Hollabrunn

Erstellt am 07. April 2017, 06:08

von Christoph Reiterer

Bauernkammer: „Nahrung sicherer als je zuvor“. Hollabrunner Bauernkammer bezweifelt Fundiertheit des „Bienenkiller-Alarms“.

Zweifeln, dass fachliche Expertise im Vordergrund steht: Kammer-obmann Schechtner und Kammer-sekretär Patschka.  |  NÖN

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat Hollabrunn und das Marchfeld als Erdäpfel-Hauptanbaugebiete ins Visier genommen und nach eigenen Angaben sechs Erdproben genommen. Das Umweltbundesamt habe diese auf Pestizide untersucht. Das Ergebnis: „In fast allen Feldern, auf denen Erdäpfel nach konventionellen Methoden angebaut werden, wurden Bienenkiller gefunden.“

Greenpeace in Aktion. In einer von drei Proben im Bezirk Hollabrunn sowie in allen drei Proben im Marchfeld sei ein bienentoxischer Wirkstoff nach-gewiesen worden. Foto: Anna Regelsberger  |  Anna Regelsberger

Für die Umweltschützer ist das eine Bestätigung ihrer Forderung, Neonicotinoide (eine Gruppe von hochwirksamen Insektiziden) zum Anbau von Nahrungsmitteln gänzlich und EU-weit zu verbieten. „Solange diese gefährlichen Pestizide weiter eingesetzt werden, sind die wichtigen Bestäuber bedroht“, sagt Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace.

Die Proben seien im Februar und damit viele Monate nach dem Anbau entnommen worden. In drei von fünf konventionellen Feldern sei das für Bienen und Hummeln extrem giftige Neonicotinoid Imidacloprid gefunden worden. Eine weitere Probe sei mit dem „Bienenkiller“ Chlorpyrifos belastet gewesen.

Dass Landwirte grundsätzlich sehr verantwortungsvoll mit Pflanzenschutzmitteln umgehen, davon sind Kammerobmann Friedrich Schechtner und Kammersekretär Gerald Patschka überzeugt. Nur mit einem Sachkundeausweis – wobei eine laufende Weiterbildung vorgeschrieben ist – sei es möglich, Pflanzenschutzmittel zu erwerben und auszubringen. Bei den Pflanzenschutzgeräten sei eine regelmäßige Überprüfung vorgeschrieben.

„Alle Pflanzenschutzmittel durchlaufen vor ihrer Zulassung ein mehrjähriges, sehr strenges Zulassungsverfahren, wo verschiedenste Parameter – darunter auch die Bienengiftigkeit – abgetestet werden“, betont Patschka. Österreich sei da ein „Musterschüler“. Die Produktionsstandards in anderen Ländern, vor allem außerhalb der EU, seien oft weit davon entfernt. „In den letzten 20 Jahren haben bei uns übrigens etwa die Hälfte der Wirkstoffe die Zulassung verloren“, so Patschka.

„Bienenkiller-Alarm“ nur PR-Maßnahme?

Die geäußerte Kritik sei mit Vorsicht zu genießen, denn manchen Gruppierungen gehe es offensichtlich nur darum, populistisch Ängste zu schüren und damit mediale Aufmerksamkeit zu erregen. „Der Schluss liegt nahe, dass dabei oft die Erhöhung des Spendenaufkommens im Vordergrund steht und nicht die fachliche Expertise“, meint der Kammersekretär. Lebensmittel seien dafür ein gut geeignetes Thema. „Dabei kann man mit Gewissheit behaupten, dass Lebensmittel heute so sicher sind wie nie zuvor in der Geschichte.“

Dass bei einer Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auch geringste Spuren – laut vorliegender Untersuchung im Millionstel-Gramm-Bereich – beziehungsweise Abbauprodukte der Wirkstoffe im Boden zu finden sind, sei nicht ganz überraschend.

Die moderne Rückstandsanalytik ermögliche es, selbst geringste Mengen aufzuspüren, die jedoch aus ökologischer und gesundheitlicher Sicht nicht relevant seien. Eine repräsentative Boden-Probenahme schaue üblicherweise auch anders aus als auf übermittelten Greenpeace-Fotos ersichtlich.

„Unserer Meinung nach gäbe es viele andere Missstände im Umwelt- oder Lebensmittelbereich aufzuzeigen, findet Schechtner die Kritik fehl am Platz. Um die Palmölproblematik mit großflächigen Rodungen von Regenwäldern und fragwürdigen Produktionsbedingungen sei es beispielsweise wieder recht ruhig geworden. „Wer wirklich ökologische Fortschritt erzielen will, sollte primär dafür eintreten, dass die österreichischen Standards auch für Importwarte gelten sollten“, so der Kammerobmann.