Erstellt am 08. September 2015, 08:55

von Christoph Reiterer

Naderer-Vorstoß: App für Flüchtlinge?. Abgeordneter Walter Naderer (parteilos) nutzte Hotspot im Bergdorf Alpbach, um Idee zur Flüchtlingserfassung vorzubringen.

Walter Naderer in Alpbach: »Der Anspruch zur Schaffung zentraler Anlaufstellen kann in effektivster und technisch einfachster Form virtuell gelöst werden.« Foto: privat  |  NOEN, privat

Das Europäische Forum Alpbach findet seit 1945 alljährlich im August im Tiroler Bergdorf Alpbach statt. Referenten und Teilnehmer aus allen Teilen der Welt, von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, Experten und Studierende kommen hier zusammen, um aktuelle Fragen der Zeit zu diskutieren und interdisziplinäre Lösungsansätze zu finden.

Kein Wunder, dass die Flüchtlingsproblematik einen Schwerpunkt darstellte. Mittendrin: Walter Naderer.

Der Landtagsabgeordnete aus Limberg brachte seine Idee einer App zur Flüchtlingsregistrierung in der EU vor.

NÖN: Sie schlagen ein virtuelles Registrierterminal für Europa vor. Wie soll das funktionieren?
Naderer: Eine auf gängigen Smartphones installierte App ermöglicht die Registrierung in ein europäisches Personenregister – ohne großen Aufwand, da die Datenerfassung technologiegestützt, mehrsprachig und audiovisuell erfolgen kann.

„Schaffung zentraler Anlaufstellen kann
am besten virtuell gelöst werden“

Wurde dieser Vorschlag in Alpbach diskutiert?
Es wurde Erfassung der Qualifikationen der Asylwerber gesprochen. Es geht um eine konkrete, praktikable Zugangsweise.

Was wäre der große Vorteil dieser Art der Registrierung?
Je geringer die Zeitverzögerung, Frustration und Schikane für die Bedürftigen erfahren wird, umso rascher können diese in eine Art Selbstorganisation finden. Der Anspruch zur Schaffung zentraler Anlaufstellen kann in effektivster und technisch einfachster Form virtuell gelöst werden. Ein weiterer Vorteil ist die weltweite Zugriffsmöglichkeit berechtigter Erfasser auch und vor allem in Konfliktregionen.

Wie geht es nun weiter mit der App-Idee?
Die App soll nun im Innenministerium vorgebracht werden. Aus meiner Sicht gibt es vier Ebenen: die Erfassungsebene; die sichere Datenspeicherung; die Verarbeitung dieser Daten; und wie die Politik mit diesen Daten umgeht. Ich kann nur einen Diskussionsbeitrag liefern. Wollen müssen‘s unsere Machthaber.

„Überparteilichkeit beim Bürgermeister-
treffen war beeindruckend“

Sie haben auch begleitende politische Maßnahmen formuliert, die aus Ihrer Sicht notwendig wären?
Dabei geht es um ein Bekenntnis zur Bekämpfung des Schlepperwesens durch die Schaffung von geordneten, alternativen Mobilitätsangeboten. Die Dublin-Vereinbarung sollte ausgesetzt werden, um durch eingeschränkte Anzahl der Reiserouten die ungerechte Belastungssituation in den gegenwärtigen Transitländern zu entlasten und eine kontingentierte Zuweisung in die Mitgliedsstaaten zu ermöglichen.

Sie waren auch beim Bürgermeistertreffen, zu dem der neue Flüchtlingskoordinator in Alpbach geladen hatte?
Die Bürgermeistersession war eine spannende Geschichte, informell und lösungsorientiert. Die Überparteilichkeit war beeindruckend. Christian Konrad war sehr bestimmt. Wichtig ist, dass Ideen von der politischen Ebene in Umsetzung gebracht werden, denn wenn die nicht wollen … aber der Druck der Bevölkerung wird so groß werden, dass die Politik reagieren muss.

Ihr persönliches Alpbach-Resümee?
Der Spirit der Veranstaltung ist ein Hammer, das ist ein derartiger Hotspot, getragen von dieser einzigartigen Atmosphäre. Jeder nimmt sicht Zeit, sich mit Argumenten verschiedener Seiten auseinanderzusetzen.