusik waren zu hören. Karoline Fehringer hatte ihren ersten großen Tanzimprovisationsauftritt.

„Wenn man da zuhört: Wirklich Hut ab!“, lobt Exel. Eine solche Vielfalt war anfangs nicht gegeben: Der Schwerpunkt lag eher auf der Blasmusik, wie Herbert Neubauer erzählt. Und selbst in diesem Bereich hatte man nicht immer die freie Wahl.

Direktor will eine Kunstschule nach Retz holen

Exel sah als Bub im Fernsehen ein großes Blasinstrument – und fragte Musikschulgründer Rudolf Neubauer danach. „Was meinst’n?“, soll dieser gefragt haben. „Na, das hat eine Art Trichter“, lautete die Beschreibung des Jungen. „Na, ein Bassflügelhorn haben wir nicht. Aber eine Trompete könnten wir brauchen!“

Dem Rotary Club ist es zu verdanken, dass Johannes Votruba der Musikschule während des Festaktes Querflöte, Trompete, Horn und Saxophon übergeben konnte. Die Instrumente haben einen Wert von 4.000 Euro.

Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka fasste sich in der Festrede kurz – und ging auf Formans Ziel ein. Der Direktor will eine Kunstschule nach Retz bringen: Dort könnte nicht nur Musik, sondern auch Malerei, Bildhauerei, Fotografie und das Schreiben außerschulisch unterrichtet werden. Sobotka: „Wir unterstützen diese Vision.“


ZITIERT

„Ich danke meinen Blasmusikkollegen: Ich habe so viele Dinge gelernt – nicht nur musikalisch.“
Christian Exel, früher Musikschüler in Retz, jetzt Musikpädagoge

„Der Musikschulverband ist ein wahnsinniges Vorbild an sinnvoller Zusammenarbeit der Kommunen. Da kann man sich ein Scherzerl abschneiden. Es ist einfach ein besseres Ausnutzen aller Ressourcen.“
Helmut Bergmann, Obmann des Musikschulverbandes. Dieser besteht aus den Gemeinden Retz, Hardegg, Pulkau, Retzbach, Schrattenthal, Weitersfeld und Zellerndorf.

„Das Geld, das die Gemeinden in die Musikschule anlegen, verzinst sich zweifach und dreifach. So reich könnt’s gar nicht werden.“
Wolfgang Sobotka, Landeshauptmann-Stellvertreter und früherer Musikschuldirektor, zu den Bürgermeistern.